Bedrohte Identität
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Bedrohte Identität

Reformstau, Einwanderung und Probleme mit der EU werden als Gefahr wahrgenommen. Doch dann gibt es noch eine positive Nachricht.

An der Spitze der Dinge, welche die Schweizer Identität gefährden, steht 2018 der Reformstau – das passt zur Sorgenrangliste und zu den politischen Prioritäten der Schweiz, wo die Renten und die Gesundheit (inklusive der Krankenkassen) zu den vordringlichsten Problemen gezählt werden, die gelöst werden müssen. Entsprechend erstaunt es nicht, dass ein grosser Reformstau ausgemacht wird und dieser die Schweizer Identität bedroht: Die AHV und die Gesundheitsversorgung gehören zum Sozialstaat, der die Schweiz zusammenhält.

Auf Rang 2 der identitätsbedrohenden Elemente folgt die Einwanderung. Fast schon traditionell sind Immigrationsthemen weit vorn in der Sorgenrangliste klassiert und auch im ersten Credit Suisse Fortschrittsbarometer  wird die Aussage «Die Zuwanderung setzt die Gesellschaften anders zusammen» als Entwicklung bewertet, die man bremsen möchte.

Dinge, wofür die Schweiz steht

Auch als potenziell negativ für die helvetische Identität werden EU-Probleme wahrgenommen. Zur sozialen Stellung beziehungsweise zur Frage, wie sich die hiesige Gesellschaft zusammensetzt, gibt es ein Resultat, das aufhorchen lässt: 23% würden sich selbst unten in der Gesellschaft einordnen. Nach ihrer Position vor 20 Jahren gefragt, meinen nur 19%, sie gehörten damals zur niedrigsten Schicht. Dazu passt, dass «Löhne» und «neue Armut» dieses Jahr von mehr Menschen als grösste Probleme der Schweiz bezeichnet werden.

Note 5 fürs eigene leben

Diese Sorgen und der sich in der ganzen Umfrage manifestierende latente Unmut gegenüber dem politischen System sollten nicht unterschätzt werden. Gleichzeitig kann relativierend angemerkt werden, dass es den Befragten gemäss der eigenen Wahrnehmung sehr gut geht. Denn gefragt, wie zufrieden sie sind, geben 89% ihrem eigenen Leben eine Note von 5 und mehr (Maximum: 10) und 42% sogar eine 8 und mehr. Ähnlich hohe Werte werden genannt, wenn es um den Inhalt des eigenen Portemonnaies geht: Trotz der genannten Sorgen um Löhne und um die neue Armut beurteilen 92% ihre wirtschaftliche Lage als recht, gut oder gar sehr gut.