Pensionskassenstudie: Tiefe Zinsen und Umverteilung zwingen zum Handeln
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Pensionskassenstudie: Tiefe Zinsen und Umverteilung zwingen zum Handeln

Die Credit Suisse hat knapp 200 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen befragt. Als grösste Herausforderung wird nach wie vor das anhaltende Tiefzinsumfeld genannt. Auch der demografische Wandel und der zu hohe Mindestumwandlungssatz gehören zu den Hauptsorgen der Pensionskassen.

In ihrer neuen Studie «Schweizer Pensionskassenumfrage – Tiefe Zinsen und Demografie als zentrale Herausforderungen» nehmen die Ökonomen und die Strategieberater für institutionelle Kunden der Credit Suisse die berufliche Vorsorge genauer unter die Lupe. Die Studie basiert auf einer im Oktober/November 2016 durchgeführten Umfrage, an der knapp 200 Pensionskassenverantwortliche teilgenommen haben. Als häufigste Herausforderung nannten diese wie bereits in den letzten Pensionskassenumfragen der Credit Suisse 2011 und 2014 das anhaltende Tiefzinsumfeld. Für 93 Prozent der Umfrageteilnehmer stellt dieses eines der drei wichtigsten Probleme dar, mehr als die Hälfte bezeichnen es sogar als ihre grösste Herausforderung. Für jeweils knapp 60 Prozent gehören zudem der zu hohe Mindestumwandlungssatz und der demografische Wandel zu den drei Hauptsorgen. «Die steigende Lebenserwartung und der Renditedruck zwingen die Vorsorgeeinrichtungen dazu, sowohl auf der Leistungs- als auch auf der Anlageseite Massnahmen zu treffen», sagt Beat Zeller, Leiter Pension Funds & Corporate Investors der Credit Suisse.

Grösste Herausforderungen der Schweizer Pensionskassen

Grösste Herausforderungen der Schweizer Pensionskassen

Anteil Nennungen in %; dunkel: Umfrage 2016, hell: Umfrage 2014

Quelle: Credit Suisse Pensionskassenumfragen 2016 und 2014

Umverteilung von 5,3 Milliarden Franken zwischen Aktiven und Rentnern

Denn werden die Parameter der beruflichen Vorsorge nicht oder zu langsam an die neuen demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst, gerät das System finanziell aus dem Gleichgewicht. Zu hoch angesetzte Umwandlungssätze und technische Zinssätze führen unter anderem zu einer in der zweiten Säule nicht vorgesehenen Umverteilung von den aktiven Versicherten zu den Rentnern. Basierend auf den Ergebnissen der Pensionskassenumfrage 2016 schätzen die Ökonomen der Credit Suisse, dass sich diese Umverteilung im Jahr 2015 auf insgesamt rund 5,3 Milliarden Franken belief. Dies deutet auf eine Verschärfung der Umverteilungsproblematik in den letzten Jahren hin. Eine frühere Schätzung der Credit Suisse ging von einer Umverteilung von 3,5 Milliarden Franken für das Jahr 2010 aus.

Ohne Massnahmen wäre die Umverteilung rund 4 Milliarden Franken höher ausgefallen

93 beziehungsweise 82 Prozent der Ende 2016 befragten Pensionskassen gaben an, ihren technischen Zinssatz respektive ihre Umwandlungssätze in den vorangehenden fünf Jahren gesenkt zu haben. Gemäss Umfrage lag der durchschnittliche angewandte technische Zinssatz 2015 bei 2,5 Prozent, während er 2010 noch 3,5 Prozent betragen hatte. Parallel dazu sank der im Mittel angewandte Umwandlungssatz von 6,8 Prozent im Jahr 2010 auf 6,2 Prozent (Männer) beziehungsweise 6,1 Prozent (Frauen) im Jahr 2015. Bei den meisten Kassen lagen die angewandten Umwandlungssätze 2015 aber weiterhin über den versicherungsmathematisch korrekten, welche sich gemäss Pensionskassenexperten in der Grössenordnung von 5 Prozent bewegen. Die Autoren der Studie schätzen, dass dank der Senkungen dennoch rund 4 Milliarden Franken an zusätzlicher Umverteilung im Jahr 2015 vermieden werden konnten. Mit Blick auf die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren gaben 92 beziehungsweise 87 Prozent der befragten Pensionskassen Ende 2016 an, eine Senkung des technischen Zinssatzes respektive der Umwandlungssätze entweder bereits beschlossen zu haben oder in Erwägung zu ziehen. Dabei streben sie im Mittel einen technischen Zins von 2 Prozent und einen Umwandlungssatz von 5,5 Prozent an.

«Altersvorsorge 2020» geht vielen zu wenig weit

Bei der Festlegung des Umwandlungssatzes sind die Pensionskassen teilweise durch die Regulierung eingeschränkt: Im obligatorischen BVG-Teil sind sie an den Mindestumwandlungssatz von aktuell 6,8 Prozent gebunden. Wenig überraschend befürworten 94 Prozent der befragten Vorsorgeeinrichtungen die in der Rentenreform «Altersvorsorge 2020» geplante Senkung des Mindestumwandlungssatzes auf 6 Prozent. Eine Mehrheit der Umfrageteilnehmer ortet allerdings weiteren, über die in der Vorlage «Altersvorsorge 2020» vorgesehenen Massnahmen hinausgehenden Handlungsbedarf in der zweiten Säule. Insbesondere beim Mindestumwandlungssatz werden weitere Anpassungen und dabei vor allem eine Entpolitisierung der Festlegung gewünscht. Auch die Erhöhung des Rentenalters über 65 Jahre, die derzeit fehlende Möglichkeit zur Anpassung der laufenden Renten oder die Abschaffung des Mindestzinssatzes sind Themen, bei denen sich viele Pensionskassen eine Weiterführung der politischen Debatte wünschen.

In der Studie wird auch gezeigt, wie die Pensionskassen in Reaktion auf das Tiefzinsumfeld ihre Anlagestrategie angepasst haben. Ferner zeigen die Autoren mittels Simulationen auf, wie die künftige Entwicklung des technischen Zinssatzes aussehen könnte. Schliesslich untersuchen sie, welche Bedeutung die zweite Säule für die finanzielle Lage der Schweizerinnen und Schweizer im Alter hat und wie gesellschaftliche Trends wie die zunehmende Verbreitung von Teilzeitarbeit das aktuelle Vorsorgesystem in der Schweiz auf die Probe stellen.

Schweizer Pensionskassenumfrage 2017

Oliver Adler, Chefökonom, und Christian Wicki, Leiter Strategieberatung Pension Funds & Corporate Investors, über die Resultate der Schweizer Pensionskassenumfrage 2017.