Mensch und Maschine
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Mensch und Maschine

Das Industrial-Life-Cycle-Team (ILC) hat einen innovativen Anlageprozess entwickelt, bei dem ein strukturierter Ansatz für die Datenanalyse mit menschlicher Sachkenntnis bei der fundamentalen Aktienselektion kombiniert wird. Die ILC-Strategien übertreffen die volatilen Aktienmärkte und bieten ihren Anlegern konstante und stabile Renditen.

Hätten Sie gedacht, dass Anleger in puncto Effektivität wertvolle Lehren aus der Schachwelt ziehen können? Michael Mauboussin und Dan Callahan von Global Financial Strategies haben das Dokument «Lessons from Freestyle Chess: Merging Fundamental and Quantitative Analysis» veröffentlicht. Sie untersuchen darin, «inwieweit sich Freistil-Schach auf das Anlageuniversum übertragen lässt, wobei Menschen die Fundamentalanalyse und Maschinen die quantitative Analyse übernehmen.» Die Lehren sind einfach:

  • Beim Schach können die besten Computerprogramme die besten Schachspieler schlagen. Der Beweis dafür wurde 1997 erbracht, als Weltmeister Garri Kasparow, der die Schachwelt 20 Jahre lang dominierte, gegen den IBM-Computer Deep Blue verlor.
  • 2005 wurde gezeigt, dass Freistil-Schach den besten Computerprogrammen überlegen ist. Bei dieser Schachform nutzt der Spieler Schachprogramme, die ihn bei seinen Zügen unterstützen.
  • Damit wurde der Beweis erbracht, dass Mensch und Maschine gemeinsam bessere Ergebnisse erzielen, als es ein Mensch oder eine Maschine alleine vermag.

Übertragen auf das Anlageuniversum, stellt sich folgende Frage: Lässt sich der Anlageprozess durch eine Kombination aus fundamentaler und quantitativer Anlagestrategie verbessern? Mauboussin fragt: «Können wir die Stärken von Mensch und Computer kombinieren und ihre jeweiligen Schwächen umgehen?» Computer liefern fortlaufend datengestützte Informationen aus einem breiten Universum, die helfen können, häufige Fehler von Fondsmanagern zu vermeiden – zum Beispiel: Voreingenommenheit, emotionale Entscheidungen oder vom Handel geschürte Ängste. Fundamentalanalysten hingegen nehmen strukturelle Veränderungen besser wahr und liefern so detaillierte Einsichten, wie sie einem mit Regeln arbeitenden Computer nicht möglich sind.

Der Zyklus des Lebens

In einer Branche, in welcher der fundamentale und der quantitative Ansatz weitgehend getrennt von­einander verfolgt werden, hat das Industrial-Life-Cycle-Team (ILC) einen Anlageprozess entwickelt, der einen strukturierten Ansatz bei der Datenanalyse mit menschlicher Sachkenntnis bei der fundamentalen Aktienselektion kombiniert.

ILC wendet bei der Aktienauswahl einen innovativen, hauseigenen Ansatz an, der auf dem Konzept des Lebenszyklus basiert. ILC hat erkannt, dass alle Unternehmen unterschiedliche Reifephasen durchlaufen und dass die Performance durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, je nachdem, in welcher Phase des Lebenszyklus sich ein Unternehmen befindet. ILC unterteilt das Aktienuniversum in fünf Phasen: Start-up, Growth, Cash Cow, Fading Winner und Restructuring.

Anschliessend werden für jede der fünf Phasen die primären Treiber der zukünftigen Aktienkursentwicklung identifiziert und anhand von Kennzahlen wie Bewertung, Qualität (Cashflow-Rendite auf dem investierten Kapital), Gewinndynamik oder Kursmomentum die Attraktivität ermittelt. 

ILC-Phasen und Alpha-Generierungsmatrix

ILC-Phasen und Alpha-Generierungsmatrix

Quelle: Credit Suisse

Ein Beispiel anhand der obenstehenden Tabelle: Die Kennzahl für die Bewertung hat bei einem Unternehmen in der Phase «Growth» nur geringe Aussagekraft in Bezug auf die potenziellen relativen Renditen. Kriterien wie Qualität und Gewinndynamik oder Kursmomentum besitzen dagegen durchaus Informationsgehalt. Hat ein Unternehmen die Phase «Cash Cow» erreicht, besteht das grösste Potenzial dann, wenn der Schwerpunkt auf die Bewertung gelegt wird und diese an starke Gewinntrends gekoppelt ist. Bei der Auswahl in den späteren Phasen «Fading Winner» und «Restructuring» werden Bewertung und Kapitaldisziplin zu den vorrangigen Faktoren.

Insgesamt konnten dank der Kombination von fundamentalem und quantitativem Ansatz über die gesamte ILC-Aktienplattform hinweg zuverlässig und konstant Überschussrenditen generiert werden. Dank seines stukturierten und reproduzierbaren Charakters lässt sich der ILC-Prozess auch bei anderen Aktienstrategien einsetzen.

Mit menschlicher Sachkenntnis

Im Rahmen des strukturierten ILC-Prozesses werden 10'000 Unternehmen in der HOLT-Datenbank analysiert und jeweils einer der fünf Lebenszyklusphasen zugeordnet. Anschliessend wird innerhalb jeder Lebenszyklusphase anhand der primären Faktoren für Überschussrenditen ein Ranking der Unternehmen erstellt. Auf diese Weise entsteht eine ILC-Rangfolge von 1 bis 100. Anlageideen mit Hilfe von ILC zu generieren, bietet den Vorteil, dass sich der Prozess auf ein breites und facettenreiches Anlageuniversum anwenden lässt. Durch Klassifizierung und Ranking wird das emotionale Moment des Investierens ausgeschaltet.

Eine weitere wichtige Komponente im ILC-Anlageprozess ist die Due Diligence, der jedes an der Spitze rangierende Unternehmen unterzogen wird. Ziel des qualitativen Inputs des Anlageteams ist es, die Attraktivität des Unternehmens und die ILC-Rangfolge zu validieren, um allfällige «falsche Positivergebnisse» zu eliminieren. Diese können verschiedene Ursachen haben: Datenintegrität, Handlungen des Unternehmens, eingeschränkte Abdeckung durch HOLT, staatliche Eingriffe, Corporate Governance und so weiter. Diese eingehende Betrachtung im Rahmen eines qualitativen Overlay hat zur Folge, dass 25 bis 35 Prozent der Anlageideen, die sich aus dem ILC-Ideengenerierungsprozess ergeben, wieder verworfen werden. Geschieht dies, so greift das Team auf dasjenige Unternehmen mit der nächsthöchsten Attraktivität in derselben Lebenszyklusphase zurück.

Ein Qualitätsprozess für die Validierung und Eliminierung falscher Positivergebnisse sorgt dafür, dass der Overlay keinen subjektiven Charakter annehmen kann. Er stellt sicher, dass die Investment nach objektiven Kriterien und emotionsfrei erfolgen. Das Entscheidende: Mensch und Maschine arbeiten mit- und nicht gegeneinander. Letzteres ist oft bei Vermögensverwaltern der Fall, die eine Kombination aus qualitativem und quantitativem Ansatz verwenden.

Das Beste aus zwei Welten

Der ILC-Anlageprozess basiert auf der Überzeugung, «dass Mensch und Maschine besser ist als Mensch oder Maschine». Er kombiniert einen systematischen Ansatz bei der Datenanalyse mit menschlicher Sachkenntnis bei der fundamentalen Aktienselektion. Diese Kombination soll die Stärken von Mensch und Maschine nutzen und ihre jeweiligen Schwächen ausschliessen. Das Ergebnis für den Kunden ist eine Anlagelösung, die immer wieder einzigartige Unternehmen identifiziert und konstant beste Chancen auf Überschussrenditen bietet.