Inflation: ein treuer Verbündeter der Schweiz
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Inflation: ein treuer Verbündeter der Schweiz

Die Schweiz gilt als eines der glücklichsten Länder der Welt. Die dafür am häufigsten angeführten Gründe sind das Gemeinschaftsgefühl, die schöne Landschaft, die frische Luft und das saubere Wasser. Ganz zu schweigen vom Wohlstand. In «Switzerland: A Financial Market History» untersucht das Credit Suisse Research Institute in Zusammenarbeit mit führenden Experten der London Business School und der Cambridge Judge Business School die Ursprünge des wirtschaftlichen Erfolgs der Schweiz. Der Bericht identifiziert die niedrige Inflation als einen der wesentlichen Erfolgsfaktoren.

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Stabil heisst erfolgreich

Märkte mögen Stabilität. Wie abgedroschen dieser oft wiederholte Satz auch klingen mag, er ist nach wie vor richtig. Märkte florieren in einem stabilen und berechenbaren Umfeld. Sie geraten ins Zittern, wenn ein einziges widriges Ereignis oder die geringsten Anzeichen von Turbulenzen auftreten. Die Schweiz kann als Beweis dafür dienen. Laut dem Bericht belegt die Schweiz unter den Ländern mit der geringsten Volatilität den vierten Platz bei Aktien beziehungsweise den zweiten Platz bei Anleihen. Diese Stabilität schlägt sich in den Finanzergebnissen nieder. Innerhalb der vergangenen 117 Jahre verzeichneten Aktien annualisierte Realrenditen von 4,4 Prozent und lagen damit über dem europäischen Durchschnitt. Der Anleihenmarkt wies mit einer annualisierten Realrendite von 2,3 Prozent gar eine der weltweit besten Wertentwicklungen auf. Dies bedeutet im Grunde genommen Folgendes: Wenn man ein Startkapital von einem Franken vor über 100 Jahren in Aktien oder Anleihen angelegt hätte (bei Thesaurierung der Dividenden), hätte sich die Kaufkraft dieses Kapitals bei Aktien um das 159-Fache bzw.beziehungsweise bei Anleihen um das 15,1-Fache erhöht. Hinzu kommt, dass die Schweiz im untersuchten Zeitraum von 117 Jahren die weltweit niedrigste Inflationsrate von nur 2,2 Prozent pro Jahr aufwies.

Kumulierte Effektivrenditen von Schweizer Anlageklassen

Kumulierte Effektivrenditen von Schweizer Anlageklassen

Quelle: Elroy Dimson, Paul Marsh, and Mike Staunton, Triumph of the Optimists, Princeton University Press, 2002, and subsequent research

Ein Bruchteil eines Prozents macht einen Unterschied

Damit diese Zahl richtig eingeordnet werden kann, zeigt die untenstehende Grafik die Inflationsraten anderer Länder. In vielen dieser Staaten explodierte die Inflation während der beiden Weltkriege oder unmittelbar danach. Daher zeigt die Grafik neben der Inflationsentwicklung seit 1900 auch den Inflationsverlauf seit 1950.

Wie bereits erwähnt, beträgt die annualisierte Inflationsrate der Schweiz 2,2 Prozent, die Zweitplatzierten – die USA und die Niederlande – verzeichneten eine Teuerung von 2,9 Prozent. Dieser scheinbar kleine Unterschied bedeutet, dass die Preise, die in der Schweiz um das 12-Fache anstiegen, in den USA und in den Niederlanden um das 27-Fache beziehungsweise das 28-Fache zulegten.

In den Nachbarländern fällt die Inflationsrate sogar noch höher aus. Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich durchliefen Phasen hoher Inflation. Deutschland verzeichnete die höchste Inflationsrate: 1923 stiegen die Preise um 209 Milliarden Prozent an. Aus diesem Grund wird die Zeit der Hyperinflation (1922–1923) bei den langfristigen Berechnungen (1900–2016) ausgeklammert. Nach Deutschland hatte Österreich die höchste annualisierte Inflationsrate von 12,6 Prozent, wobei die Preise um das 1'082'325-Fache anstiegen.

Inflationsraten weltweit

Inflationsraten weltweit

Quelle: Elroy Dimson, Paul Marsh, and Mike Staunton, Triumph of the Optimists, Princeton University Press, 2002, and subsequent research

Die niedrige Inflation zusammen mit der Schweizer Neutralität, der soliden Wirtschaftspolitik des Landes und der starken Währung haben den Ruf des Landes als sicherer Hafen zementiert. Eine Voraussetzung dafür, dass der Bankensektor florieren und wachsen kann. Heute zählt die Schweiz zu den weltweit wichtigsten Bankenplätzen und das Private Banking ist seit mehr als 300 Jahren eine massgebliche Stärke der Schweiz.