Wie Big-Data-Analysen die Compliance verändern
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Wie Big-Data-Analysen die Compliance verändern

Eine neue Technologieplattform verwandelt die Compliance bei der Credit Suisse in einen IT-gestützten, risikobasierten Prozess und bringt deutliche Effizienzgewinne mit sich.

Verdächtige Transaktionen aufzuspüren gleicht in einer globalen Bank manchmal der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Manuell ausgeführt ist es langsam und kostenintensiv. Doch seit diesem Jahr setzt die Credit Suisse auf Big Data, um Erkenntnisse aus den beträchtlichen Mengen an Datensätzen zu gewinnen, die bankweit gesammelt werden. Damit erzielt sie bei der Bewältigung dieser und anderer Compliance-Herausforderungen einen Quantensprung.

Seit der Einführung ihrer hochmodernen Datenanalyse- und Technologieplattform konnte die Credit Suisse die Zahl der weiterzuverfolgenden Benachrichtigungen aus der Transaktionsüberwachung im Vergleich zum letzten Jahr um das 45-Fache steigern. Die Abklärung der Fälle ist trotz der Datenmenge um 60 Prozent schneller geworden, und das Ergebnis kostet im Vergleich zu früher nur einen Bruchteil.

Compliance hat Priorität

Regelkonformes Wachstum ist ein Kernelement der Strategie der Credit Suisse. Zur Steigerung von Effizienz und Effektivität wurde 2015 die Abteilung Compliance and Regulatory Affairs (CCRO) gegründet, die direkt dem CEO unterstellt ist und als unabhängige zentrale Kontrollstelle aller Geschäftsbereiche fungiert. Die Leiterin der Abteilung, Lara Warner, hat unseren Compliance-Ansatz verändert und dabei zwei Prioritäten gesetzt: Gewährleistung von regelkonformem Wachstum innerhalb der Divisionen und umsichtiges Risikomanagement im gesamten Unternehmen durch Festlegung von Limiten für Risikopositionen, wirksame Kontrollen und technologiegetriebene Überwachung.

In den letzten zwei Jahren haben wir unseren manuellen Compliance-Ansatz, bei dem wir regelmässige Kontrollen vorgenommen haben, durch einen technologiegestützten Ansatz ersetzt, bei dem wir Aktivitäten bankweit laufend überwachen, um eine frühere Prävention und Erkennung zu ermöglichen.

Lara Warner, Leiterin CCRO und Mitglied der Geschäftsleitung der Credit Suisse

Von reaktiver zu präventiver Compliance

Der Datenpool mit den hochmodernen Analysen, auf welche die Compliance-Teams über die Plattform zugreifen können, umfasst rund 4'000'000'000 Datensätze. Entscheidend ist, dass die Daten in Echtzeit vorliegen und verarbeitet werden können, sodass Risiken erkennbar werden, bevor sie Schaden anrichten können.

Dank der Plattform kann die Credit Suisse nun die Beziehungen durchleuchten, die ein Kunde mit der Bank unterhält, sodass Beurteilungen internationaler Kunden 80 Prozent schneller durchgeführt werden können als im vergangenen Jahr. Die Beurteilung von potenziellen Kunden mit Verbindung zu einer Regierung – sogenannten politisch exponierten Personen – ist rund 60 Prozent schneller und rund 40 Prozent kostengünstiger geworden.

Neuartige Algorithmen können Muster erkennen, die für Menschen praktisch nicht zu sehen sind, – das Nadel-im-Heuhaufen-Problem – und sie verbessern dadurch den Umgang mit dem Kundenrisiko ganz erheblich. Die Technologie war ursprünglich zur Erkennung von Mustern bestimmt, die auf Geldwäscherei hindeuten, und wird nun so angepasst, dass sie Betrug aufdecken und Transaktionen überwachen kann.

Die Arbeit mit einem einzigen Tool ermöglicht der Compliance-Abteilung auch, schnell und effizient auf Veränderungen des weltweiten regulatorischen Umfelds zu reagieren. Da sowohl quantitative als auch qualitative Compliance-Risikofaktoren berücksichtigt werden, kann die Bank kurzfristig Ressourcen in Hochrisikobereiche lenken.

Zusätzlich zur Datenplattform nutzt die Credit Suisse Software-«Roboter», die bestimmte repetitive Compliance-Aufgaben durchführen, beispielsweise Eignungs- und Angemessenheitsprüfungen. Damit wird sichergestellt, dass Kunden in geeignete Produkte investieren. Diese Überprüfungen können so 200 Mal schneller ausgeführt werden. Die starke Zunahme der Kontrollen senkt das Risiko für die Bank erheblich.

Nachdem die Compliance-Kosten bei der Credit Suisse drei Jahre lang gestiegen sind, sowohl aufgrund neuer Vorschriften als auch durch Investitionen in Technologie, hat sich mit der Einführung der neuen Plattform und der Datenanalysen im Jahr 2017 das Blatt gewendet.

Doch die Digitalisierung der Compliance fängt gerade erst an. Die Credit Suisse wird diesen Weg weiter gehen und mit Änderungen im nächsten Jahr auch die Kunden von der Technologie profitieren lassen, regulatorische Anforderungen erfüllen, Risiken bewältigen und regelkonformes Wachstum fördern.