«Respekt ist ein zentraler Wert in meinem Leben»
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«Respekt ist ein zentraler Wert in meinem Leben»

Er hat 15 Millionen Freunde auf Facebook und 6,7 Millionen Follower auf Instagram: Für viele ist Roger Federer ein einflussreiches Vorbild. Wie geht er mit der dauernden öffentlichen Aufmerksamkeit um? Und welche Werte möchte er seinen Fans vermitteln?

Was Berühmtheiten tun und lassen, wird penibelst registriert. Manche müssen dauernd höllisch aufpassen, wie sie frisiert oder angezogen sind, um keine negativen Schlagzeilen zu produzieren. Wie ist das bei Ihnen?

Ganz anders. Ich habe kein verstecktes Leben. Die Leute wissen, was ich mache, was für eine Person ich bin. Deshalb kann ich auch machen, was ich will. Das ist gut so. Ich möchte mich im Leben nicht verstellen müssen, sondern natürlich bleiben.

Sie stehen immer im Mittelpunkt. Nervt das nie?

Ich hatte das Glück, dass ich mich langsam an diese Situation gewöhnen konnte. Ich bin da gewissermassen reingewachsen. Das war für mich ein grosser Vorteil.

Aber trotzdem …

Die Mobiltelefone sind manchmal schon ein Problem. Wenn ein Fan sein Handy zückt, weil er von mir ein Bild machen will, kann ich das nachvollziehen. Er sieht mich vielleicht nie mehr und möchte die Gelegenheit nutzen. Wenn jemand ohne zu fragen meine Kinder fotografieren will, kann ich als Familienvater aber schon mal gereizt reagieren.

Erwarten die Leute, dass Sie ständig für sie zur Verfügung stehen?

Das kann vorkommen, doch insgesamt erlebe ich die Leute als sehr verständnisvoll. Wenn ich sage, dass ich Lust für ein Selfie habe, dann finden sie das mega cool. Wenn ich dagegen Nein sage oder mich an einem Matchtag aufs Spiel konzentrieren möchte, dann haben sie Verständnis dafür. Als Einzelsportler bin ich gegenüber Teamsportlern wie Fussballern, die auch Mannschaftstermine wahrnehmen müssen, sicher im Vorteil. Ich kann weitgehend selbst entscheiden, wann ich für meine Fans und das Publikum zur Verfügung stehe.

Behandeln Sie alle gleich?

Ganz ehrlich? Nein. Bei mir gibt es eine Wichtigkeitspyramide. Kinder kommen bei Autogrammen und Fotos zuerst. Speziell Rücksicht nehme ich zudem auf Menschen mit einer Beeinträchtigung. Auch wenn andere Sportler ein Foto machen wollen, kann ich nicht Nein sagen. Aber natürlich sind mir all meine Fans wichtig. Ich schätze ungemein, welchen Aufwand sie für Reisen und Tickets auf sich nehmen, nur um mich zu sehen.

Welche Werte möchten Sie Ihren Fans vermitteln?

Respekt ist ein zentraler Wert in meinem Leben. Es ist mir wichtig, dass meine Fans mit jenen der anderen Spieler gut auskommen, dass sie sich nicht angiften und beschimpfen, bloss weil einer mich, ein anderer dagegen Djokovic und wieder ein anderer Nadal besser findet. Da ich meine Gegner respektiere, hoffe und erwarte ich, dass meine Fans dies auch tun.

Ein typischer Tennis-Wert.

Ja, das hat sicher etwas. Beim Tennis mag es manchmal nicht ganz so euphorisch zu und her gehen wie etwa im Fussball. Das ist schade. Dafür ist unser Sport jedoch stark mit Anstand und Respekt verbunden, was ich wiederum sehr schätze.

Gibt es Grenzen, die Sie in Ihrer Rolle als globaler Influencer nicht überschreiten wollen?

Es gibt viele Dinge, von denen andere mehr verstehen, da muss ich nicht den Besserwisser spielen. Wenn du frei deine Meinung äusserst, stösst du viele Leute vor den Kopf. Deshalb gibt es Themen, über die ich öffentlich nicht spreche. Das ist meine Privatsphäre. Zudem möchte ich auch nicht, dass andere Leute nur «so» denken, weil der Roger Federer «so» denkt.

Weshalb diese Beliebtheit in allen Ländern?

Oft höre ich, dass es damit zu tun habe, wie ich Tennis spiele. Dass ich die Brücke zwischen alter und neuer Generation verkörpere. Manchmal heisst es, es liege an der Art und Weise, wie ich mich gebe. Als es mir gut ging, bewunderten mich die Leute. Als es nicht so lief, sagten sie: ‹Schau, der Federer muss auch unten durch, das ist für den sicher hart.› Das brachte mir sicher zusätzliche Fans.

Sie haben 15 Millionen Freunde auf Facebook und 6,7 Millionen folgen Ihnen auf Instagram. Erhalten Sie immer noch Fanpost?

Wer mit frankiertem Rückantwortcouvert schreibt oder Briefmarken beilegt, erhält üblicherweise eine Antwort. Das haben meine Eltern unter Kontrolle. Mindestens 15 bis 20 Briefe treffen Woche für Woche ein. Die schönsten zeigen mir meine Eltern auch heute noch. Gerade vorhin hat mir mein Vater wieder eine Beige Karten zur Unterschrift vorgelegt.

Und die Bedeutung von Social Media?

Die Entdeckung der sozialen Medien war für mich wie eine Reise auf eine exotische Insel. Es dauerte fast zwei Jahre, bis ich aktiv wurde. Ein Freund hat mir in einem halbstündigen Crash-Kurs alles erklärt. Seither bin ich in den sozialen Medien aktiv. Ich schreibe übrigens alle meine Beiträge selbst, immer dann, wenn ich Lust habe oder etwas kommunizieren möchte. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es zeitaufwändig ist, etwas Cooles zu posten.

Was bezwecken Sie mit Ihrer Roger Federer Foundation?

Meine Stiftung unterstützt Bildungsprojekte im südlichen Afrika und in der Schweiz. In Afrika tragen wir zur Verbesserung der Bildungsqualität auf Primarschulstufe und in der frühkindlichen Bildung bei. In der Schweiz dagegen konzentrieren wir uns auf die ausserschulische Förderung von Kindern aus einkommensschwachen Familien. Kinder und ihre Familien, die nicht dieselben Startchancen hatten wie unsereins, sollen von unserer Arbeit profitieren können. Ich mache das, weil ich es gerne mache. Ich kann mir so einen Traum erfüllen – und gleichzeitig Träume von andern Wirklichkeit werden lassen. Und ich hoffe, dass der eine oder andere sagt: ‹Hey, der Federer macht etwas Gutes, ich könnte ja auch mal etwas tun.›

Haben Sie selber ein Vorbild?

Gleich mehrere. Im Sport Michael Jordan. Er war in den 90er-Jahren der King. Ich habe damals immer Basketball geschaut. Im Tennis waren Edberg, Becker und Sampras meine Lieblinge. Und irgendwann lernte ich dann auch andere Persönlichkeiten kennen, Bill Gates beispielsweise, Menschen mit einer unglaublichen Geschichte, die ihr Leben der Wohltätigkeit verschrieben haben.