Politik im Netz
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Politik im Netz

Weil es politisch aktive Zeiten sind, liegt der Fokus der diesjährigen Umfrage auf «Politik im Netz». Das Internet macht Politik spannender und volksnaher. Die Jugendlichen sind sich aber bewusst, dass Inhalte auch manipuliert werden können. 

Die jüngere Vergangenheit war politisch sehr intensiv, gerade in den untersuchten vier Ländern: Wahlen in Singapur (September 2015), Wahlen in der Schweiz (Oktober 2015), Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Rousseff in Brasilien und Wahlkampf in den USA.

So unterschiedlich die nationalen Umstände und Themen – was die Politikerinnen und Politiker rund um die Welt seit ein paar Jahren eint, ist die gemeinsame Kommunikationsform. Sie benutzen immer häufiger das Internet und soziale Medien, um ihre Nachrichten zu verbreiten. Doch erreichen sie den jungen Teil des Elektorats so auch? Und kommen die Botschaften an? Eine Mehrheit der Jugendlichen in allen untersuchten Ländern bewertet die Möglichkeit positiv, politische Themen online zu kommentieren und zu diskutieren. Das sei ein Vorteil für die Politik in ihrem jeweiligen Land. Ausser in der Schweiz gibt es auch breite Zustimmung zur Aussage «Facebook, Twitter und Online-Kommentare machen Politik spannender und lebensnaher und motivieren, mich stärker politisch zu engagieren».

International comparison: the perceived impact of the internet on politics

Zudem machen Internet und soziale Medien, so die Befragten, Politik und Wirtschaft volksnaher: «Dank Online-Kommentaren und Posts beachten Organisationen und Unternehmen heute genauer, was die Leute wirklich wollen.» Dieser Aussage stimmen in den USA, Brasilien und Singapur mehr als 62 Prozent der Befragten zu, nur die Schweizerinnen und Schweizer sind etwas weniger überzeugt (51 Prozent). Dank den vielen Wahlen und Abstimmungen stehen ihnen vielleicht auch sonst genügend Wege zur Verfügung, ihre Meinung kundzutun. 

Anteil Befragter die es für möglich halten, dass Inhalte auf Facebook und Twitter teilweise manipuliert sind: 

58

USA

66

Brasilien 

70

Singapur 

70

Schweiz 

Einer grossen Mehrheit der Befragten weltweit ist bewusst, dass Beiträge auf Facebook, Twitter und Co. manipuliert werden können. Im Umkehrschluss meint ausser in Singapur nur eine Minderheit, diese Kommentare seien ehrlich und unverfälscht. Die Schweizerinnen und Schweizer sind hier besonders kritisch. Nur 19 Prozent glauben, die wahre Natur der Menschen zeige sich in den sozialen Medien. Überall ist bekannt, dass es online sogenannte Trolle gibt, die keinen ehrlichen Beitrag zur Diskussion leisten, sondern nur provozieren wollen (mehr zum Zusammenspiel von Internet und Politik in der Gesprächsrunde). 

Unabhängig vom Internet, was sehen die Jugendlichen als die grössten Probleme in ihrem Land an? Besonders in Brasilien bereitet eine Reihe von Problemen seit Jahren Sorgen. Korruption und Arbeitslosigkeit werden auch 2016 von über zwei Dritteln der 16- bis 25-Jährigen als grosse Probleme genannt – eine solche Einstimmigkeit gibt es in keinem anderen Land. Arbeitslosigkeit ist ein Top-Problem in allen Ländern. In drei Ländern ist sie unter den Top 5, in der Schweiz bezeichnen sie 21 Prozent als grösstes Problem des Landes, und auch bei den Erwachsenen im Credit Suisse Sorgenbarometer steht Arbeitslosigkeit seit Jahren ganz oben. Die hiesigen Jugendlichen beschäftigen ausserdem Fragen des Zusammenlebens respektive der Aufnahme und Integration von Ausländern. Die Flüchtlingsthematik wurde im ersten Jugendbarometer (2010) von 22 Prozent der Befragten als Problem bezeichnet, heute sind es 46 Prozent. Terrorismus hat – wenig erstaunlich – über die Jahre an Bedeutung gewonnen. In Singapur steht er an erster, in den USA an zweiter und in der Schweiz an sechster Stelle der Sorgenrangliste: 2010 nannten 13 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen Terrorismus als Problem, heute sind es schon 23 Prozent.

Top Goals & Top Problems

In den USA, Brasilien und Singapur sorgt man sich zunehmend um das Gesundheitssystem respektive die Krankenkasse und deren Prämien. In der Schweiz ist dieses Thema nicht einmal in den Top 10. Ein anderes Sozialwerk bereitet seit Jahren mehr Sorgen: die AHV, aktuell auf dem dritten Rang der Probleme.

Allen Sorgen zum Trotz sehen die Jugendlichen zuversichtlich in die Zukunft, wenn auch ein bisschen weniger als in früheren Jahren. Dass die jungen Schweizerinnen und Schweizer am meisten Optimismus zeigen (59 Prozent), erstaunt wenig, aber auch die Jugend in Brasilien (54 Prozent) geht immer noch mehrheitlich davon aus, die Zukunft werde gut. 2010 waren allerdings noch 67 Prozent der Befragten dieser Meinung. In den USA findet diese Aussage seit Jahren eine knappe Mehrheit, in Singapur sind es jeweils ein bisschen weniger als 50 Prozent der Jugendlichen, die ihr zustimmen. 

Jugendbarometer 2016: Politik im Netz

Quelle: YouTube (Credit Suisse Schweiz)