Höhere Renditen mit Frauen in Entscheidungspositionen
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Höhere Renditen mit Frauen in Entscheidungspositionen

Zusammenhang zwischen Geschlechtervielfalt und besserem Ergebnis.

Unternehmen mit mehr weiblichen Führungskräften in Entscheidungspositionen erzielen weiterhin höhere Marktrenditen und Gewinne. Im Gegensatz zur herrschenden Meinung verhindern Frauen in Führungspositionen laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Credit Suisse Research Institute auch nicht aktiv die Beförderung anderer Frauen in das Top-Management.

Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht «The CS Gender 3000: Progress in the Boardroom» bestätigt bereits bekannte Ergebnisse, welche Geschlechtervielfalt mit besserer Leistung verbinden. Er zeigt anhand neuer Daten auf, dass das sogenannte Bienenkönigin-Syndrom nicht real ist und weibliche CEOs viel eher dazu neigen, sich mit anderen Frauen in Führungspositionen zu umgeben. Auch stellt er die gläserne Klippe in Frage. Dieses Phänomen suggeriert, dass Frauen nur als letzte Option eingesetzt werden und ihr Versagen steht bereits vorher fest. Darüber hinaus gibt der Bericht neue Einblicke in Geschlechtervielfalt in den Sektoren Venture Capital (VC) und Mikrofinanz.

«Eine wesentliche Aussage unserer 2014 erschienenen Studie «The Credit Suisse Gender 3000: Women in Senior Management» war, dass Geschlechtervielfalt oder die stärkere Vertretung von Frauen in Führungspositionen nicht nur als «Nice to have» betrachtet werden darf, sondern mit Aktienmarkt-Überschussrenditen und einer erhöhten Rentabilität von Unternehmen verbunden ist», so der Bericht. «Bei erneuter Betrachtung unseres Datenbestands für 2016 sehen wir, dass die Anleger, die sich auf Unternehmen mit Geschlechtervielfalt als wichtiger Strategiefaktor konzentrieren, weiterhin mit Überschussrenditen belohnt werden, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 3,5 Prozent. »

«Der Fortschritt hinsichtlich mehr Vielfalt in Verwaltungsräten zeigt sich in einem 16-prozentigen Anstieg des Frauenanteils seit unserer letzten Umfrage. Der Ausgangswert ist jedoch gering und das Muster der Verbesserungen nicht gradlinig. Ein erheblicher Frauenanteil ist immer noch eher ein Differenzierungsmerkmal statt die Norm.»

Die Top-5-Länder mit dem höchsten Prozentsatz von Frauen in Führungsgremien sind alle europäisch:

47

Norwegen

34

Frankreich

34

Schweden

31

Italien

31

Finnland

Für die Schweiz wurde heute eine separate Studie veröffentlicht. Diese zeigt auf, dass der Anteil von Frauen in Verwaltungsräten von Schweizer Unternehmen in den vergangenen acht Jahren zwar um 55 Prozent gestiegen ist, aber im Vergleich zu anderen Ländern tief bleibt. Auch hinsichtlich des Anteils von Frauen im Senior Management hat die Schweiz grossen Aufholbedarf: Er ist nur gerade halb so gross wie im globalen Durchschnitt.

In dem Bericht, der zum ersten Mal 2014 veröffentlicht wurde, decken Analysten der Credit Suisse 27'000 Senior Managers in über 3000 Unternehmen ab. Damit ist er wohl der grösste Bericht seiner Art. Er untersucht, ob die Daten weiterhin eine Verbindung zwischen Geschlechtervielfalt und besserer Leistung aufzeigen und betrachtet spezifisch Unternehmen mit mehr als 50 Prozent Frauenanteil im Senior Management, Mikrofinanzinstitutionen und Venture-Capital-Unternehmen. 

Die Analyse im Bericht zeigt weiterhin, dass ein grösserer Anteil von Frauen im Top-Management eine entsprechend höhere Überschussrendite für Aktionäre bedeutet. Finanzielle Leistungskennzahlen belegen diese bessere Performance auf dem Aktienmarkt. Von Jahresende 2013 bis Mitte 2016 haben Unternehmen, in denen der Frauenanteil in der Führungsspitze bei 25 Prozent lag, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 2,8 Prozent eine Outperformance erzielt. Diese stieg in Unternehmen mit einem Frauenanteil in der Führungsspitze von 33 Prozent auf 4,7 Prozent. In Unternehmen mit einem Frauenanteil in der Führungsspitze von über 50 Prozent springt dieser Wert auf 10,3 Prozent im Vergleich mit einem 1-prozentigen jährlichen Rückgang des MSCI-ACWI-Index im selben Zeitraum.

Der Bericht stellt auch fest, dass der Markt willens ist, für die oberen 50 Prozent der Unternehmen mit weiblichen CEOs einen 19-prozentigen Aufschlag auf das Kurs-Buchwert-Multiple zu zahlen. Diese Unternehmen weisen Eigenkapitalrenditen (ROE) auf, die 19 Prozent über dem Durchschnitt liegen, und bieten 9 Prozent höhere Dividendenausschüttungen.

Widerlegung des Bienenkönigin-Syndroms

Einer der zentralen Schwerpunkte des Berichts ist das viel diskutierte Bienenkönigin-Syndrom. Dieses Syndrom postuliert, dass Frauen in Führungspositionen aktiv die Beförderung anderer Frauen in das Top-Management verhindern. Die Ergebnisse des Berichts widerlegen dies und zeigen, dass weibliche CEOs sich viel eher mit anderen Frauen in Führungspositionen umgeben. Tatsächlich besteht eine 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass weibliche CEOs einen weiblichen CFO beschäftigen als bei männlichen CEOs, und eine 55 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass ihre Geschäftseinheiten von Frauen geleitet werden.

Die Ergebnisse widerlegen auch die Präsenz des Bienenkönigin-Syndroms in den Sektoren Mikrofinanz und Venture Capital. In der Tat sind 25–30 Prozent der Mikrofinanz-CEOs Frauen und über 50 Prozent der Kreditverantwortlichen. Allerdings bleibt der Anteil an Frauen in Partnerpositionen in VCs weiterhin sehr gering. Von Frauen gegründete VCs haben einen deutlich höheren Anteil weiblicher Partner als der Branchendurchschnitt (43 Prozent ggü. 7–8 Prozent).

Widerlegung der gläsernen Klippe

Der Bericht widerlegt auch die Vermutung des Phänomens der gläsernen Klippe für weibliche CEOs. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Aktienkurse in der Regel in den acht Monaten vor der Ernennung eines weiblichen CEOs eine Underperformance verzeichnen (nahezu 10 Prozent annualisiert), während von Frauen geführte Unternehmen zwischen acht und zwölf Monate nach der Ernennung eine Outperformance aufweisen (14,4 Prozent annualisiert).

Belege für diese gläserne Klippe sind jedoch nicht eindeutig. Der Bericht erkennt keinen signifikanten Unterschied bei Unternehmen mit weiblichen und männlichen CEO-Ernennungen und gibt an, dass Unternehmen, in denen weibliche CEOs ernannt werden, eine höhere Cashflow-Rendite auf dem investierten Kapital haben. Die Untersuchung der Anlagerenditen zeigt, dass Unternehmen, die einen Mann als CEO ernannt haben, in den zwölf Monaten vor der Ernennung einen zwölfprozentigen Rückgang verzeichneten, während der Rückgang bei Ernennungen von weiblichen CEOs bei 16 Prozent lag. Dies könnte eine Erklärung für die höhere Underperformance auf dem Markt bei Unternehmen sein, die Frauen als CEOs ernannt haben.

Frauen in Verwaltungsräten und im Senior Management

Die Vielfalt in Verwaltungsräten ist in den letzten 2 Jahren um 6 Prozent gestiegen, die Ergebnisse zeigen aber, dass es keine einheitliche Korrelation zwischen grösserer Vielfalt in Verwaltungsräten und einem erhöhten Anteil an Frauen im Senior Management gibt. Paradoxerweise können die Bemühungen, die Geschlechtervielfalt in Verwaltungsräten zu erhöhen, Frauen einschränken, die bereits eine Stelle im Senior Management haben, und die zukünftige Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen behindern.

Der Frauenanteil im Senior Management (CEOs und dem CEO direkt unterstellte Positionen) ist im Jahr 2014 von 12,9 Prozent weltweit auf 13,8 Prozent gestiegen. Allerdings zeigt ein genauer Matched-Set-Datenvergleich einen weitaus geringeren Anstieg des Anteils, von 13,6 Prozent auf 13,8 Prozent. Nur 3,9 Prozent der CEOs im CSG 3000 sind Frauen, was kaum eine Veränderung im Vergleich zum Wert von vor zwei Jahren bedeutet.