Anlegen oder Sammeln? Über die Herausforderungen des Kunstmarkts
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Anlegen oder Sammeln? Über die Herausforderungen des Kunstmarkts

Was macht den heutigen Kunstmarkt so anders, so attraktiv? Diese Paraphrasierung des Titels eines klassischen Pop-Art-Kunstwerks von Richard Hamilton ist in der Welt nach der Finanzkrise äusserst relevant. Der Kunstmarkt boomt und neue Verkaufsrekorde werden aufgestellt. Anleger, die auf dem Kunstmarkt mitmischen wollen, sollten berücksichtigen, dass nicht alles schön und glänzend ist, sondern auch mit bestimmten Risiken einhergeht.

USD 179,4 Mio. So viel hat ein anonymer Käufer für Pablo Picassos «Les femmes d’Alger (Version «O»)» bei einer Christie’s-Auktion am 11. Mai 2015 bezahlt. Das Bild übertraf die Schätzung von Christie’s um beinahe USD 40 Millionen und wurde damit zum bisher teuersten Bild. Im Jahr 1997, als er zuletzt auf dem Markt war, wurde der Picasso für nur USD 31,9 Mio. verkauft. 18 Jahre lang erfreute «Les Femmes d’Alger» die Augen seines Besitzers und, als ob das nicht genug war, steigerte es seinen Wert immens und erwies sich als exzellente Anlage.

Kunstmarkt-Treiber

Laut dem Jahresbericht zum Kunstmarkt, der von The European Fine Art Fair (TEFAF) erstellt wird, haben letztes Jahr Kunstkäufer weltweit USD 45 Milliarden ausgegeben, was eine Zunahme von 7 % im Vorjahresvergleich darstellt. Dies sind aus zwei Gründen gute Nachrichten. Erstens bedeutet das, dass im Jahr 2014 der Allzeit-Rekord für Geld, das für Kunst ausgegeben wurde, gebrochen wurde. Zweitens bedeutet es, dass der Kunstmarkt endlich das Vor-Rezessions-Hoch von 2007 übertroffen hat. Stetig wachsende Umsätze von Auktionshäusern bestätigen die steigende Nachfrage nach Kunst. Dan Scott und Marc Häfliger, Anlagestrategen der Credit Suisse, begründen die Preisentwicklung und die wachsenden Umsätze mit einem Anstieg an privaten und institutionellen Käufern. Für die Experten sind der Anstieg des weltweiten Vermögens der Haupttreiber für den Kunstmarkt. Die von ihnen erstellten Analysen bestätigen, dass eine Korrelation zwischen Kunstpreisen und Vermögenszuwachs besteht: «Ein schneller Blick auf den Jahresbericht des Auktionshauses Christie’s zeichnet ein klares Bild. Im Jahr 2003 erzielte Christie’s Hongkong einen Gesamtumsatz von USD 98 Millionen. 2011 waren es schon USD 836 Millionen.»

Korrelation zwischen Kunst und weltweiter Inflation (1985–2011)

Name Wealth Growth in Asia Pacific
Art 100 Index 0.32
Contemporary Art 100 Index 0.07
European 19th Century Art 100 Index 0.47
Old Masters 100 Index -0.38
Modern Art 100 Index 0.07
European & North American Sculpture 100 0.01
Chinese Contemporary Art (since 2005) 0.76

Quelle: Art Market Research, Bloomberg, Credit Suisse

Kunst als Anlageklasse

Verkaufsrekorde, wie der von dem Picasso aufgestellte, sind beeindruckend und regen die Fantasie an. Insbesondere da Anleger nicht so bald die Verluste vergessen werden, die ihnen durch traditionelle Anlagen während der Finanzkrise entstanden sind. Angesichts der aktuellen Volatilität, niedriger Renditen bei Fixed Income und Bedenken bezüglich der Bewertung an den Aktienmärkten ist Kunst eine attraktive Alternative.

Dan Scott und Marc Häfliger haben einen nüchternen Blick auf das Thema geworfen, um Fragen dazu zu beantworten, warum Anlagen in Kunst attraktiv sein können und welche Risiken berücksichtigt werden sollten. Ihrer Ansicht nach bietet Kunst als Anlageklasse noch weitere attraktive Vorteile, unter anderem die geringe Korrelation mit anderen Anlagen wie Aktien, Anleihen und Gold, was Kunst zu einem exzellenten Instrument zur Portfolio-Diversifikation macht. Kunstanlagen als Sachvermögen können vor Inflation schützen und haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in einem inflationären Umfeld besser abschneiden als Aktien.

Obwohl sie die positiven Qualitäten der Anlage in Kunst loben, warnen die Experten der Credit Suisse auch davor, dass Kunst, genau wie jede andere Anlageklasse, bestimmte Risiken mit sich bringt. In erster Linie ist es eine vollkommen andere Klasse als traditionelle Anlagen wie Aktien oder Anleihen und erfordert hochspezialisiertes Fachwissen. Dan Scott und Marc Häfliger raten, dass Anleger Folgendes berücksichtigen sollten, bevor sie sich für Kunst entscheiden: Illiquidität, hohe Transaktions- und Unterhaltskosten sowie den grossen Zeitaufwand, den man der Kunst widmen muss.

Kunst und Aktien während der Finanzkrise

Kunst und Aktien während der Finanzkrise

Quelle: Art Market Research, Bloomberg, Credit Suisse / IDC

Anleger oder Sammler?

Für Interessierte, die sich nicht von den Herausforderungen des Kunstmarkts beirren lassen, hat André Rogger, leitender Kurator der Kunstsammlung der Credit Suisse, ein paar Ratschläge: «Ich würde die «Anleger» eher als Sammler betrachten, die ihren eigenen ästhetischen Vorlieben folgen. Der Besuch von Galerien und Kunstmessen sowie Gespräche im ebenfalls kunstinteressierten Freundeskreis sind die richtige Art, Kaufinteressen festzulegen.»

Dan Scott und Marc Häfliger bestätigen André Roggers Worte aus finanzieller Sichtweise: «Aus den oben genannten Gründen eignet sich Kunst deshalb am ehesten als langfristige Anlage, und die nichtfinanzielle Dividende sollte in jedem Fall ein wichtiger Antriebsfaktor für jede Anlage in Kunst sein.»

Vorteile Risiken
Geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen Illiquidität
Wachsende Nachfrage (steigender Wohlstand in Schwellenländern) Langfristige Investition
Tiefe Volatilität Fehlende Dividenden
Diversifikation Hohe Transaktionskosten und laufende Kosten (z. B. professionelle Beratung, Unterhaltskosten, Lagerung und Versicherung)
Sachvermögen/Inflationsschutz Kunstanlagen sind nicht reguliert
Prestige/sozialer Wert Fälschungsrisiko 
Emotionale Rendite