«Packen wir's an»
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«Packen wir's an»

Das Vertrauen in die Schweizer Institutionen ist im internationalen Vergleich fast unerreicht. Armee und Polizei konnten weiter zulegen, die Politik kommt unter Druck.

Als ein Eckpfeiler des Erfolgsmodells Schweiz gilt die hohe Qualität der Institutionen. Der starke Schweizer Franken ist nur ein Zeugnis davon, wie auch internationale Anleger von der hiesigen Stabilität überzeugt sind. Und auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Institutionen ist – im internationalen Vergleich – immens: Gemäss OECD gibt es kein Land, in dem die Bürger ihrer Regierung mehr vertrauen (80%, Durchschnitt: 42%). Laut European Social Survey glauben die Schweizerinnen und Schweizer, die Polizei treffe überwiegend faire und gerechte Entscheidungen – nur vier der 20 untersuchten Länder haben einen knapp höheren Wert.

Und der Glaube in die Institutionen ist sehr breit gefächert: An der Spitze der Vertrauensrangliste im Sorgenbarometer steht die Judikative (Bundesgericht), gefolgt von der Exekutive und ihren ausführenden Organen (Bundesrat, Verwaltung, Polizei, Armee) und der Legislative (National- und Ständerat). Auch die Nationalbank, die Arbeitnehmerverbände, die bezahlten Zeitungen und die Banken gehören zur Gruppe der Institutionen, denen mehr als die Hälfte der Bevölkerung ihr Vertrauen schenkt. Die grössten Gewinner dieses Jahres sind die Polizei und die Armee (beide +14pp). Die Anzahl der Straftaten nimmt seit Jahren ab, was möglicherweise der Polizei angerechnet wird. Die Armee dürfte von der steigenden geopolitischen Unsicherheit profitieren. Sie legt seit 2004 kontinuierlich an Vertrauen zu. Damals lag sie noch bei 31%, heute bei 63%. Auch bei einer vergleichbaren Untersuchung der Armee und der ETH («Sicherheit 2018») gewinnen beide Institutionen seit Jahren viel Vertrauen. Ebenfalls stark an Vertrauen zugelegt hat die Nationalbank (63%, +13pp), wobei dieses Ergebnis wohl eher mit einem Ausreisser nach unten im letzten Jahr zu tun hat. Schon zuvor erreichte sie regelmässig Vertrauenswerte von 60% und mehr.

Vertrauen in Schweizer Institutionen 2018

Die Verlierer

Während die meisten Medien ihr Niveau mehr (bezahlte Zeitungen) oder weniger (Radio und Fernsehen) halten konnten, haben die Gratiszeitungen stark eingebüsst (33%, –19pp) – passend zum Resultat im Credit Suisse Jugendbarometer, wo die 16- bis 25-Jährigen angeben, dass sie diese kostenfreien Medien immer weniger nutzen. Eine ähnliche Einbusse erlitt das Internet als solches (35%, –19pp). Beides könnte auch damit zu tun haben, dass die Diskussion um Fake News in den letzten 12 Monaten omnipräsent war. Auch an Vertrauen verloren hat die Europäische Union (34%, –16pp). Das Verhältnis der Befragten zu Europa ist zurzeit ambivalent. Zuletzt verspielten die politischen Parteien viel Vertrauen (39%, –13pp), was zur Sorgenrangliste passt: Die grössten Probleme und die grössten Prioritäten in der Schweiz liegen bei «inländischen» Themen wie der AHV oder den Krankenkassen. Im Rückkehrschluss kann man annehmen, dass die Befragten finden, die Politikerinnen und Politiker hätten ihre Hausaufgaben nicht vollständig erledigt. Doch auch für die Politik gibt es äusserst positive Nachrichten: Das Interesse für sie war noch nie so hoch, 29% sind sehr und weitere 45% eher interessiert an politischen Fragen. Den Bürgerinnen und Bürgern scheint bewusst, dass grosse Fragen anstehen, und sie sind offensichtlich bereit, an deren Lösungen mitzuarbeiten.

Interesse an Politik: Trend seit 2006

In das etwas politikkritische Bild passt, dass der Stolz auf die Schweiz deutlich abgenommen hat (79%, –11pp). So tief war dieser Wert zuletzt im Nachgang zur Finanzkrise (2011). Zusammenfassen liessen sich die Forderungen der Befragten an die politischen Institutionen wohl am besten mit der Parole: «Es gibt viel zu tun, packen wir's an.»