Beruf und Karriere
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Beruf und Karriere

Unter Druck, aber nicht orientierungslos: Die Jugendlichen beschäftigt der Wandel am Arbeitsmarkt. Die Schweiz bleibt dabei ein Sonderfall. Die IT-Techbranche gilt – ausser in der Schweiz – mit Abstand als beliebtester Arbeitssektor.

Das Credit Suisse Jugendbarometer 2018 beginnt mit einem düsteren Resultat. Ein überwältigender Teil der Jugendlichen in den USA (79%), Brasilien (74%) und Singapur (76%) befürchtet, «dass es meinen Job in Zukunft nicht mehr braucht». Grosse Mehrheiten der 16- bis 25-Jährigen in den drei sehr unterschiedlichen Volkswirtschaften sind verunsichert. Sie erwarten, dass der technologische Fortschritt den Arbeitsmarkt grundsätzlich verändert, und sie sind sich nicht sicher, dass sie in dieser neuen Welt noch eine Stelle haben oder finden.

Internationaler Vergleich: die Zukunft der Arbeit

In der Schweiz fürchten «nur» 34%, dass ihr Job verschwindet. Zwei Thesen könnten das Schweizer Resultat erklären. Entweder hinkt das Land der internationalen Arbeitsmarkt-Entwicklung hinterher, und der Schock kommt erst noch. Oder die Schweiz ist besser vorbereitet auf die Herausforderungen von Digitalisierung, Automatisierung oder künstlicher Intelligenz. «Wir haben eine hohe gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Bereitschaft, den Wandel zuzulassen», argumentiert auch Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in diese Richtung.

Dass die Jugendlichen in der Schweiz die digitale Revolution anders wahrnehmen als ihre Alterskollegen in Asien sowie Nord- und Südamerika, bestätigt sich bei der nächsten Frage: In den USA (60%), in Brasilien (62%) und Singapur (68%) ist man sich einig, dass wer digital vernetzt und auf den sozialen Medien aktiv ist, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. In der Schweiz sieht das nur eine Minderheit (42%) so. Die neue Arbeitswelt manifestiert sich weiter bei den Anstellungswünschen der Befragten. Am liebsten würden sie in der «IT/Tech-Branche» arbeiten. Doch während in den USA (75%), in Brasilien (72%) und Singapur (75%) dieser Sektor als äusserst attraktiv wahrgenommen wird, zieht es in der Schweiz nur 43% in diese Richtung. Kein Wunder ist in der Schweiz immer wieder von einem Mangel an Informatikerinnen und Informatikern die Rede.

Internationaler Vergleich: beliebteste Arbeitssektoren

In der Wunschliste der Arbeitsbereiche liegt der Tourismus regelmässig weit vorn, dieses Jahr auf dem zweiten Platz. Dahinter folgen Medien – das ist angesichts des rückläufigen Medienkonsums bei Jugendlichen auf den ersten Blick überraschend. Vermutlich denken die Jugendlichen bei diesem Beruf auch an soziale Medien und an neue Jobprofile wie Influencer oder Bloggerin. Auf Rang 4 (Bildung), 5 (Verwaltung) und 7 (Gesundheitswesen) liegen staatsnahe Bereiche, die besonders in der Schweiz beliebt sind. Von den klassischen Arbeitgebern aus der Wirtschaft kommen die Banken auf Rang 6, der Handel auf Rang 8 und die Pharmaindustrie auf Rang 12.

Diese Jugend mag etwas verunsichert sein, doch man kann ihr nicht den Vorwurf der Orientierungslosigkeit machen. 75% der Befragten in allen Ländern haben klare Lebensvorstellungen und versuchen, Ziele auch gegen Widerstand zu realisieren: Sie können es sich durchaus vorstellen, eine eigene Firma zu gründen (knapp die Hälfte aller Befragten, in der Schweiz allerdings nur 39%), und sie sind bereit, Risiken einzugehen. Und bei den Jugendlichen in allen Ländern ist die Weiterbildung wichtig. Die Aussage «Man muss sich ein Leben lang weiterbilden» erhält zwischen 83% und 93% Zustimmung.

Schweiz: wichtigste Ergebnisse

Diese Entschlossenheit der Befragten hat wohl auch mit der anspruchsvollen wirtschaftlichen Lage zu tun. 73% der Jugendlichen sind bereits zufrieden, wenn sie ein gleich gutes Leben wie ihre Eltern führen könnten. Das wäre im letzten Jahrhundert ein sehr bescheidenes Ziel gewesen. Die Jugend scheint nach neuen Wegen und Formen zu suchen, mit der herausfordernden Situation umzugehen – ein Beispiel dafür ist die äusserst beliebte Sharing Economy. Auch positiv fällt auf, dass knapp die Hälfte der Befragten Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen möchte.