Investitionen in Technologie: Das Glück begünstigt die Informierten
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Investitionen in Technologie: Das Glück begünstigt die Informierten

Die Menge an Anlagemöglichkeiten im Technologiesektor kann selbst für die erfahrensten Anleger eine gewaltige Herausforderung sein. Weise Worte von langjährigen Anlegern, wie das nächste erfolgreiche Technologieunternehmen ermittelt werden kann.

Der Aufbau einer wirkungsvollen Anlagestrategie wirkt bestenfalls wie eine ungenaue Wissenschaft. Bei Anlagen im Technologiesektor ist sie ironischerweise ungenauer als in den meisten anderen Branchen. Der veränderliche und schnelllebige Sektor wird durch sein überschäumendes unternehmerischen Ethos definiert. Doch dieses Überschäumen kann statt der Vitalität und Innovation von Marktführern wie Apple, Facebook und Waze auch nur Schaumschlägerei sein. Dennoch zieht der Technologiesektor mit den beeindruckenden Renditen, die die erfolgreichsten Anlagen bieten, Anleger an. Aber darin liegt ein Dilemma. Das Ziel aller Anleger ist natürlich, das nächste «Einhorn» zu finden und darin zu investieren. Doch wie die Logik geschäftlicher Überlegungen und der Rechnungslegung beweist, erreichen nur wenige Unternehmen die gewünschten Ziele Branchendominanz, IPO oder strategischer Verkauf. Die Frage für Neueinsteiger und erfahrene Anleger ist dieselbe: Was muss bei Anlagen im Technologiesektor berücksichtigt werden?

Der übergreifende Einfluss von Technologie

Philippe Cerf, Co-Leiter Telecoms, Media and Technology der Region EMEA im Investment Banking bei der Credit Suisse, hat beobachtet, dass, trotz der zurzeit nicht ausreichend vorhandenen Vorsicht im Anlagenbereich Gerüchte über die Verwandlung des Auftriebs des Technologiesektors in eine Spekulationsblase verfehlt sind. «Wir sehen eine gewisse Korrektur im Markt, aber dies geschieht in allen Bereichen», sagt er. «Aufgrund von Unsicherheiten im globalen Wirtschaftsausblick besteht Volatilität – China wächst langsamer, Brasilien steht am Rande einer Rezession.» Diese breit gefasste Betrachtung, argumentiert er, zeigt nicht alle Besonderheiten – und das Anlagepotenzial – des Technologiesektors. «Der heilige Gral für Anleger ist Wachstum», merkt er an. «Der Technologiesektor ist sehr innovativ: Software as a Service, Cybersicherheit, Datamining und verbundene Objekte sind nur einige der Trends, die die Art und Weise, wie wir Geschäfte machen, verändern. Diese werden erhebliche Auswirkungen auf alle Branchen haben und eine immense Anlagemöglichkeit darstellen.»

Gigi Levy-Weiss, ein Angel Investor mit Sitz in Tel Aviv mit Verbindungen zu einer Reihe von israelischen Start-ups, stimmt dem zu. «Ein Blick auf die letzten Jahre lässt erkennen, dass alles mit Technologie verbunden ist» konstatiert er. Herr Levy-Weiss zeigt mit vielen Hintergrundinformationen eine Reihe an Geschäftsbereichen auf – von Taxi-Services bis zum Diamantenhandel –, in denen Innovation durch technische Entwicklung die Effizienz und Geschäftstransparenz erhöht hat. Er argumentiert, dass Technologie im Rahmen ihres übergreifenden Einflusses auf die allgemeine wirtschaftliche Aktivität betrachtet werden sollte, statt sie als einen eigenen Sektor der traditionellen Wirtschaft zu klassifizieren. «Technologie war einmal ein abgeschlossener Bereich, der die traditionelle Wirtschaft nicht ernstzunehmend beeinflusst hat», erinnert er sich. Aber die Kombination aus Innovation und disruptivem Potenzial hat viele Möglichkeiten für Anlagen, Wachstum und gute Renditen hervorgebracht. «In nahezu jedem Bereich ... ist Technologie plötzlich die beste Anlagemöglichkeit.»

Eine gute Gelegenheit? Ein Netzwerk-basierter Ansatz zu Due Diligence

Zu sagen, dass der Technologiesektor Reichtum und Gewinne für alle verspricht, ist ziemlich weit von der Wahrheit entfernt. Eine oft angegebene Statistik besagt, dass neun von zehn Start-ups nicht erfolgreich sind. Eine kürzlich von der Venture-Capital-Datenbank CB Insights durchgeführte Branchenumfrage deutet darauf hin, dass Unternehmen durchschnittlich rund 20 Monate nach ihrer letzten Finanzierungsrunde scheitern. Dies hat aber auch einen positiven Aspekt: Der Technologiesektor reguliert sich scheinbar grösstenteils selbst und unterliegt nicht dem, was (in einem etwas anderen Zusammenhang) als der «irrationale Überschwang des Marktes» bezeichnet wurde. Trotzdem muss angemerkt werden, dass Marktanteil für Technologie-Start-ups eine höhere Priorität als Gewinn hat. Anhand welcher Kennzahlen können potenzielle Anleger dann beurteilen, ob ein Unternehmen sein Anlagepotenzial erfüllen wird?

«Man muss bedenken, dass alle diese Unternehmen Geld verlieren, um Wachstum zu generieren», merkt Greg Grimaldi, Co-Leiter eines Credit-Suisse-Fonds mit Schwerpunkt auf wachstumsorientierten Fintech-Firmen. «Die Anlage wird zum Ankurbeln des Wachstums in Sales und Marketing getätigt.» Das stellt jedoch eine Herausforderung dar: Es liegt in der Natur des Technologiesektors, dass viele der Ideen und die Talente, die diese Ideen entwickeln, sich noch nicht bewiesen haben. Wie können Anleger also mithilfe von Due Diligence unrentable Projekte aussortieren? Fundierte analytische Erkenntnisse sind der offensichtliche erste Schritt. «Sie müssen feststellen, ob es sich um ein nachhaltiges Geschäftsmodell handelt», so Greg Grimaldi. Die Standardkennzahl misst die Wachstumsaussichten im Vergleich zu Bewertungen – das gewünschte Ergebnis ist eine erwartete Rendite, die über dem ursprünglichen Anlagebetrag liegt.

Netzwerkeffekte und Schwarmfinanzierung

Anlagechancen im Technologiesektor müssen nicht notwendigerweise den grössten Anlegern vorbehalten sein. Schwarmfinanzierung ist eine immer beliebter werdende Anlageplattform, die Einzelanlegern die Möglichkeit gibt, ihre Ressourcen zusammenzulegen und zu gleichen Konditionen an Finanzierungsrunden teilzunehmen. Die in Tel Aviv ansässige Anlageplattform iAngels ermöglicht Einzelanlegern durch seine Kenntnisse über israelische Start-ups die Anlage in ein kuratiertes Portfolio zu ähnlichen Bedingungen wie ein Angel Investor in einem Massstab, der eher den Ressourcen eines Einzelanlegers entspricht. Mitgründerin Shelly Hod Moyal unterstreicht das demokratische Potenzial, das ihre Plattform für Anleger bietet. «Unser Ziel ist die Öffnung des israelischen Early-Stage-Marktes für eine globale Community von Privatanlegern» sagt sie.

Der Zugang zu Anlagemärkten ist eine Sache. Die Möglichkeit, im überlaufenen Start-up-Markt einen Sieger zu finden, ist eine andere Sache – selbst unter Anleitung einer kuratierten Anlageplattform wie iAngels. Den Schwerpunkt auf einen Bereich oder mehrere Bereiche im Technologiesektor zu legen, hat sich für Anleger bisher als geeigneten Ansatz erwiesen und wird das ohne Zweifel auch weiterhin tun. Der Angel Investor Gigi Levy-Weiss ist nach eigenen Angaben von einigen Bereichen begeistert. Darüber hinaus spricht er aber auch über die Beurteilung dessen, was er als den «verteidigungsfähigen Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens» als Leitfaden beschreibt. Einer dieser Vorteile, der aktuell stark beeinflusst, wie er über Anlagen denkt, ist der Netzwerkeffekt. Dabei werden die Vorteile bestehender Knotenpunkte an neue Knotenpunkte weitergegeben, was Mehrwert für das gesamte Netzwerk erzeugt. Als Beispiel für den Wert weiterer Knotenpunkte für das Netzwerk gibt er das Telefon an. «Die erste Person mit einem Telefon konnte niemanden anrufen, bis andere dem Netzwerk beitraten», so seine Beobachtung. Der Nutzen war begrenzt, bis das Netzwerk erweitert wurde. Mit der Erweiterung des Netzwerks stieg auch sein Wert. Käufer/Verkäufer-Marktplätze wie eBay und Airbnb sind reale Beispiele für wertschöpfende Unternehmen, die Netzwerkeffekte zu ihrem Vorteil nutzen. «Der erste Verkäufer auf Ebay konnte niemandem etwas verkaufen, der erste Käufer hatte niemanden, von dem er etwas kaufen konnte. Durch steigende Teilnehmerzahlen entstand jedoch bald ein Netzwerkeffekt, durch den alle Teilnehmer die Vorteile der Zusammenarbeit nutzen konnten.»

Netzwerkeffekte existieren auch in anderen Zusammenhängen. Philippe Cerf von der Credit Suisse betont, dass das umfangreiche Netzwerk der Bank, das sowohl Investment Banking als auch Private Wealth Management umfasst, eine Gemeinschaft erzeugt ( also ein Netzwerk) , die einen Talent-, Fähigkeits-, Wissens- und Anlagechancen-Pool für alle Teilnehmer schafft. «Es bietet eine Gelegenheit zum Informationsaustausch: Welche Bereiche sind in Bezug auf Anlagen interessant, vor welchen Herausforderungen stehen Start-ups? Und wie können diese Herausforderungen aus globaler Sicht gemeistert werden?»