Der ausgeprägte Nationalstolz der Schweizer Bevölkerung
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Der ausgeprägte Nationalstolz der Schweizer Bevölkerung

Grosse Unterstützung für die bilateralen Verträge, aber: Es gibt eine mehrheitsfähige Alternative, wenn erste und zweite Priorität berücksichtigt werden. Der Ruf der Schweiz im Ausland hat sich verbessert, von Politikern wird mehr Zurückhaltung gefordert.

Eine der wichtigsten Fragen für ein kleines Land ist: Wie arrangiere ich mich mit den angrenzenden Staaten? Die Schweiz hat mit ihren achteinhalb Millionen Konsumenten einen (zu) kleinen Absatzmarkt, umso wichtiger ist der Zugang zu ausländischen Konsumentinnen und Konsumenten. Die Pharmafirma Novartis beispielsweise generiert gerade einmal 2 Prozent des Umsatzes im Heimmarkt.

Der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Schweiz ist die Europäische Union, wohin über die Hälfte der Exportgüter gehen (zum Vergleich: USA 15 Prozent, China 5 Prozent). Gefragt, welches Verhältnis sich die Befragten zur EU in erster oder zweiter Priorität wünschen, sagen 60 Prozent, sie unterstützten eine Fortsetzung der bilateralen Verträge. Dieser Wert war letztes Jahr in die Höhe geschossen (81 Prozent), vielleicht als Reaktion auf die Diskussion um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Die aktuelle Zustimmung ist vergleichbar mit 2014 (66 Prozent) und 2015 (60 Prozent).

Die Schweiz und die EU – Gestaltung des künftigen Verhältnisses

Der Status quo ist also breit gestützt. Interessant ist gleichzeitig, dass mehr als einer von vier Befragten die Verträge kündigen möchte. Und noch höher ist die Präferenz zu einem EWR-Beitritt, der mit 51 Prozent sogar knapp mehrheitsfähig wäre, wenn erste und zweite Priorität berücksichtigt werden. Es gibt also, aus Sicht der Befragten, eine Alternative zu den bilateralen Verträgen. Keine Chance hätte der EU-Beitritt, der nur von 21 Prozent unterstützt wird.

Alle sind patriotisch

Eine Schere zwischen Regierung und der Bevölkerung tut sich auf, wenn man fragt, wie sich die Schweizer Politik gegenüber dem Ausland verhält (immer offensiver) und welches Verhalten gewünscht wäre (immer defensiver). Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Befragten meinen, das Ansehen der Schweiz im Ausland sei über die letzten Jahre immer besser geworden, und nicht möchten, dass die gute Reputation der Schweiz nun durch zu forsches Gebaren gefährdet wird. Die Schweizerinnen und Schweizer sind äusserst stolz auf ihr Land und die neue nationale Identität ist eng mit einer globalen Welt verknüpft – umso bedeutender sind die nachbarschaftlichen Beziehungen, und die sollen nicht gefährdet werden.