Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie schrumpft noch
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Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie schrumpft noch

2016 dürfte die Schweizer Wirtschaft um 1 Prozent wachsen. Während sich der Bau seitwärts bewegen dürfte, erwarten wir für das Gastgewerbe und die Industrie insgesamt eine verhaltene Entwicklung, für den Detailhandel eine leichte Verbesserung.

Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) konnte die Schweizer Wirtschaft trotz des Frankenschocks 2015 eine Rezession vermeiden und wuchs real um 0.9 Prozent. Diese Wachstumsrate überzeichnet jedoch die Entwicklung, denn das Bruttoinlandprodukt (BIP) lag zum Jahreswechsel 2014/2015 bereits 0.9 Prozent über dem Durchschnitt von 2014. Seit Januar 2015 bewegte sich die Schweizer Wirtschaft jedoch mehr oder weniger seitwärts, weshalb viel eher von einer Stagnation gesprochen werden muss. Nominale Wachstumsimpulse kamen 2015 vor allem von staatsnahen Branchen wie dem Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtswesen sowie von den Informations- und Kommunikationsbranchen (ICT) und dem Immobilienwesen. In diesen Branchen lagen sowohl nominale Bruttowertschöpfung als auch Beschäftigung höher als im Vorjahr (vgl. Abbildungen). Deren teilweise starke Binnenorientierung und positive Nachfragetrends boten einen gewissen Schutz vor dem starken Franken. Deutliche Spuren hinterliess die Frankenstärke jedoch in der Industrie, dem Gastgewerbe und dem Handel. Insbesondere Letzterer verzeichnete – auch wegen des auf dem Grosshandel lastenden Ölpreiszerfalls – einen deutlichen Rückgang der nominalen Bruttowertschöpfung.

2016 verhaltenes Wirtschaftswachstum erwartet

Auch 2016 fällt das Schweizer Wirtschaftswachstum voraussichtlich verhalten aus. Wir prognostizieren eine BIP-Wachstumsrate von 1% gegenüber dem Vorjahr. Zwar hat der Exportsektor mittlerweile die Talsohle wohl durchschritten. Von einer breit abgestützten Exporterholung kann jedoch noch nicht die Rede sein. Der Franken bleibt nach wie vor überbewertet und die globale Nachfrage dürfte angesichts der schleppenden Konjunkturentwicklung in den wichtigsten Abnehmerländern nur langsam anziehen. Zudem wird die Binnenwirtschaft voraussichtlich weiter an Schwung verlieren. Aufgrund der Überbewertung des Frankens sind viele Unternehmen weiterhin gefordert, ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen und Sparmassnahmen zu ergreifen. Dies dürfte die Investitionstätigkeit etwas bremsen und die Arbeitslosenquote erhöhen. Wir erwarten, dass die Arbeitslosenquote Ende 2016 3.8% erreichen wird. Die Konsumentenstimmung wird deshalb im laufenden Jahr wohl verhalten bleiben. 

2015 deutliche Umsatzeinbussen in der Industrie

Der Rückblick auf das Gesamtjahr 2015 bestätigt, was sich bereits zu Jahresbeginn abgezeichnet hatte: Die Industriebranchen mussten aufgrund der Frankenstärke deutliche Umsatzeinbussen hinnehmen, die hauptsächlich auf starke Preiszugeständnisse seitens der Schweizer Unternehmen zurückzuführen waren. In Branchen wie der Lebensmittel- und Metallindustrie sowie im Maschinenbau ist aber auch die reale Nachfrage zurückgegangen. Während die Lebensmittelindustrie den stärkeren Einkaufstourismus der Schweizer Bevölkerung zu spüren bekam, hatte die Metallindustrie mit dem erhöhten Wettbewerbsdruck durch ausländische Anbieter sowie dem schlechteren Geschäftsgang der Abnehmerbranchen wie dem Maschinenbau zu kämpfen. In der Uhrenindustrie sank die Nachfrage vor allem wegen des Uhrendetailhandels in Hongkong, der unter dem schrumpfenden Tourismus aus Festlandchina litt. Zwar musste auch die chemisch-pharmazeutische Branche Umsatzrückgänge hinnehmen. Dank der gleichzeitig stark gesunkenen Rohstoffpreise (vor allem Rohöl) und teilweise hoher Margen dürfte sie diesen Rückgang im Vergleich zu anderen Industriebranchen jedoch besser verkraftet haben.

Branchenunterschiede bleiben gross

Für 2016 erwarten wir, dass sich die Industrie insgesamt verhalten entwickeln wird. Allerdings sind die Branchenunterschiede gross. Der Geschäftsgang der chemisch-pharmazeutischen Branche wird dank steigender Nachfrage in den kommenden Monaten voraussichtlich verhalten positiv sein. Die Lebensmittelindustrie dürfte aufgrund des anhaltend starken Einkaufstourismus und des starken Frankens höchstens leicht wachsen. Angesichts des im Vorjahr gesunkenen Auftragsbestands erwarten wir, dass sich im Maschinenbau die Lage frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2016 stabilisieren wird. Die Umsätze in der Metallindustrie dürften 2016 nach wie vor rückläufig sein, wenn auch weniger stark als 2015. Der Geschäftsgang in der Uhrenindustrie wird wegen der wahrscheinlich zögerlichen Nachfrageentwicklung in den wichtigsten Märkten voraussichtlich verhalten bleiben. 

Bau dürfte sich 2016 seitwärts bewegen

Nach jahrelangem Wachstum verlief das Jahr 2015 für den Bau durchzogen. Gründe dafür waren der Abschluss einiger Grossprojekte im Tiefbau, die Verunsicherung durch die Zweitwohnungsinitiative sowie regionale Überangebote bei Büro- und Verkaufsflächen. Für 2016 erwarten wir, dass sich die Umsätze im Bau seitwärts bewegen. Zwar dürften vom Mietwohnungsbau neue Wachstumsimpulse kommen. Jedoch sollte sich das Ausbaugewerbe erst in der zweiten Jahreshälfte erholen. Zudem vermag die Nachfrage nach Wohneigentum nicht mehr mit dem Angebot Schritt zu halten, was die Umsätze der Bauunternehmen dämpfen dürfte. 

Abkühlung im Autogewerbe, leichte Verbesserung im Detailhandel

Der Detailhandel musste 2015 aufgrund des stärkeren Einkaufstourismus und der zunehmenden Unsicherheiten am Arbeitsmarkt deutliche Preis- und Umsatzeinbussen hinnehmen. Auch das Gastgewerbe erlitt im Zuge der Frankenstärke Umsatzrückgänge – vor allem wegen der deutlich rückläufigen Logiernächte europäischer Gäste und Preiszugeständnissen. Das Autogewerbe hingegen konnte von den durch die Frankenstärke bedingten tiefen Importpreisen profitieren und verzeichnete ein rekordverdächtiges Verkaufsjahr. 2016 dürfte sich die Abwärtsdynamik im Gastgewerbe verlangsamen und im Detailhandel dürften sich die Umsätze stabilisieren. Im Autogewerbe erwarten wir jedoch, dass die Nachfrage nach Neuwagen zunehmend gesättigt sein wird. Das Verkaufsvolumen dürfte deutlich schwächer wachsen. Ein Rückgang ist nicht ausgeschlossen.