Swissness als Schlüssel zu anhaltender Wettbewerbsfähigkeit?
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Swissness als Schlüssel zu anhaltender Wettbewerbsfähigkeit?

Die Frankenaufwertung hat die Schweizer Exporte besonders hart getroffen. Könnte sich Swissness als Trumpf für Unternehmer erweisen? Ein Wirtschaftsexperte und zwei Geschäftsleute erklären, warum sie diesen Faktor gerade in Krisenzeiten für so bedeutsam halten.

«Swiss Made» zahlt sich aus. Zumindest im Konsumgüterbereich. Auch wenn einige Schweizer Erzeugnisse als teuer gelten, ist die Zahlungsbereitschaft für bestimmte Produkte wie etwa Uhren oder Schokolade überdurchschnittlich hoch. Das liegt in der Regel daran, dass Werte wie Qualität, Präzision und Innovation untrennbar mit dem Prädikat «Swiss Made» verbunden sind. Ein gutes Beispiel dafür und seit Jahrzehnten der Markenbotschafter Nummer eins des Landes ist das Schweizer Taschenmesser von Victorinox.

Doch wie steht es um Swissness als Erfolgsfaktor im Business-to-Business-Bereich? Kann sie der Schweizer Exportwirtschaft über den starken Franken hinweghelfen? Eines steht fest: Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar den Euro-Mindestkurs aufhob, hat die darauf folgende, rasante Frankenaufwertung die Aussichten für 2015 unmittelbar verschlechtert. 

Wie der Branchenmonitor der Credit Suisse zeigt, belastet dieser Entscheid seither Industrie, Handel und das Gastgewerbe und wirkt sich auf Preise, Margen und die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Unternehmen aus.

Besonders stark betroffen ist dabei die Exportwirtschaft. Wachstumsmöglichkeiten gibt es aber durchaus. Lässt man die Wechselkursentwicklung einmal aussen vor, präsentierte sich die Weltwirtschaft und damit die potenzielle Nachfrage nach Schweizer Exportgütern zu Beginn des zweiten Quartals stabil.

Lukas Gehrig, Ökonom bei der Credit Suisse, ist zuversichtlich: «Die USA bleiben ein wichtiger Wachstumsmarkt. Zudem dürfte die anziehende Konjunktur im Euroraum die negativen Auswirkungen der Frankenstärke etwas mildern.»

Swissness steht für Qualität

Einer, der täglich kleine und mittlere Schweizer Unternehmen (KMU) aus unterschiedlichen Branchen berät, ist Alberto Silini, Leiter Beratung bei Switzerland Global Enterprise (S-GE).

Zwar konnotierte auch er Swissness zunächst mit Leistungsmerkmalen wie Qualität, Präzision und Innovation, doch gerade im Business-to-Business-Bereich sieht er den Begriff weit umfassender.

«Swissness steht für Qualität, die auf einer klaren Grundhaltung, Zuverlässigkeit, Effizienz, Pünktlichkeit, Verfügbarkeit und Ordnung beruht.» Zu dieser Grundhaltung zählt Silini auch die Agilität im Umgang mit Krisen. Jenen Unternehmen, die ihre Lehren aus den Krisenjahren 2009 und 2011 gezogen haben und zusätzlich in ferne Märkte wie Nordamerika oder den Raum Asien-Pazifik expandiert sind, geht es heute besser.

«Eine Diversifikation der Exportmärkte ist aus unserer Sicht sehr ratsam, weil sie Risiken verteilt und Wachstumschancen erhöht», erklärt er.

Ein Beispiel hierfür ist die Burckhardt Compression AG in Winterthur, ein Maschinenbauunternehmen, das Kolbenkompressoren herstellt. 

Swissness steht für Qualität, die auf einer klaren Grundhaltung, Zuverlässigkeit, Effizienz, Pünktlichkeit, Verfügbarkeit und Ordnung beruht.

Alberto Silini, Leiter Beratung bei Switzerland Global Enterprise (S-GE)

Zwar musste auch sie einen Verlust von sechs bis acht Millionen Franken verbuchen, aber um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens steht es dank der Diversifikation ihrer Märkte und Kundensegmente nach wie vor gut. Zudem haben sich die seit der Euro-Krise 2011 eingeleiteten Massnahmen, wie zum Beispiel Produktivitätsverbesserungen und die Erhöhung des Beschaffungsanteils im Euro- und US-Dollar-Raum, im aktuellen Umfeld bewährt.

Auch die Montagewerke, die das Unternehmen in Südkorea und den USA errichtet, sowie der weitere lokale Ausbau des Service- und Komponentengeschäfts helfen mit, die Anfälligkeit für Währungsschwankungen weiter zu verringern.

Am Beispiel der Maschinenbaubranche lässt sich Swissness als Synonym für Spitzenqualität und Innovation auf höchstem Niveau besonders gut illustrieren.

«Unsere Kolbenkompressoren werden primär für Gastransport und -lagerung verwendet», erläutert Rolf Brändli, der CFO des Unternehmens. «Sie wiegen bis zu 400 Tonnen, wobei die Toleranzen der einzelnen Komponenten teilweise im Hundertstelmillimeter-Bereich liegen. Qualität und Serviceleistungen müssen daher überdurchschnittlich sein. Steht eine solche Maschine still, bedeutet dies für den Kunden rasch einen Verlust von einer halben Million Franken pro Tag.»

Kundenbedürfnisse im Mittelpunkt

Ein weiteres Beispiel aus der Maschinenbaubranche ist die Rychiger AG, die Maschinen herstellt, mit denen Weltkonzerne wie Nestlé und Mondelez Kaffeekapseln abpacken.

Dieses Unternehmen, das 2015 als Sieger aus dem Prix SVC Espace Mittelland hervorging, ist bestrebt, seinen Kunden bei der effizienteren Gestaltung ihrer Fertigung zu helfen.

«Unsere Stärke liegt darin, unsere Methoden immer weiter zu verbessern», erklärt CEO und Mehrheitsaktionär Axel Förster. «Unsere Kunden verdienen Maschinen, mit denen sie ihre Produktionskosten senken und den Fertigungsprozess energieeffizienter gestalten können. Ein kundenorientierter Ansatz ist dabei entscheidend.»

Diese Meinung teilt auch Rolf Brändli: «Es lohnt sich, Innovation gut strukturiert und auf Kundenbedürfnisse zugeschnitten zu betreiben, anstatt einfach wild drauflos zu erfinden.»

Swissness als Kultur leben

Swissness ist deshalb nicht nur ein Werbeslogan, sondern wird im Idealfall auch als Firmenkultur gelebt. «Wir verlangen von unseren Mitarbeitern, dass sie pünktlich, effizient und zuverlässig sind und leben das auch vor», betont Rolf Brändli.

«Was die Service-Freundlichkeit anbelangt, beispielsweise die Art, wie das Telefon abgenommen wird, sind wir Schweizer sicher nicht die Nummer eins», fügt er hinzu.

«Wir werden von der Welt wohl nicht immer als besonders zuvorkommend wahrgenommen. Auf diesem Gebiet können wir uns mit Sicherheit verbessern.»

In Hinblick auf Ausbildungsqualität und Fachkompetenz gelten die Schweizer hingegen als führend.

«Ein wesentliches Argument für den Standort Schweiz und ein weiteres Merkmal von Swissness sind die spezialisierten und topausgebildeten Fachkräfte. Das verdanken wir dem dualen Bildungssystem, dem wir unbedingt entsprechend Sorge tragen sollten», betont Alberto Silini von S-GE.

In Bezug auf den starken Schweizer Franken zieht er folgendes Fazit: «Wir empfehlen Schweizer KMU, jetzt erst recht auf Swissness zu setzen. Swissness steht für Spitzenqualität, und die darf nicht nur in Verbindung mit dem Produkt beworben werden, sondern muss sich auch in den Serviceleistungen und in der Firmenkultur zeigen.»