Supertrend: Schwellenländer brauchen Strassen
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Supertrend: Schwellenländer brauchen Strassen

Das Thema Infrastruktur ist zwar im Vergleich zu 2016 auf Anlegerseite etwas in den Hintergrund gerückt. Der Bedarf an Infrastrukturverbesserungen und -investitionen ist aber ungebrochen.

Bei einem genauen Blick auf die aktuellen globalen Entwicklungen im Infrastrukturbereich zeigen sich interessante neue Schwerpunkte, und zwar zwei Kontinente, die bei thematischen Anlagen oftmals ausser Acht gelassen werden: Afrika, einer der Kontinente mit dem höchsten Nachholbedarf bei Investitionen, und Lateinamerika, in dem sich China stark engagiert.

Das grosse Potenzial von Strassenverkehr

Laut dem Infrastrukturausblick der G20-Staaten weisen die Infrastrukturinvestitionen im globalen Transportsektor bis 2040 das grösste Potenzial auf. Dies gilt vor allem für den Strassenverkehr. Von dem weltweit für den Zeitraum zwischen 2016 und 2040 prognostizierten Bedarf an Infrastrukturinvestitionen in Höhe von USD 94 Bio. entfällt mehr als die Hälfte (53 %) auf die Transportinfrastruktur. Investitionen in die Strasseninfrastruktur dürften 36 % des gesamten Infrastrukturbedarfs ausmachen. Wenig überraschend antizipiert der G20-Infrastrukturausblick die grösste Investitionslücke bis 2040 im Transportsektor. Die Lücke dürfte sich auf insgesamt USD 15 Bio. belaufen.

Davon entfallen mehr als zwei Drittel (69 %) auf die Transportinfrastruktur, wobei der Strassenverkehr bis 2040 mehr als die Hälfte der gesamten Investitionslücke ausmacht.

Stärkerer Fokus auf Afrika und Lateinamerika

Zwar wurde der Initiative «One Belt, One Road» (Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastruktur-Netze) und somit Asien viel Aufmerksamkeit zuteil. Unserer Ansicht nach sind aber auch Afrika und Lateinamerika hervorzuheben. Die Afrikanische Entwicklungsbank rechnet bis 2025 mit jährlichen Investitionskosten für den Strassen-, Schiffs-, Schienen- und Luftverkehr von USD 35–47 Mrd. 80 % dieser Investitionen werden zum Erhalt der bestehenden Infrastruktur benötigt und 20 % fliessen in neue Projekte. In Lateinamerika sind über 60 % der Strassen ungepflastert.

Prozentsatz der ungepflasterten Strassen auf der Welt

60

Lateinamerika

46

asiatische Schwellenländer

17

Europa

Im Gegensatz dazu liegt dieser Wert in den asiatischen Schwellenländern bei 46 % und in Europa bei nur 17 %. Der Transport von landwirtschaftlichen oder anderen Produkten auf dem Schienenweg innerhalb eines lateinamerikanischen Landes nimmt oftmals mehr Zeit in Anspruch als der Versand nach Europa per Schiff.

China – ein neuer wichtiger Akteur

In beiden Regionen ist China ein bedeutender Partner und Katalysator. In Lateinamerika beteiligen sich chinesische Banken stärker als die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank zusammen.

In Afrika stellte China in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 15 % aller Infrastrukturinvestitionen bereit, während 40 % der Projektfinanzierung von den afrikanischen Regierungen getragen wurden. Dieser hohe Anteil Chinas an der Finanzierung von Infrastrukturprojekten geht mit grossen Verträgen für chinesische Bauunternehmen einher, die hauptsächlich, aber nicht ausschliesslich in Staatsbesitz sind, und mit impliziten Staatsgarantien, falls afrikanische Regierungen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

Neue Chancen, neue Risiken

Die angespannte Finanzlage im öffentlichen Sektor spricht nach wie vor für öffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnerships, PPPs), die Zugang zu privaten Anlagemöglichkeiten bieten.

Infrastrukturanleger sollten allerdings gewisse Risiken genau im Auge behalten. Damit PPPs erfolgreich sein können, sind starke Institutionen, kompetente Behörden, staatliche Garantien und eine politische Bereitschaft, den privaten Sektor sowie multilaterale Behörden und den öffentlichen Sektor einzubeziehen, vonnöten.