Wahlen Italien: Druck auf Italiens Finanzmärkte dürfte anhalten
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Wahlen Italien: Druck auf Italiens Finanzmärkte dürfte anhalten

Das Wahlergebnis in Italien könnte die Marktstimmung im Inland kurzfristig belasten. Schwächephasen beim Euro sollten als Kaufgelegenheit genutzt werden.

Die Wahlen in Italien am 4. März stellen nach Meinung einiger Anleger in diesem Jahr das wichtigste politische Ereignis in Europa dar. Die Fünf-Sterne-Partei (M5S) hat deutlich besser abgeschnitten als erwartet. Das starke Ergebnis ging zulasten der Mitte-Links-Koalition, die enttäuschte. Das Ergebnis des Mitte-Rechts-Lagers entspricht den Erwartungen. Innerhalb dieses Blocks konnte allerdings die euroskeptische Lega auf nationaler Ebene Silvio Berlusconis Forza Italia überholen.

Keine grösseren Risiken für die Eurozone

Wie wir erwartet hatten, kommt es zu einem fragmentierten Parlament, in dem keine Partei oder Koalition eine klare Mehrheit hält. Bei der sich gegenwärtig abzeichnenden Sitzverteilung ist somit eine breite Koalition am wahrscheinlichsten. Die Regierungsbildung könnte mit einer langen Phase der Unsicherheit einhergehen, da die Parteien längere Zeit mit internen Entscheidungsfindungsprozessen beschäftigt sein dürften. Für erhöhte Unsicherheit an den Finanzmärkten dürfte auch die Tatsache sorgen, dass die beiden extremistischen Parteien zusammen über eine mathematische Mehrheit verfügen, wobei allerdings ein Bündnis zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega aufgrund der grossen politischen Unterschiede vorerst unwahrscheinlich ist.

Der italienische Präsident Sergio Mattarella dürfte in den kommenden Wochen den Konsultationsprozesses mit den Parteivorsitzenden einleiten. Die Marktstimmung im Inland könnte angesichts verschärfter politischer Diskussionen von erhöhter Volatilität betroffen sein. Allerdings dürften sich die Risiken auf den inländischen Markt beschränken. Grössere Risiken für die Eurozone oder die Gefahr eines Ausscheidens Italiens aus der Währungsunion sehen wir nicht.

Haushaltspolitik im Fokus

Das gute Abschneiden der Fünf-Sterne-Bewegung, das deren Position als stärkste politische Kraft bestätigt, und die hohen Gewinne der euroskeptischen Lega sprechen dafür, dass die Debatten über Populismus und Immigration auch künftig weiter intensiv geführt werden. Die Wahlprogramme hatten auf ein grösseres Haushaltsdefizit als Folge erhöhter Staatsausgaben hingedeutet, ein Thema, das auch nach den Wahlen weiterhin oben auf der Agenda stehen dürfte. Nach dem populistisch geführten Wahlkampf sind tiefgreifende Strukturreformen von einer neuen Regierung eher nicht zu erwarten. Je nachdem, wie die neue Regierung letztlich aussehen wird, ist es sogar möglich, dass Reformen zum Teil wieder rückgängig gemacht werden.

Volatilität dürfte zunehmen

Insgesamt haben die Ergebnisse den Markt in den ersten Handelsstunden leicht negativ beeinflusst. Der EUR zeigt sich etwas schwächer, italienische BTP-Futures haben nachgegeben, wobei sich die 10J-Cash-Renditen wieder in Richtung 2 Prozent bewegen. Auch italienische Aktien sind mit Verlusten in den Handel gestartet. Die Märkte zeigen sich weitgehend vorsichtig angesichts der Risiken im Zusammenhang mit Italien. Aggressive Verkäufe sind jedoch ausgeblieben, da die Europäische Zentralbank (EZB) für Unterstützung sorgt und die gesamtwirtschaftliche Aktivität anzieht. Italiens Staatsanleihen könnten dennoch eine Underperformance verzeichnen, falls der Markt die Reformbereitschaft Italiens weniger optimistisch einschätzt und die fiskalische Disziplin gelockert wird. Das Wahlergebnis gibt den Anti-Establishment-Parteien eine stärkere Verhandlungsmacht, weshalb der Regierungsbildungsprozess mit besonders grosser Unsicherheit behaftet ist. Nachdem sich italienische Aktien bislang in diesem Jahr gut entwickelt haben, rechnen wir nicht mit einer weiteren Outperformance.

Kurzfristig ist angesichts der zu erwartenden politischen Diskussionen ein Anstieg der Volatilität möglich. Der konjunkturelle Aufschwung in Europa unterstützt jedoch weiterhin unsere risikofreundliche Haltung sowie unsere positive Einschätzung zu globalen und europäischen Aktien. Darüber hinaus dürfte die von uns erwartete Normalisierung der Inflation sowie der unkonventionellen Geldpolitik der EZB darauf hinwirken, dass sich der EUR/USD-Wechselkurs in Richtung unserer 3-Monats- und 12-Monats-Prognose von 1.26 bzw. 1.30 bewegt. Etwaige Rückschläge bei der Gemeinschaftswährung infolge eventuell erhöhter politischer Unsicherheit in Italien in den nächsten Tagen wären unserer Einschätzung nach Gelegenheiten für eine Aufstockung des EUR-Exposure.