Beruf, Finanzen und Karriere
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Beruf, Finanzen und Karriere

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld der letzten Jahre hinterlässt Spuren. Finanzielle Verpflichtungen belasten die Jugendlichen zunehmend. Nichtsdestotrotz hat die Generation der heute 16- bis 25-Jährigen klare Vorstellungen in Bezug auf Beruf, Finanzen und Karriere. 

Das Eigenheim ist in allen Ländern der grösste Wunsch in Geldangelegenheiten – das könnte mit einem gestiegenen finanziellen Sicherheitsbedürfnis zusammenhängen und/oder mit tiefen Zinsen: Hypotheken sind «billig», Geld anders gewinnbringend anzulegen, ist schwieriger geworden.

Für diese These spricht auch ein weiteres Resultat. Gefragt, was die 16- bis 25-Jährigen mit geschenkten 10'000 Einheiten ihrer Landeswährung machen würden, geben sie an, viel weniger auf ihr Sparkonto einzuzahlen als 2015. In den USA 1338 Dollar weniger, in Singapur -1536 Singapur-Dollar, in Brasilien -1483 Reais, in der Schweiz -98 Franken. In allen Ländern ist das immer noch der grösste Betrag, aber andere Sachen sind wichtiger geworden: Für ein Haus auf die Seite legen (US, SG), Aktien und Fonds kaufen (US, BR, SG), Ferien machen (BR, SG, CH) und in die Familie investieren (US, BR, SG).

International Comparison: Money and Debt

Ebenfalls eine grössere Veränderung gibt es beim Schuldenniveau in der Schweiz. Mehr Jugendliche geben an, gegenüber einem Mobilfunkbetreiber im Zahlungsrückstand zu sein. Letztes Jahr waren es 3 Prozent, heute sind es 7 Prozent. Das ist mehr als eine Verdoppelung, aber im Vergleich noch immer wenig: US 20 Prozent, BR 28 Prozent, SG 19 Prozent. In keinem anderen Land hat diese Art von Schulden allerdings so stark zugenommen wie in der Schweiz, und gleichzeitig geben auch 33 Prozent der Befragten hier an, ihre finanziellen Verpflichtungen seien eine grosse oder sehr grosse Belastung (12 Prozentpunkte mehr als 2013).

Zu den Berufsvorstellungen und -wünschen: Die Erfolgsgeschichten von Mark Zuckerberg und anderen Start-up-Millionären und -Milliardären scheinen die Jugendlichen stark zu beeinflussen. Nach dem Lieblingsarbeitgeber gefragt, sagen viele, sie möchten selbstständig sein – ausser in der Schweiz. Vielleicht hat das damit zu tun, dass hier diese Vorbilder (noch) fehlen oder wenig in der Öffentlichkeit auftreten.

Switzerland: Employer

In der Schweiz ist der Wunscharbeitgeber Google, das kalifornische Internetunternehmen, das seit 2004 auch in Zürich angesiedelt ist und hier den grössten Entwicklungsstandort ausserhalb von Nordamerika betreibt. Dahinter folgt die SBB, vielleicht weil sie anlässlich der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Befragungszeitraum oft positiv in den Medien dargestellt wurde. Rang 3 bis 5 belegen drei der grossen internationalen Schweizer Firmen: Novartis, Roche und die Credit Suisse.

Arbeiten von zu Hause, das sogenannte Home-Office, wird immer gefragter: USA +6 Prozentpunkte (pp) seit 2010, Brasilien +15 pp, Schweiz +14 pp. Nur in Singapur ist der Wunsch konstant geblieben, er liegt dort aber bereits auf dem höchsten Niveau aller befragten Länder. Interessanterweise gibt es hier zwischen den Geschlechtern nur wenige Unterschiede. Betrachtet man die Resultate zu Beruf und Arbeitgeber, könnte man zusammenfassen, dass die Jungen auf der Suche nach einem flexiblen, modernen, internationalen Job sind. 

Das Eigenheim ist in allen Ländern der grösste Wunsch in Geldangelegenheiten.

Gefragt, was sie im Leben anstreben, geben die Jugendlichen eine lange Liste an; Ziele, die nicht alle leicht zu vereinbaren sein dürften. 50 Prozent und mehr Zustimmung erhalten in allen Ländern: Freizeit und Beruf im Gleichgewicht halten, eigene Träume verfolgen, Eigenheim, den eigenen Talenten nachgehen, viele verschiedene Dinge ausprobieren und entdecken, Karriere im Beruf, Familie mit Kindern, viele Länder und Kulturen kennenlernen. Schaut man diese Ziele nach Unterschieden bei den Geschlechtern an, stechen zwei Fakten ins Auge: Frauen ist das Eigenheim in allen Ländern wichtiger als den Männern. Dafür geben Männer in allen Ländern häufiger als Ziel an, «in den Kreis der VIPs aufzusteigen».

Die Jugend 2016 ist nicht schlechter oder besser als irgendeine Generation vor ihr. Der grösste Unterschied zu anderen Jahrgängen liegt wohl darin, dass die Befragten nach der digitalen Revolution aufgewachsen sind. Ein Leben ohne Internet und Smartphone kennen sie nicht. Wie wir alle müssen sie aber noch herausfinden, wie der optimale Umgang mit den neuen Technologien aussieht. Die Soziologin Sherry Turkle äussert sich dazu eher kritisch. Sie plädiert dafür, dass man die Handys zur Seite legt und miteinander spricht. Sie meint nicht nur unsere Kinder.

Jugendbarometer 2016: Ziele und Wünsche

Quelle: YouTube (Credit Suisse Schweiz)