Immerwährende Metamorphose
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Immerwährende Metamorphose

Das Kunsthaus Zürich zeigt in seiner Ausstellung «Alberto Giacometti – Material und Vision» neben dessen weltberühmten Bronzen auch kostbare, aufwendig restaurierte Gipse, die so noch nie zu sehen waren. Die Ausstellung dauert noch bis zum 15. Januar 2017.

Das Kunsthaus ist gut besucht an diesem kalten, sonnigen Vormittag Anfang Dezember. Die Ausstellung mit Alberto Giacomettis Meisterwerken in Gips, Stein, Ton und Bronze zieht Publikum von überall her an – eine Gruppe französischsprachiger Touristen raschelt durch den Saal, hier sind ein paar Fetzen Chinesisch zu hören, dort ertönt Englisch in verschiedensten Akzenten. Alle sind sie hier, um endlich – oder wieder einmal – einen Giacometti aus der Nähe zu sehen. Wer jedoch Räume voller «typischer Giacomettis» erwartet – dürre, hochgeschossene Gestalten aus Bronze –, auf den warten einige Überraschungen. Kaum gezeigte Arbeiten aus Plastilin, Ton, Gips, Holz und Stein aus allen Schaffensphasen bevölkern die Ausstellungsräume. Die einen stehen auf Sockeln, andere liegen auf Podesten – ohne schützend-störende Plexiglaswand davor; wieder andere sind an einer Wand montiert oder werden in Nischen präsentiert, die eine intime Atelieratmosphäre widergeben. Die Ausstellungsarchitektur hat hier einzigartige Erlebnisräume geschaffen, die sogar mit Originalmöbeln bestückt sind, wie beispielsweise einer Kommode und einem Arbeitstisch aus Stampa. In diesem Rahmen treten Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden und in verschiedenen Stadien der Entstehung miteinander in Verbindung – genau wie einst in Giacomettis Atelier.

Credit Suisse und Kunsthaus Zürich: seit 25 Jahren Partner

«Wir wollen mit dieser Ausstellung weg vom Musealen und vermitteln, wie es im Atelier von Giacometti ausgesehen hat. Diese Ausstellung soll einen neuen Zugang schaffen zu einem Künstler, den die Leute schon so gut kennen», sagt Kurator Philippe Büttner. Hier werde sehr viel neu erworbenes Wissen vermittelt, ergänzt er, die Ausstellung füge der Rezeption von Giacometti ein komplett neues Kapitel hinzu. Schon zieht die Zürcher Ausstellung auch international ihre Kreise – die Direktorin der Tate Modern sei bereits zu Besuch gewesen und werde demnächst ihren Ausstellungsarchitekten zur Recherche nach Zürich schicken.

Doch bis die Ausstellung am Pfauen Ende Oktober 2016 eröffnen konnte, passierte einiges hinter den Kulissen. Am Anfang der Ereignisse steht eine Schenkung aus dem Jahr 2006. 75 Gipse aus dem Nachlass von Alberto Giacometti gingen als Geschenk von Albertos Bruder Bruno und dessen Frau Odette an die Alberto Giacometti-Stiftung im Kunsthaus Zürich. Zwischen 2010 und 2014 restaurierten die Experten des Kunsthauses die Objekte mit grossem Aufwand und noch grösserer Sorgfalt. Es wurden Materialanalysen gemacht, UV-Licht-Untersuchungen, 3D-Scans, Röntgentomografien, 2D-Radiografien durchgeführt. Solche Arbeiten sind nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig. Ohne verlässliche Partner kann auch eine so renommierte Institution wie das Kunsthaus Zürich solche Projekte nicht stemmen. Für das Restaurierungsprojekt konnten zuverlässige Partner gefunden werden; die Ausstellung schliesslich wurde dank der Unterstützung durch die Credit Suisse realisierbar. Christoph Becker, Direktor des Kunsthaus Zürich meint dazu: «Das Engagement der Credit Suisse gibt dem Kunsthaus vor allem Planungssicherheit bei der Realisierung von anspruchsvollen Ausstellungsprojekten auf höchstem Niveau. Die Credit Suisse engagiert sich seit 25 Jahren für das Kunsthaus Zürich als ein verlässlicher und grosszügiger Partner. Diese Kontinuität ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit. Die Nachhaltigkeit der Engagements für die Kultur zahlt sich aus: in treuen Kundenbeziehungen und in der Wertschätzung eines kunstinteressierten Publikums. Damit werden wir dem Anspruch gerecht, ein international bestens vernetztes Museum zu sein – zum Wohl unserer Institution und der jährlich rund 300 000 Besucherinnen und Besucher aus Zürich, der Schweiz und der ganzen Welt.»

Kunsthaus Zürich ist die Giacometti-Hochburg

Eine bedeutende Skulptur von Alberto Giacometti von 1950, «L'homme qui chavire» («Taumelnder Mann»), war das erste Werk, das 1954 – noch zu Lebzeiten Giacomettis – als Ankauf der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde ins Kunsthaus gelangte. Mittlerweile besitzt das Haus über 400 Werke, was es zur Giacometti-Hochburg schlechthin macht. Die Ausstellung zeigt nun viele kostbare Originalgipse, durchleuchtet und erforscht bis in die allerletzte Schicht. Geht der Zauber eines Werks nicht verloren, wenn man so viel darüber weiss? Im Gegenteil, findet Kurator Büttner: «Mich hat überrascht, wie er mit diesen Gipsen gearbeitet hat, wie er sie mit dem Messer geschabt, geritzt, gekratzt hat. Er hat sie auch bemalt. Kunst von diesem Rang lässt sich immer wieder neu erschliessen. Kombiniert man sie neu, ergeben sich andere Perspektiven. Wo Bronze etwas Endgültiges hat, erlaubt Gips die ununterbrochene Veränderung des Werks – das ist wie eine immerwährende Metamorphose.»