Wissen ist die beste Investition
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Wissen ist die beste Investition

Benjamin Franklin traf den Nagel auf den Kopf: «Eine Investition in Wissen trägt die besten Zinsen.» Diese Aussage trifft zweifellos zu. Im übertragenen sowie im wörtlichen Sinne. Die International Business School INSEAD veröffentlichte in Zusammenarbeit mit der Credit Suisse ein White Paper mit dem Titel «Higher Education: Investing in Future Leaders», in dem die Hochschulbildung als ungenutzte Anlagechance mit positiver sozialer Auswirkung dargestellt wird.

Sandeep aus Indien, Oleg aus der Ukraine, Maria aus Kalifornien, Farai aus Simbabwe oder Amelia aus Argentinien. Fünf Studierende, fünf unterschiedliche Kontinente, ein Traum – einen MBA-Abschluss einer angesehenen Universität erwerben und im Leben etwas erreichen. Wie schwierig kann das in einer Welt schon sein, die immer weiter zusammenwächst? In einer Welt, in der dank der Globalisierung alles zugänglich und in Reichweite scheint. Wie sich herausgestellt hat, bleiben bestimmte Bereiche jedoch unzugänglich. Aus einer Reihe von Gründen. Während unsere fünf Studierenden den Hauptgrund – die fehlenden Finanzierungsmittel – nannten, hebt das White Paper von INSEAD noch ein paar weitere hervor.

Schätzungen zufolge entsprechen die Kosten für ein Jahr Studium in Harvard dem, was ein durchschnittlicher Einwohner von Sierra Leone in mehr als 100 Jahren verdienen würde.

Higher Education: Investing in Future Leaders

Wachsende Ungleichheiten

Bis heute ist die Verteilung des Wohlstands bei Weitem noch nicht ausgeglichen und die Einkommenslücke wächst. Zu Beginn des Jahrtausends besass das reichste Prozent unserer Bevölkerung etwa 40 Prozent des Weltvermögens. In den vergangenen fünfzehn Jahren ist letztere Zahl um 10 Prozentpunkte gestiegen. Laut dem Global Wealth Report (EN) der Credit Suisse aus dem letzten Jahr befindet sich die Hälfte des Vermögens von Privathaushalten in den Händen des reichsten Prozents. Eines der Mittel gegen die wachsenden Ungleichheiten und die Einkommenslücke ist die Hochschulbildung. Studierende, die eine Hochschulbildung an einer renommierten Universität geniessen, haben nicht nur bessere Chancen, eine vielversprechende Laufbahn einzuschlagen, sondern erhalten zudem die Möglichkeit, einflussreiche Netzwerke zu knüpfen. Was von zukünftigen Führungskräften nicht unterschätzt werden sollte. Die Frage lautet nun: Wie kann es Bewohnern aus einkommensschwachen Regionen ermöglicht werden, Zugang zu einer erstklassigen Hochschulbildung zu erlangen und so Veränderungen in ihren Heimatländern zu bewirken?

Studenten aus einkommensschwachen Ländern an zwei renommierten Universitäten (nach Staatsangehörigkeit)

Studenten aus einkommensschwachen Ländern an zwei renommierten Universitäten (nach Staatsangehörigkeit)

Quelle: Credit Suisse

Ein Abschluss macht den Unterschied

Das White Paper von INSEAD und der Credit Suisse enthält Daten, die den Zusammenhang zwischen Bildung, Beschäftigungsaussichten und Lebensstandard bestätigen. Die in den USA über die Jahre 2011 und 2012 durchgeführte Untersuchung zeigt, dass die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen 7 Prozent niedriger war als bei Mittelschulabsolventen und dass diese durchschnittlich 60 Prozent mehr verdienten als ihre gleichaltrigen Pendants mit einer niedrigeren Bildung. Noch entscheidender ist der Zusammenhang zwischen Hochschulbildung und sozialer Mobilität – unabhängig vom finanziellen und sozialen Hintergrund der Studierenden. Genau diese fehlende soziale Mobilität macht es so schwierig, neue Lebenschancen von einer Generation zur nächsten zu erschliessen.

Globale Bildungsfinanzierung (USD)

Globale Bildungsfinanzierung (USD)

2.5 Billionen werden jährlich für Bildung aufgewendet

Quelle: Credit Suisse

Durch gute Taten erfolgreich sein

Impact Investing gibt es nun schon seit einiger Zeit in verschiedenen Formen und Ausgestaltungen. Auch die Förderung eines Protegés ist nichts Neues. Ohne Stipendien oder andere Arten der finanziellen Unterstützung gäbe es in den Industrieländern nicht so viele talentierte Künstler, Wissenschaftler oder einflussreiche Politiker. Die INSEAD-Forscher betonen jedoch, dass bestehende Lösungen den wachsenden Bedarf an und die Nachfrage nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten nicht abdecken. Sie sehen Potenzial in der Verknüpfung von Impact Investing und Bildung. Auch wenn sich Impact Investing zu einem 60-Milliarden-Dollar-Markt entwickelt hat, kommt nur ein sehr geringer Teil davon der Bildung zugute. Die Forscher weisen darauf hin, dass im Hinblick auf die Abdeckung des Bedarfs an erstklassiger Hochschulbildung für Studierende in einkommensschwachen Ländern noch Steigerungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Investition in die Hochschulbildung

Investition in die Hochschulbildung

Quelle: Credit Suisse

«Viele Anleger sind empfänglich für das Thema Bildung. Sie haben einen Bezug dazu und viele von ihnen haben selbst eine Hochschulausbildung genossen. Auf der anderen Seite gibt es talentierte Studierende aus aller Welt, die das übliche Zulassungsverfahren an den renommiertesten Universitäten durchlaufen haben, jedoch nicht in der Lage sind, ihr Studium zu finanzieren. Staatliche Fördermittel werden verringert und die in ihren Ländern bereitgestellten Studentenkredite decken ein Auslandsstudium in den meisten Fällen nicht ab. Und falls doch, dann ist der Zinssatz mit 20-25 Prozent sehr hoch und Banken fordern Sicherheiten, die ein Student natürlich nicht bieten kann», so erklärt Olivier Rousset, Leiter Impact Investment Specialists, den Hintergrund des Anlageprogramms, durch welches sowohl die Bedürfnisse der Anleger als auch der Studierenden befriedigt werden sollen.

«Jeder Mensch hat einen Traum. Das Beste, das einem im Leben widerfahren kann, ist die Chance, seinen Traum zu erfüllen», sagt Sandeep Siwach, Begünstigter eines Bildungsinvestitionsprogramms, MBA-Student an der INSEAD.