Wie können Länder Armut bekämpfen? Indem sie in Frauen investieren
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Wie können Länder Armut bekämpfen? Indem sie in Frauen investieren

In die Gesundheit und Bildung von Frauen zu investieren, ist nicht nur ein moralischer Imperativ, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Eine Politik, welche die Emanzipation von Frauen unterstützt, kann einen erheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten und erweist sich oft als wirkungsvoll. In einer aktuellen Studie des Credit Suisse Research Institute zum Thema «Extreme Armut ausmerzen» zeigen wir, wie Investitionen in die Bildung von Frauen dazu beitragen können, diese aus der Armut zu befreien.

Viele Studien haben gezeigt, dass der Einbezug von Frauen in die Arbeitswelt wichtig ist, um das Wirtschaftswachstum eines Landes zu steigern und die Armut zu bekämpfen. Werden sie für ihre Arbeit bezahlt, tragen Frauen direkt als Steuerzahlerinnen und Verbraucherinnen zur Wirtschaft bei. Die Investition in Frauen wirkt sich allerdings auch indirekt auf die wirtschaftliche Entwicklung aus, was nicht ignoriert werden sollte.

Ausbruch aus der Armutsfalle
Dank dem technologischen Fortschritt erfordern die heutigen Arbeitsstellen zunehmend Gehirnleistung anstelle von körperlicher Stärke. Da Frauen bezüglich Muskelkraft einen Nachteil gegenüber Männern haben, müssen sie auf ihre Stärke bauen: auf Gehirnleistung. Folgerichtig müsste ihnen eine zunehmende Zahl von Beschäftigungschancen offenstehen, was ihr Einkommenspotenzial und ihre Stellung zuhause und in der Gesellschaft verbessert.

Berufstätige Frauen in einkommensschwachen Haushalten können ihren Familien beim Ausbruch aus der Armutsfalle helfen, indem sie in die Bildung und Gesundheit ihrer Kinder investieren und so der nächsten Generation zu besseren Aussichten verhelfen. Auf nationaler Ebene können Investitionen in die Emanzipation von Frauen ein nachhaltigeres Wachstum in Entwicklungsländern generieren.

61

Millionen Kinder weltweit haben 2015 keine Schule besucht (29 Millionen Jungen und 32 Millionen Mädchen)

14

mehr Lohn für jedes zusätzliche Schuljahr, das eine Frau in Subsahara-Afrika absolviert

6

der Länder hatten 2015 einen weiblichen Staatschef (11/195)

Gut ausgebildete Frauen: ein Katalysator für die Wirtschaft
Bessere Gesundheitsbedingungen und ein besserer Zugang zu Bildung führen zwar zu Wirtschaftswachstum und weniger Armut im Allgemeinen, nicht alle Investitionen in Menschen zeitigen jedoch die gleichen Renditen.

Investitionen in die Bildung von Frauen bringen, gemessen am Einsatz der Mittel, eine hohe Rendite. Auch die Verbesserung der Gesundheit von Frauen kann sich positiv auf die Wirtschaft auswirken. Gesündere Frauen sind in der Regel wirtschaftlich produktiver und verdienen mehr. Durch bessere Bildung werden Frauen sich ausserdem stärker der Bedeutung der Familiengrösse bewusst – was wiederum zu kleineren Familien mit mehr Ressourcen und besseren Lebenschancen führt.

Eine kombiniert auf die Verbesserung der Gesundheit und Bildung von Frauen ausgerichtete Politik kann sich als äusserst wirksam erweisen. Gesündere Frauen können ihre Bildung besser nutzen und so die lebenslange Investitionsrendite des für Bildung ausgegebenen Geldes steigern. Zudem kümmern sich gebildete Frauen besser um sich selbst und ihre Familien. So sorgen sie beispielsweise dafür, dass ihre Kinder geimpft werden. 

Die Möglichkeit, dass die Emanzipation der Frauen das Wirtschaftswachstum fördert und die Armut bekämpft, ist ein starker Anreiz für Politiker, in die Gesundheit und Bildung von Frauen zu investieren.

Veränderung bewirken für Frauen
Viele Studien zeigen, dass Frauen in Entwicklungsländern noch immer schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung haben. Frauen und Mädchen leiden immer noch unter schlechterer Gesundheit, weniger Ausgaben für Gesundheitsversorgung und geringerer Bildung. Wenn Mädchen eine Schulbildung erhalten, ist sie oftmals schlechter als jene von Jungen. Was können Politiker also angesichts der eindeutigen Belege, dass diese Ungleichheiten das Wirtschaftswachstum schädigen, zur Bekämpfung der Armut tun?

Erstens sollten sie mehr für Gesundheit und Bildung allgemein ausgeben – Investitionen in mehr und bessere Schulbildung für Jungen und Mädchen nutzt der Wirtschaft im Allgemeinen. Zweitens sollten sie sich darauf konzentrieren, dass mehr Mädchen und Frauen ihre Sekundär- und Tertiärbildung abschliessen, um das Potenzial der Erwerbsbeteiligung von Frauen zu steigern und die schädliche Auswirkung von Ungleichheiten im Bildungsbereich auf das Wirtschaftswachstum zu vermeiden. Das betrifft alle Aspekte, von der Verbesserung der Schulinfrastruktur bis zur Erhöhung der Schuldichte, sodass sich der Schulweg der Schülerinnen und Schüler verkürzt.

Drittens müssen die Politiker den Zugang zu Verhütungsmitteln verbessern – wenn Frauen Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit erhalten, können sie ihre Familienplanung lenken, was wiederum die Armut verringert. Und viertens müssen sie sicherstellen, dass Frauen den gleichen Zugang zu guten Arbeitsstellen, Führungspositionen und politischen Ämtern haben. So steigern sie die Ambitionen junger Frauen und ihrer Familien und ermöglichen ihnen, ihr Potenzial auszuschöpfen, was sich gleichzeitig positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirkt.

Investitionen in die Gesundheit, Bildung und Emanzipation von Frauen können enorme Gewinne zur Folge haben. Das Leben von Frauen verbessern, ist ein moralisches Gebot, denn es ist einfach das Richtige ist. Die Tatsache, dass die Emanzipation der Frauen auch das Wirtschaftswachstum ankurbelt, ist ein zusätzlicher Anreiz für Politiker, sorgfältig darüber nachzudenken, wie sie in Frauen investieren und gleichzeitig die Armut bekämpfen können.