Anlagestrategie im Zeichen der Zentralbanken

Wie wirken sich die jüngsten Entscheidungen der SNB und EZB auf die Anlagestrategie der Credit Suisse aus? Antworten dazu im Video-Interview mit Chief Investment Officer Michael Strobaek und José Antonio Blanco, Head Global MACS.

SNB-Entscheid: Ein Schock mit begrenzten Auswirkungen

Michael Strobaek: Die Entscheidung der SNB, den EUR/CHF-Mindestkurs von 1.20 aufzuheben und die ohnehin schon negativen Zinsen noch weiter zu senken, war ein Schock. Sie kam für die Anleger völlig überraschend. Dies lässt sich an der extremen Marktreaktion ablesen. Der Schweizer Franken wertete mehr als 20 Prozent gegenüber dem Euro auf. In einem ähnlichen Umfang brach auch der Schweizer Aktienmarkt ein. Ein Kursverlauf solchen Ausmasses innerhalb eines Tages ist an einem entwickelten Markt nur ein- oder zweimal im Leben zu beobachten.

Es gilt darauf hinzuweisen, dass es sich um ein isoliertes Ereignis handelt. Der Schritt der SNB hat erhebliche Auswirkungen auf den Schweizer Franken sowie auf die Schweizer Aktien- und Anleihenmärkte. Der Einfluss auf die Finanzmärkte ausserhalb der Schweiz ist jedoch sehr begrenzt.

EZB-Ankündigung: Europäische Aktien sollten profitieren

Michael Strobaek: Unseres Erachtens hat die Ankündigung der EZB weiter reichende Implikationen. Auch wenn das Programm im Vergleich zu früheren Anleihenkaufprogrammen anderer Zentralbanken recht klein ist, hat es die Markterwartungen erfüllt.

Die schwächere Gemeinschaftswährung sollte auch den europäischen Aktienmärkten Auftrieb verleihen. Die Credit Suisse war bereits in europäischen Aktien übergewichtet. Die Entscheidung der EZB bestärkt uns in unserer Überzeugung.

Im Fixed-Income-Bereich haben wir uns dazu entschlossen, deutsche Bundesanleihen unterzugewichten. Die Erfahrungen, die in den USA mit der quantitativen Lockerung gemacht worden sind, zeigen, dass die Renditen vor der Bekanntgabe der Entscheidung tendenziell sinken und während des Anleihenkaufprogramms steigen. Die Renditen der Bunds könnten sich ähnlich entwickeln.

Vermögensvewaltungsmandate: Risiko für Anlagen in Schweizer Franken gestiegen

José Antonio Blanco: Die Auswirkungen waren vor allem bei denjenigen Vermögensverwaltungsmandaten zu spüren, die auf Schweizer Franken lauten. Dies liegt daran, dass diese Mandate gegenüber anderen Währungen und dem schweizerischen Aktienmarkt, die ja beide nach unten tendierten, einem beträchtlichen Risiko ausgesetzt sind.

Die Auswirkungen auf Portfolios, die nicht auf Schweizer Franken lauten, sind dagegen entweder geringfügig oder waren sogar leicht positiv – dies bei Mandaten, die Schweizer Aktien enthalten und dadurch von der Frankenaufwertung profitierten.

Wir überprüfen die Situation, haben die Allokation jedoch bislang unverändert belassen, da die Märkte die neuen Nachrichten noch verdauen und sehr volatil sind. Wir halten es für höchstwahrscheinlich, dass sowohl der Schweizer Franken als auch der Schweizer Aktienmarkt überreagiert haben.

Rückblick auf 2014: Häufige Anpassung der Allokation gefordert

José Antonio Blanco: 2014 war ein schwieriges Jahr: Haupttreiber der Märkte waren die anhaltende Schwäche der wichtigsten Volkswirtschaften (mit Ausnahme der USA), geopolitische Spannungen, die Debatte über die Staatsverschuldung in der Eurozone, der Bedarf an Konjunkturimpulsen und geldpolitischen Massnahmen sowie der Kollaps der Ölpreise. Trotz der vielen ungelösten Probleme schlugen sich die meisten Finanzmärkte jedoch gut.

Vor diesem Hintergrund verfolgten wir einen breit aufgestellten und dynamischen Investmentansatz. Unsere Positionen wurden sehr breit diversifiziert und wir passen die Allokation häufig an. Dies machte sich im Allgemeinen bezahlt.

So passten wir zum Beispiel mehrere Male unsere Aktienallokation im Jahresverlauf an und erhöhten insbesondere im zweiten Halbjahr unsere Aktiengewichtung. Auch unsere regionale Allokation passten wir recht häufig an, wobei wir die divergierende Entwicklung der Länder berücksichtigten. So erzielten zum Beispiel unsere abgesicherten Positionen in japanischen Aktien, die wir ausgebaut hatten, ein positives Ergebnis. Das Gleiche gilt für unsere Aktieninvestments in der Eurozone, die wir nach der Korrektur im Oktober erhöht hatten. Die Erholung der Aktienmärkte in der Eurozone schlug hier positiv zu Buche. 

Die Anlagestrategie der Credit Suisse für 2015

Aktien Schweiz

  • Market View: Wechsel von «outperform» zu «neutral» für den Gesamtmarkt
  • Sektoren: Gelegenheit für eine Übergewichtung von Telcos, Gesundheitswesen und Firmen mit hohen Dividenden

Aktien Nicht-Schweiz

Gelegenheit für selektive Käufe in Europa, Japan und Australien

Anleihen

  • Verkaufen: Profite mitnehmen von CH-Anleihen nach dem EZB-Entscheid. Kein Kauf von langfristigen CH-Anleihen
  • Wenn man in CHF Anleihen bleiben muss, Reduktion der Laufzeit und/oder Wechsel zu «cash-like»
  • Kauf von USD-Anleihen mit kurzen Laufzeiten (USD wird stärker)
  • Outperform: Hochzinsanleihen und Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung

Währungen

  • Profite aus CHF-Anlagen mitnehmen und Positionen nach EZB-Entscheid reduzieren
  • Absicherung von CHF-Währungsrisiken, falls nötig