Retail Outlook: Umsätze 2015 höchstens marginal besser

Die Ökonomen der Credit Suisse erwarten 2015 eine verhaltene Entwicklung der Konsumentenstimmung und rechnen mit einem Wachstum der nominalen Detailhandelsumsätze von 0,7 Prozent. 

Gemäss der Umfrage von Fuhrer & Hotz bei Branchenvertretern blicken die Detailhändler grundsätzlich optimistisch ins Jahr 2015, wobei die Zuversicht im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen ist. Während der Einkaufstourismus 2015 nicht mehr weiter zunehmen dürfte, wird der Onlinehandel an Bedeutung gewinnen. Ein von den Ökonomen der Credit Suisse entwickeltes Zukunftsszenario geht davon aus, dass der Anteil des Onlinehandels am gesamten Detailhandelsumsatz von heute rund 5 Prozent auf 11 Prozent im Jahr 2020 ansteigen wird. Der Umsatzanteil des Onlinehandels dürfte im Bereich Heimelektronik von momentan 26 Prozent auf rund 38 Prozent im Jahr 2020, im Bereich Bekleidung von rund 14 Prozent auf 27 Prozent und im Bereich Lebensmittel von heute rund 1,6 Prozent auf 3,5 Prozent bis ins Jahr 2020 ansteigen. Damit dürfte in der Branche der Druck auf die Beschäftigung und die Preise weiter zunehmen. 

Die Ökonomen der Credit Suisse gehen davon aus, dass sich die Umsätze des Schweizer Detailhandels auch für 2015 verhalten entwickeln werden. Gemäss den Ökonomen dürften das verfügbare Einkommen und die Konsumkaufkraft im Zuge des stabilen Schweizer Wirtschaftswachstums gegenüber dem Vorjahr leicht zunehmen. Auch die Bevölkerung dürfte wachsen, aufgrund der leicht schwächeren Zuwanderung allerdings etwas weniger stark als 2014. Jedoch erwarten die Ökonomen der Credit Suisse für die Konsumentenstimmung im laufenden Jahr eine verhaltene Entwicklung. Diese dürfte sich vom Dämpfer im vierten Quartal 2014 zwar erholen, aufgrund fehlender starker Wachstumssignale aus der Schweiz und der Europäischen Union jedoch gegenüber 2014 nicht erheblich verbessern. 

Detailhändler blicken etwas zurückhaltender ins Jahr 2015 als im Vorjahr

Die Umsatz- und Gewinnplanung der vom Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz befragten über 250 Entscheidungsträger im Detailhandel ist für 2015 zurückhaltender als für 2014. Dennoch gehen 73 Prozent der Branchenvertreter von einem Umsatzwachstum und die Hälfte von einem Gewinnwachstum aus, wobei die Mehrheit mit Wachstumsraten zwischen 0 Prozent und 2 Prozent rechnet. Die Food-Händler sind dabei etwas vorsichtiger als die Near-/Non-Food-Händler. 11 Prozent der Food-Händler rechnen mit Gewinneinbussen, bei Near-/Non-Food-Händlern sind es 6 Prozent. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass 76 Prozent der Lebensmitteldetailhändler eine – meist kostspielige – Flächenausdehnung planen. Bei den Near-/Non-Food-Detailhändlern planen hingegen nur 47 Prozent eine Flächenausdehnung und 24 Prozent sogar eine Reduktion. Ein wesentlicher Treiber für die Flächenreduktion ist der Onlinehandel, der insbesondere Non-Food-Detailhändler zur Umgestaltung und Reduktion von Verkaufsflächen bewegt.

Einkaufstourismus dürfte 2015 relativ stabil bleiben

Die Ökonomen der Credit Suisse gehen davon aus, dass der stationäre Einkaufstourismus für 2014 auf hohem Niveau stabil geblieben ist. So stagnierten die Mehrwertsteuereinnahmen aus dem privaten Reiseverkehr in die Schweiz bereits das dritte Jahr in Folge. Wesentliche Gründe für diese Stabilisierung waren insbesondere die Wechselkurs- und Preisentwicklungen. 2014 verringerte sich die Differenz zwischen dem Preisniveau in der Schweiz und jenem in den Nachbarländern erneut und der Schweizer Franken wertete sich gegenüber dem Euro nur geringfügig auf. Die Zahl der Ausfuhrbescheinigungen zur Rückforderung der Mehrwertsteuer, die sich die Schweizerinnen und Schweizer an der deutschen Grenze abstempeln liessen, wuchs hingegen gegenüber dem Vorjahr deutlich. Dieser Anstieg dürfte auf die intensivere Nutzung der Mehrwertsteuerrückerstattung hinweisen und weniger auf einen stärkeren Einkaufstourismus. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen zudem davon aus, dass die zurzeit noch relativ unbedeutenden Auslandeinkäufe im Internet aus strukturellen Gründen gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen haben. Sie erwarten, dass sich diese Entwicklung auch 2015 fortsetzt. Der stationäre Einkaufstourismus dürfte 2015 jedoch weiterhin relativ stabil auf hohem Niveau verharren. Die Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Preisniveaus der Schweiz und der Nachbarländer 2015 insgesamt weiter annähern und sich der EUR/CHF-Wechselkurs seitwärts bewegen dürfte.

Unterschiedliche Bedeutung des E-Commerce für die einzelnen Segmente

2013 erwirtschafteten die Schweizer Detailhändler 4,7 Prozent des Umsatzes im Business-to-Consumer-Onlinehandel. Im Vergleich mit Ländern, die ähnliche Detail- und Onlinehandelsstrukturen wie die Schweiz haben, so z.B. Norwegen oder Grossbritannien, ist der Onlineanteil am gesamten Detailhandelsumsatz hierzulande tief. Die Bedeutung des Onlinehandels für die verschiedenen Segmente ist jedoch sehr unterschiedlich. Der Bereich Heimelektronik erwirtschaftete 2013 bereits 23 Prozent des Umsatzes im Internet. Das Bekleidungssegment wies 2013 einen E-Commerce-Anteil von 12,4 Prozent auf. Der E-Commerce im Lebensmitteldetailhandel steckt allerdings noch in den Kinderschuhen: 2013 wurden erst 1,5 Prozent des Umsatzes mit dem Onlinehandel erwirtschaftet. Diese Segmentsunterschiede lassen sich hauptsächlich auf die unterschiedlichen Produkt- und Markteigenschaften zurückführen. So kann zum Beispiel die Qualität einer Kamera am Computer leichter festgestellt werden als die Qualität von Früchten.

E-Commerce übt Druck auf Beschäftigung und Preise aus

Die aktuelle Studie «Retail Outlook» zeigt, dass ein wachsender Anteil des Onlinehandels am Detailhandelsumsatz einen negativen Einfluss auf das Beschäftigungswachstum der Branche hat. Reine Onlinehändler können in vielen Bereichen Software anstelle von Mitarbeitenden einsetzen. Auch auf die Preise im Detailhandel übt der wachsende Onlinehandel Druck aus. Reine Onlinehändler haben keine kostenintensiven Verkaufsstellen und dürften deshalb bei der Preissetzung über mehr Spielraum verfügen als stationäre Detailhändler. Ausserdem sinken durch die zunehmende Präsenz des Onlinehandels die Markteintrittsbarrieren – auch für ausländische Detailhändler, die ihre Produkte oft zu tieferen Preisen anbieten können. So ist aufgrund des wachsenden Onlineanteils ein stärkeres Wachstum der Unternehmensgründungen im Schweizer Detailhandel zu beobachten. Weiter verstärkt der steigende Onlineanteil das Wachstum der IT-Ausgaben der Detailhändler. Denn ein Onlineshop und die komplexe Direktbelieferung von Kunden verlangen ausgeklügelte und sich ständig anpassende IT-Lösungen. 

Bis 2020 dürfte der Onlineanteil am gesamten Detailhandelsumsatz rund 11 Prozent betragen

Das von den Ökonomen der Credit Suisse entwickelte Zukunftsszenario für den E-Commerce in der Schweiz zeigt, dass der Anteil des Onlinehandels am gesamten Detailhandelsumsatz von heute rund 5 Prozent auf etwa 11 Prozent im Jahr 2020 wachsen dürfte. Im Food-Segment steigt dieser Anteil von heute rund 1,6 Prozent auf 3,5 Prozent, wobei hier Trends in der Erwerbstätigkeit, der Demografie sowie der Gewöhnung an den Onlinehandel eine wichtige Rolle spielen. Im Heimelektronikmarkt dürfte das Anteilswachstum an Dynamik verlieren. Trotzdem dürfte der Onlineanteil am Elektronikumsatz gemäss Szenario der Ökonomen der Credit Suisse von heute rund 26 Prozent auf rund 38 Prozent bis 2020 ansteigen. Im Bereich Bekleidung rechnen die Ökonomen aufgrund des bisherigen Erfolgs von Onlinehändlern und des entsprechenden Drucks auf reine stationäre Detailhändler mit einem Anteil des Onlinehandels von 27 Prozent bis 2020.