Für Bert Jacobs ist das Leben gut

Bert Jacobs ist vielleicht einer der glücklichsten Unternehmer unserer Zeit. Als «Chief Executive Optimist» des amerikanischen Unternehmens Life is good zeichnet sein Titel ihn als den positivsten Chef in Amerika aus.

Zusammen mit seinem Bruder John, dem «Chief Creative Optimist» des Unternehmens, hat Bert Jacobs aus seinem optimistischen Blick auf das Leben ein florierendes Unternehmen gemacht, das 2014 einen Umsatz von über 100 Millionen US-Dollar erzielte. Als einer der Hauptredner beim sechsten jährlichen Entrepreneurs Summit der Credit Suisse zum Thema «Beyond Innovation» am 5. und 6. Februar sprach Bert Jacobs darüber, wie Life is good – wie auch der Unternehmensriese Nike – mit drei einfachen Worten zu finanziellem Erfolg gekommen ist.

Der Weg des Optimismus

Mit ihrem ersten Unternehmen, das die Brüder 1989 unter dem Namen The Jacobs Gallery gründeten, verkauften sie nur T-Shirts an einer Strassenecke in Boston. Später expandierten sie und fingen an, die T-Shirts ausser in ihrem Strassenladen auch aus einem Lkw heraus zu verkaufen. Mit ihrem fahrbaren Geschäft mit dem Namen The Enterprise fuhren sie durch Massachusetts und die Ostküste entlang, um ihre T-Shirts bei Volksfesten und an Universitäten anzubieten.

Im Verlauf ihrer Reisen fiel den Brüdern die übermächtige Flut an negativen Bildern in den Medien auf. Um dem etwas entgegenzusetzen, wollten sie ein Produkt schaffen, das das zum Thema macht, «was auf der Welt richtig ist». Häufig luden die Brüder Freunde in ihre gemeinsame Wohnung ein, um Feedback zu den von ihnen verkauften Artikeln zu bekommen. An einem Abend fand die lockere Gesprächsrunde ein Strichmännchen mit einer Baskenmütze gut, das John gezeichnete hatte, und sie nannten es Jake. Viele fühlten sich von der Figur und der einfachen Botschaft «Life is good» angesprochen und für ein bevorstehendes Fest sollten 48 T-Shirts damit bedruckt werden.

Auf dem richtigen Weg

Bei einem Strassenfest in Cambridge im September waren alle 48 «Jake»-T-Shirts innerhalb von 45 Minuten ausverkauft. Die Brüder erkannten, dass ihr liebenswertes Maskottchen und die anrührende Botschaft «Life is good» bei den Kunden ankam. Doch nun stellte sich die Frage «Was kommt danach»?

«Wir hatten ein T-Shirt gemacht, das sich wie verrückt verkauft hatte, wussten aber nicht, wie es danach weitergehen sollte», erzählt Jacobs. Doch das, was ihm und seinem Bruder hilft, ist Optimismus. Er ermöglicht es ihnen, für Anregungen offen zu sein, so Jacobs. Und er erzählt weiter: «Wir waren auch offen, als wir anfingen, an den Einzelhandel zu verkaufen. Man riet uns, auf den T-Shirts, die wir verkaufen wollen, Eiscreme als Motiv abzubilden, da sie für einen einfachen Genuss steht, der den Menschen Freude bereitet, oder aber das Motiv Mountain Biking, das für ein gesundes Leben und die Art und Weise steht, wie Menschen ihr Leben geniessen. Wir haben uns diese Vorschläge angehört und waren offen dafür. Das war der entscheidende Moment für uns.»

Eine Herzensangelegenheit

Die Jacobs-Brüder haben Kommunikation und Kunst studiert, nicht Wirtschaftswissenschaft oder Finanzwesen. Sie haben sich also im Laufe der Jahre, sogar noch bevor sie 1994 ihren Flagship-Store in Boston eröffneten, auf die Ratschläge von Experten und engen Freunden eingelassen. Doch die Brüder räumen ein, dass sie Ratschläge nur dann annehmen, wenn diese auch ihrem eigenen Gefühl entsprechen. Obwohl manch einer der Meinung war, dass es Geldverschwendung sei, wenn die Brüder in ein Kürbisfest investieren, überlegte sich Jacobs, ein Kinderfest finanziell zu unterstützen, anstatt auf Werbeclips oder Printanzeigen zu setzen, als die Brüder sich auf dem richtigen Weg sahen.

«Diese Veranstaltung half Kindern, die wirklich bedürftig waren, und war der Anfang vom Wachstum unseres Unternehmens. Mit ihr begann das Wachstum unseres Unternehmens auf der Grundlage der glaubwürdigen Idee, dass wir als Kapitalisten ein Unternehmen profitabel aufbauen, es voranbringen, die Welt verbessern und Menschen helfen können, die wirklich Hilfe benötigen. Wir liessen uns vom Mitgefühl leiten und waren überzeugt, dass es auch für das Unternehmen richtig ist, wenn wir das Richtige tun.» Seit dieser ersten Veranstaltung haben die Brüder über ihre Organisation Life is good Playmakers verschiedene Feste und Fundraising-Kanäle auf der Webseite des Unternehmens mehr als 9 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Eine positive Strategie

Life is good ist seit seiner Gründung exponentiell gewachsen. Seit den Anfängen des Flagship-Store in der Newbury Street, nur ein paar Blocks entfernt von dem Ort, an dem sie ihren ersten T-Shirt-Stand hatten, verkauft das Unternehmen sein vielfältiges Produktangebot mittlerweile über 130 Direktverkaufsläden und 4500 Einzelhändler in 30 Ländern. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine 2,5 Millionen starke Anhängerschaft von Optimisten in den sozialen Medien, die weiter wächst.

Aber obwohl Jacobs das Wachstum des Unternehmens auf eine Strategie zurückführt, in deren Mittelpunkt der Optimismus steht, warnt er Unternehmer und weist darauf hin, dass es zwei Arten von Optimismus gibt – den blinden und den proaktiven Optimismus –, von denen der erste Hindernis und der andere Antriebskraft ist. «Optimismus ist eine pragmatische Strategie für den Umgang mit allem. Je höher Ihre Position ist, sei es in einem Unternehmen oder anderswo in der Welt, desto mehr bewirkt Optimismus und desto wichtiger ist es, optimistisch zu sein. Aber es geht nicht nur um das Geschäftliche, es geht auch um unser Leben. Nämlich dann, wenn Sie aufwachen und anfangen zu überlegen «Was ist richtig in meinem Leben? Was ist richtig in meinem Unternehmen? Wie mache ich mehr aus diesem Dingen?», erklärt Jacobs.

Blinder Optimismus ist gefährlich

Doch Jacobs betont auch, dass «Optimismus, der nicht in der Realität verankert ist, gefährlich ist». Wenn Sie als Führungskraft glauben, dass schon alles gut gehen wird, dann werden Sie Probleme bekommen. Sie werden an die Wand fahren. In der Realität versuchen Sie als proaktiver Optimist, der etwas erreichen will, nicht nur das halbvolle Glas zu sehen, Sie schauen vielmehr auf das halbleere Glas und fragen Ihr Team «Wie schaffen wir es, dass es voll wird?»

Das sprichwörtliche halbleere Glas von Life is good wird immer voller. Das Unternehmen hat seine Interessen diversifiziert und ist 2012 eine Partnerschaft mit der J.M. Smucker Co. eingegangen. Ziel ist die Einführung eines neuen Kaffeeangebots, das in den Geschäften von Life is good, inländischen Lebensmittelketten und über die Website von Life is good verkauft werden soll. Mithilfe der Partnerschaft soll Jacobs zufolge nicht nur köstlicher Kaffee in ganz Nordamerika verkauft, sondern auch Kindern in Not geholfen werden. Life is good hat sich auch mit Hallmark, dem bekannten Grusskartenhersteller zusammengetan, um eine Grusskartenkollektion und Produkte unter beiden Markennamen anzubieten, die in Nordamerika erhältlich sein werden. Auf seiner Website gibt Life is good an, 10 Prozent seines Nettogewinns an die Stiftung The Life is good Kids Foundation spenden zu wollen.

Vorbildliche Führung

Schaut man sich an, was das Unternehmen bislang erreicht hat, so scheint das Ziel von Life is good, trotz seiner lediglich 250 Mitarbeitenden in den nächsten zehn Jahren den Sprung von einem Multimillionen- zu einem Multimilliarden-Dollar-Unternehmen zu schaffen, durchaus realistisch. Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, braucht man laut Jacobs eine Vision und Optimismus. Nörglern, die sich nur auf das konzentrieren, was schiefgehen könnte, oder die nur sehen, warum es nicht so laufen könnte wie gewünscht, hält Jacobs entgegen, dass «es der Optimismus ist, der erst möglich macht, dass es vorangeht».

"Schauen wir auf die Geschichte, schauen wir auf die Menschheit", erklärt er. "Sie können mir aus der Geschichte keine Liste berühmter Pessimisten zusammenstellen, die Sie bewundern, weil sie so viel erreicht haben. Wenn Sie in Ihrer Branche ein Pionier sein wollen, wenn Sie in Ihrer Branche führend sein wollen, so sind es immer die Optimisten, die ganz nach oben kommen und die Branchen verändern. Denn sie sehen die Dinge, bevor es sie gibt."