Viele Gelegenheiten für E-Commerce in Schwellenländern

E-Commerce könnte in Schwellenländern bald grösser sein als in Industrieländern. Nachfragetreiber in 9 von der Credit Suisse untersuchten Ländern sind wachsendes Einkommen und steigender Internetzugang.

Das zukünftige Wachstumspotenzial für E-Commerce in den Schwellenländern ist beträchtlich. «Der Anteil der Onlineverkäufe am Gesamtjahresumsatz des Einzelhandels in den von uns untersuchten Ländern – Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und Türkei – könnte auf bis zu 3,5 Billionen US-Dollar steigen und sich auf Unternehmen in mehreren Branchen, darunter Einzelhandel, Finanzwesen, Sicherheit und Technologie, auswirken», so die Ergebnisse des neuesten Emerging Consumer Survey des Credit Suisse Research Institute. Haupttreiber hinter dieser rasant steigenden Nachfrage sind der schnell wachsende Internetzugang sowie steigende Einkommen, die zu einer neuen Mittelklasse führen, die nach Produkten und Dienstleistungen verlangt. Ein weiterer Faktor, der den Online-Handel ankurbelt, ist, dass der traditionelle Einzelhandel (Offline) in den Schwellenländern relativ unterentwickelt ist.

Eine Milliarde zusätzliche Internet-Käufer?

Wenn die Internetnutzung in Entwicklungsländern auf das Niveau der Industrieländer ansteigt, könnte das 1 Milliarde zusätzliche Internetnutzer in den 9 untersuchten Ländern bedeuten. Der grösste Wachstumsbeitrag dürfte von Indien und China kommen. Hervorzuheben ist, dass die Verbraucher in Schwellenländern wahrscheinlich viel häufiger über ihr Smartphone auf das Internet zugreifen dürften als über festnetzbasiertes Internet. So erfolgt in Indien der Internetzugriff in 2/3 der Fälle über Smartphones – in China sind es fast 3/5. Dieser Trend zeigt sich in urbanen und ländlichen Gegenden. Das ist besonders relevant, da der traditionelle «stationäre» Einzelhandel in den Entwicklungsländern, vor allem in ländlichen Gegenden, viel weniger entwickelt ist als in den Industrieländern. In den untersuchten Ländern steigen die Verbaucherausgaben für E-Commerce in den ländlichen Gegenden rasant an. Der Anteil der Befragten in ländlichen Gegenden in Indien, die online Waren gekauft haben, stieg von nur 3 Prozent im Jahr 2010 auf 34 Prozent im Jahr 2014. In China hat sich dieser Anteil im gleichen Zeitraum mit 64 Prozent fast verdoppelt. «E-Commerce als Teil des Gesamteinzelhandels könnte in den Schwellenländern tatsächlich grösser werden als in den Industrieländern», so die Autoren der Studie. Unternehmen, die von diesem anhaltenden E-Commerce-Boom in den Schwellenländern profitieren möchten, sollten daher eine gut durchdachte Mobilstrategie haben.

China hat die meisten Internet-Käufer

Die Chinesen sind die fleissigsten Internet-Käufer: 65 Prozent der im Survey 2014 Befragten gaben an, dass sie in den letzten 6 Monaten mindestens einmal online eingekauft haben. In den anderen 8 untersuchten Ländern liegt diese Zahl bei weniger als 40 Prozent; diese Zahl steigt jedoch an. In Indien kauft nun ein Drittel der Internetnutzer online ein; 2011 war es noch ein Siebtel. Online-Shopping wird immer noch von den jüngeren Generationen dominiert. In China sind mehr als 70 Prozent der Internetnutzer, die online kaufen, jünger als 30. In Indien hat sich der Anteil der jüngeren Internet-Käufer zwischen 2013 und 2014 auf fast 35 Prozent verdoppelt. In den anderen 7 untersuchten Schwellenländern hat sich der E-Commerce immer noch nicht wirklich durchgesetzt. Online-Käufe machen hier weniger als 10 Prozent der Internetnutzung aus, da die Internetnutzer vor allem soziale Netzwerke, Instant Messaging und Spiele nutzen. Wie die Beispiele China und Indien zeigen, verlagert sich die Internetaktivität mit sich weiter verbreitender Internetnutzung auf eher kommerzielle Transaktionen wie Shopping, Banking und Reisen. Das Potenzial von E-Commerce ist daher immens.

Beträchtliches E-Commerce-Potenzial

Heutzutage geben Käufer in Westeuropa, Japan und Nordamerika jährlich rund 1'700 US-Dollar online aus. Der Durchschnitt in Schwellenländern liegt momentan bei unter 800 US-Dollar. Geht man davon aus, dass sich die Internetverbreitung in den 9 untersuchten Ländern auf das Niveau des 50-Prozent-Durchschnitts der Industrieländern entwickelt und dass die durchschnittlichen Ausgaben für E-Commerce auf bis zu 2'000 US-Dollar pro Käufer pro Jahr steigen, könnte der E-Commerce-Markt dieser 9 Länder langfristig einen Umsatz von bis zu 3,5 Billionen US-Dollar pro Jahr erreichen. Der chinesische Online-Markt allein könnte rund 1,1 Billionen US-Dollar an langfristigen Umsätzen erzielen. 2013 waren es noch 300 Milliarden US-Dollar In jenem Jahr erreichten die Internet-Käufe in China, als Prozentsatz des Gesamtumsatzes des Einzelhandels dargestellt, fast das US-Niveau von 9 Prozent. 2013 machte das chinesische Online-Einzelhandelssegment 8 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus. 2009 war es nur 1 Prozent.

Die wahrscheinlichen Gewinner: Einzelhandel, Finanzwesen, Sicherheit und Technologie

Die wichtigsten Endmärkte, die am meisten von diesem E-Commerce-Boom profitieren dürften, sind nicht nur Technologie-Unternehmen, die mit ihrer Hard -und Software den Menschen den Online-Einkauf ermöglichen, sondern auch viele andere Produktanbieter. Diese umfassen Musik, Bücher und elektronische Produkte sowie Unternehmen, die Online-Bildung anbieten. «Die chinesische E-Learning-Branche wird durch hohen Beschäftigungsdruck und eine Migration zur Nutzung von Mobiltelefonen bei professionellen Schulungen unterstützt», so Dick Wei, chinesischer Internet-Analyst der Credit Suisse. Die erfolgreiche Entwicklung von sicheren Online-Zahlungssystemen scheint stark mit der grösseren Nachfrage nach Online-Shopping zusammenzuhängen. Beispielsweise ist der Anteil der per Nachname bezahlten Online-Transaktionen in China um mehr als die Hälfte gesunken. Gleichzeitig steigt die Anzahl der durch Online-Zahlungslösungen von Dritten ausgeführten Transaktionen weiter an. Daher dürften nicht nur Produktanbieter von dem anhaltenden E-Commerce-Boom profitieren, sondern auch Unternehmen, die Lösungen für Onlinezahlungen anbieten, und Kreditkartenunternehmen. Auch Firmen, die grössere Sicherheit für Onlinezahlungen bieten, sollten als grosse Gewinner hervorgehen.