Mithilfe von Start-ups in finanzieller Inklusion anlegen
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Mithilfe von Start-ups in finanzieller Inklusion anlegen

Start-ups sind oftmals Innovationstreiber, doch sehen sie sich oft mit Schwierigkeiten wie fehlendem Zugang zu Kapital oder Mangel an strategischer Unterstützung konfrontiert – insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern. Infolgedessen sind die Chancen vieler aussichtsreicher Ideen limitiert, überhaupt erst auf den Markt zu kommen.

Rund zwei Milliarden Menschen – mehr als ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung weltweit – sind laut der Weltbank finanziell ausgegrenzt. Ihnen werden von den gängigen Banken keine Finanzdienstleistungen angeboten, da sie aufgrund ihrer Armut nicht als attraktive Kunden gelten; oder sie möchten aufgrund von Kosten, Anreisewegen oder den oftmals belastenden oder schwer zu erfüllenden Anforderungen für eine Kontoeröffnung keine formellen Finanzdienstleistungen nutzen.

Accion ist eine globale gemeinnützige Organisation, welche die finanzielle Inklusion weltweit fördert. Sie setzt sich seit 55 Jahren dafür ein, den ärmsten Menschen der Welt Finanzinstrumente zur Verbesserung ihres Lebens bereitzustellen, indem sie Mikrofinanzinstitutionen technisches Wissen zur Verfügung stellt und finanztechnische Produkte und Dienstleistungen unterstützt. Die rasche Ausbreitung von Technologie – vor allem von Mobiltelefonen und dem Internet – in allen Einkommensschichten und Regionen eröffnet neue Möglichkeiten zur Bereitstellung von Finanzdienstleistungen. Das neue digitale Umfeld hat weltweit zur Entstehung von FinTech-Start-ups geführt, die neuartige, technologiegestützte Lösungen für die Innovation und Verbesserung von Finanzdienstleistungen entwickeln. Dieser Umstand inspirierte Accion im Jahr 2012 zur Gründung des internen Risikokapital-Arms Venture Lab, der sich auf Anlagen in Start-ups in der Gründungsphase konzentriert, die Lösungen für die finanzielle Inklusion mit Schwerpunkt auf einkommensschwachen Personen und Unternehmen am unteren Ende der Einkommenspyramide entwickeln.

Startkapital und Management-Support

Start-ups haben oft Schwierigkeiten, Zugang zu Kapital für die Finanzierung ihrer Unternehmensentwicklung zu erhalten. Infolgedessen erhalten viele aussichtsreiche Ideen und Produkte nie die Möglichkeit, auf den Markt zu kommen oder auf dem Markt zu wachsen. Venture Lab wurde gegründet, um diese Lücke durch die Bereitstellung von „geduldigem“ Startkapital und nichtfinanzieller Unterstützung für Start-ups weltweit zu schliessen. Venture Lab investiert in der Regel in jedes Beteiligungsunternehmen USD 100'000 bis 500'000 in Eigenkapital- oder Quasi-Eigenkapitalinstrumenten. Neben dem Kapital stellt es Portfolioengagement-Dienstleistungen zur Stärkung der Systeme und Prozesse der Beteiligungsunternehmen, wie Risikomanagement, Talentrekrutierung und Strategieentwicklung, bereit.

Bewältigung der finanziellen Ausgrenzung benachteiligter Personen

Venture Lab konzentriert sich auf digitale Kapitalvergabe (z. B. Online-Kapitalvergabe für kleine Unternehmen), die Nutzung alternativer Daten für Credit-Scoring-Verfahren, digitale Zahlungen und Technologien zur Kundenbindung. Der Risikokapitalgeber strebt auch die Erzielung indirekter Effekte an, indem er seinen Portfoliounternehmen die Weitergabe von Erkenntnissen aus ihren Geschäftsmodellen und Technologien an andere Unternehmen ermöglicht. So können sich die gewonnenen Erkenntnisse der Beteiligungsunternehmen über ihren direkten Kundenkreis und ihre direkten Märkte hinaus erstrecken.

FinTech-Lösungen über alle Grenzen hinweg

Der globale Innovations- und Informationsfluss von den Industrie- zu den Schwellenländern und umgekehrt kann für grosse Finanzinstitute aufgrund der digitalen Natur und Skalierbarkeit derartiger Start-up-Geschäftsmodelle ebenfalls interessant sein. Die digitalen FinTech-Lösungen, die von den von Venture Lab unterstützten Start-ups entwickelt werden, sind zunächst auf die Basis der Wohlstandspyramide ausgerichtet. Allerdings könnten sie ebenfalls auf Zielgruppen am anderen Ende des Vermögensspektrums extrapoliert werden: die reichsten Personen der Welt – die Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI). «Die nächste revolutionäre FinTech-Lösung, die grosse Wellen im UHNWI-Segment schlägt, könnte ursprünglich für die Basis der Wohlstandspyramide entwickelt worden sein», so Lara Warner, Chief Compliance and Regulatory Affairs Officer bei der Credit Suisse.

Auswahlkriterien für Anlagen

Beteiligungsunternehmen von Venture Lab müssen gewinnorientierte Unternehmen mit neuen Produkten oder Geschäftsmodellen sein, die letztendlich das Angebot an Finanzdienstleistungen für benachteiligte Kunden erweitern. Die geeigneten Unternehmen müssen nicht bereits einen massgeblichen Ertragsstrom generieren, sollten jedoch die Forschungs- und Entwicklungsphase abgeschlossen haben. Sie müssen ausserdem über ein in Vollzeit arbeitendes Team und idealerweise über ein Pilotprodukt oder eine Pilotdienstleistung oder zumindest einen auf dem Markt erhältlichen Prototyp verfügen. Venture Lab will ausserdem Koinvestitionen mit gleichgesinnten Investoren eingehen, insbesondere bei Late-Stage-Anlagen in ihre Portfoliounternehmen.

Bestehendes Anlageportfolio

Derzeit werden 24 Unternehmen mit verschiedensten Geschäftsmodellen von Venture Lab unterstützt: Eines der Unternehmen ist First Access, das traditionellen Geldgebern wie Mikrofinanzinstitutionen die bessere Beurteilung des finanziellen Risikos bestehender und potenzieller Kunden mit nur geringer oder keiner traditionellen Kredithistorie ermöglicht. Dafür betrachtet es neuartige Datenquellen, wie die demografischen, geografischen, finanziellen und sozialen Aspekte der Mobiltelefonnutzung des Kunden zur Prognose des Kreditrisikos, und sendet dann eine Bonitätsbewertung oder eine Empfehlung an den Geldgeber. So können Finanzinstitute nicht nur bessere Kreditentscheidungen treffen, sondern es steigert auch ihre Bereitschaft, Personen ohne Kredithistorie Geld zu leihen, was schliesslich zu einer höheren finanziellen Inklusion führt.