Standortqualität: Basel-Stadt wird Kanton Zürich überholen
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Standortqualität: Basel-Stadt wird Kanton Zürich überholen

Der Standortqualitätsindikator 2016 der Credit Suisse zeigt die Kantone Zug und Zürich unverändert an der Spitze. Die Unternehmenssteuerreform III wird allerdings Bewegung ins Ranking bringen: Basel-Stadt überholt Zürich, Genf verzeichnet den grössten Ranggewinn.

Der intensive Standortwettbewerb zwingt die Schweizer Kantone und Regionen, ihre Attraktivität im Rahmen des Möglichen zu optimieren. Der Standortqualitätsindikator (SQI) der Credit Suisse misst die Attraktivität der Schweizer Regionen und Kantone für Unternehmen. Er fokussiert auf sieben «harte» Standortfaktoren und ist damit einerseits ein Wegweiser für Unternehmen, die verschiedene Standorte evaluieren. Andererseits kann er als Benchmarking-Instrument für die Optimierung der kantonalen oder regionalen Standortpolitik dienen.

Zug und Zürich auch 2016 an der Spitze

Die höchste Standortqualität weist mit einigem Vorsprung der Kanton Zug auf, gefolgt von Zürich. Darauf folgt ein Feld von fünf Verfolgern: die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Nidwalden, Luzern und Schwyz. Im breiten Mittelfeld positionieren sich diverse Agglomerationskantone sowie der Stadtkanton Genf. Unterhalb des Landesmittels kommen ländliche und gebirgige Kantone zu liegen. Deren natürliche Rahmenbedingen – z.B. die Topografie und die Distanz zu den grösseren Wirtschaftszentren – erschweren die Standortpolitik und sind weitgehend unveränderbar. Gleichwohl lässt sich die Positionierung beeinflussen, wie etwa das Beispiel des Kantons Uri zeigt, der sich deutlich günstiger positionieren kann als andere Bergkantone. Zudem positionieren sich die Zentrumskantone Bern und Waadt ebenfalls unter dem Schweizer Durchschnitt.

Standortqualität der Wirtschaftsregionen

Standortqualität der Wirtschaftsregionen

2016, synthetischer Indikator, CH = 0

Quelle: Credit Suisse, Geostat

Regionale Sicht: Erhebliche Unterschiede innerhalb von Kantonen

Die Betrachtung auf Ebene der Kantone greift in grösseren, heterogenen Kantonen – etwa Bern, Waadt, Tessin oder Graubünden – zu kurz. Aus diesem Grund betrachten wir die Standortqualität zusätzlich auf Ebene der 110 Wirtschaftsregionen. Die Zentren Zürich, Zug, Baden, Luzern, Basel und Bern sowie die Agglomerationen zählen zu den attraktivsten Regionen für Unternehmen, was hauptsächlich deren verkehrstechnischer Erreichbarkeit zu verdanken ist. In der Romandie kann sich Nyon deutlich von seinen Nachbarregionen distanzieren, im Tessin tun dies die Regionen Mendrisio und Lugano. Die Regionen im Alpen- und Jurabogen sind aus Sicht der Unternehmen klar weniger attraktiv, was durch ihre Topografie und die teilweise beträchtlichen Fahrzeiten in die Ballungszentren bedingt ist.

USR III: Basel-Stadt, Waadt und Genf senken die Unternehmenssteuern deutlich

In den kommenden Jahren werden sich einige Komponenten der Standortqualität deutlich verändern. Zum einen findet mit der Unternehmenssteuerreform III voraussichtlich ein fundamentaler Umbau der Unternehmensbesteuerung statt. Zudem wird mit der vollständigen Eröffnung der NEAT ab 2020 die Erreichbarkeit der Zentral- und Südschweiz verbessert. Basierend auf den bis zum heutigen Tag angekündigten Gewinnsteuersenkungen der Kantone und den Veränderungen bei der verkehrstechnischen Erreichbarkeit haben wir den Standortqualitätsindikator für das Jahr 2020 vorausschauend berechnet.

USR III: Zug drängt an die Spitze; Waadt, Basel-Stadt und Genf rücken weit vor

USR III: Zug drängt an die Spitze; Waadt, Basel-Stadt und Genf rücken weit vor

Gesamtbelastung* durch Gewinn- und Kapitalsteuern, in Prozent des Reingewinns, 2016 sowie unter Berücksichtigung der von den Kantonsregierungen bereits kommunizierten Anpassungen bei der Unternehmensbesteuerung

* Durchschnittliche Belastung vor Steuern für eine Kapitalgesellschaft mit einem Kapital von CHF 2 Mio.und einem Reingewinn zwischen CHF 80'000 und CHF 1'040'000

Quelle: TaxWare, Kantone, Credit Suisse

Standortqualität 2020: Basel-Stadt wird Kanton Zürich überholen

Wie heute angekündigt, plant der Kanton Basel-Stadt eine Reduktion des Gewinnsteuersatzes auf 13 Prozent. Zudem soll der heute mit 5.25 Promille relativ hohe Kapitalsteuersatz auf 1 Promille gesenkt werden. Damit würde Basel-Stadt den heutigen Nachteil der hohen ordentlichen Unternehmenssteuern wettmachen und im Standortqualitätsindikator an Zürich vorbei auf Rang 2 vorrücken. Die Kantone Genf und Waadt, die steuerlich ebenfalls deutlich attraktiver werden möchten, verzeichnen die höchsten Ranggewinne. Im Indikator der Credit Suisse läge Genf neu auf dem 4. Rang (+9) und Waadt auf dem 11. Rang (+6). Die Verbesserungen der ÖV-Erreichbarkeit durch die Eröffnung der Basistunnels am Gotthard und Monte Ceneri wirken sich im Vergleich zu den Steuersenkungen nur geringfügig auf den SQI aus.

Standortqualität der Schweizer Kantone 2016 und 2020 im Vergleich

Standortqualität der Schweizer Kantone 2016 und 2020 im Vergleich

Standortqualitätsindikator (SQI), synthetischer Index, CH = 0, 2016 und nach Neuberechnung der Teilindikatoren der Erreichbarkeit sowie der Steuerbelastung der juristischen Personen

Quelle: Credit Suisse