Impact Investment: Elite-Unis bringen Rendite

Ist es möglich, Renditen mit geringem Risiko zu erzielen, und dabei etwas Gutes zu tun? Die Antwort lautet ja – zum Beispiel, indem man in junge Talente mit grossem Potenzial, aber geringem Einkommen investiert, damit sie an Elite-Universitäten studieren können. 

Mykola Streltsov wurde vor 30 Jahren in Stachanow, einer kleinen Stadt in der östlichen Ukraine, geboren. Dieses Jahr plant er, seinen INSEAD MBA abzuschliessen, ein Elite-Abschluss einer der führenden und exklusivsten Business Schools.

«Normalerweise wissen Leute aus meiner Heimatstadt nicht einmal, das es eine MBA-Ausbildung gibt und selbst die, die das wissen, verstehen nur selten, warum Personen diesen Abschluss machen», so Mykola Streltsov.

Er ist aktuell einer der wenigen Studenten, die dank externer Finanzierung globale Elite-Hochschulen besuchen. In seinem Fall stammt diese von Prodigy Finance, einem Unternehmen, das Kredite an internationale Studenten im Aufbaustudium an führenden Business Schools vergibt.

Attraktivität der Anlage

Die Unterstützung zum Besuch elitärer Bildungsbastionen, die Studenten wie Mykola Streltsov angeboten wird, könnte auch auf einkommensschwache, talentierte Studenten ausgeweitet werden, was sowohl ihr Leben ändern als auch zu einem Trickle-down-Effekt in ihrem jeweiligen Land führen könnte. Eine Beschreibung, die der Aufgabe von Impact Investors entspricht – diese streben nicht nur nach finanzieller Rendite, sondern auch nach sozialer Wirkung.

Die führende Graduate Business School INSEAD in Paris arbeitet derzeit an einer von der Credit Suisse in Auftrag gegebenen Studie, welche die Attraktivität und Wachstumsaussichten der Investition in unterprivilegierte Studenten hervorhebt. So können diese nach grossen Zielen streben und ihre Ausbildung an den besten Hochschulen der Welt finanzieren. Dadurch erhalten sie eine Elite-Ausbildung und ein unerreichtes soziales Netzwerk, das ihnen, ihrem Land und möglicherweise ihrem Kontinent Vorteile bietet.

«Der Besuch einer renommierten Hochschule ... bietet einem Studenten Gelegenheiten, Peer-Netzwerke mit Personen aufzubauen, die höchstwahrscheinlich äusserst einflussreich sein werden, einschliesslich zukünftiger Führungspersönlichkeiten in Regierungen und Unternehmen», so Sami Mahroum, Academic Director of Innovation and Policy am INSEAD und Co-Autor von «Shooting for the Stars: How Impact Investment Can Help Low-Income Talent Develop Global Social Capital by Attending Prestigious Higher Education Institutions.»

Sami Mahroum fügte hinzu, dass die aktuelle «Unzugänglichkeit von globalen, einflussreichen Elite-Netzwerken zu der fortlaufenden Marginalisierung von Ländern beiträgt, die weltweit bereits zu den sozial, politisch und wirtschaftlich ausgeschlossensten Ländern gehören.»

Eine Stimme erhalten

Ländern mit niedrigem Einkommen, so Sami Mahroum, machen mehr als 12 Prozent der Weltbevölkerung aus, sie stellen jedoch weniger als 2,5 Prozent der Mitglieder des elitären und politisch einflussreichen Global Agenda Council des WEF, dessen Ziel es ist, sich innovativ mit kritischen globalen Themen zu beschäftigen. Wie kann dieses Ungleichgewicht ausgeräumt werden?

«Wenn das Unterstützen von Einwohnern einkommensschwacher Länder beim Besuch von Elite-Hochschulen ihr soziales Netzwerk erweitert, sodass diese beim Beitritt zu diesen Diskussionen helfen können, muss das getan werden», sagte Sami Mahroum und fügte hinzu, dass die Kosten für ein Jahr Studium in Harvard, was eine erhebliche und oft unerschwingliche Investition für die meisten Familien darstellt, dem entspricht, was ein Einwohner von Sierra Leone in mehr als 100 Jahren verdienen würde.

Innovative Finanzierung

Der INSEAD-Bericht fordert innovative Finanzierungsmethoden zur Bekämpfung dieser Ungleichheit. Eine wichtige Option ist Impact Investing, das auf die Bereitstellung greifbarer sozialer Vorteile sowie finanzieller Renditen für Anleger abzielt.

«Durch den Fokus der Impact Investments auf elitäre Hochschulbildung für einkommensschwache Talente kann das Ergebnis globale Auswirkungen haben», so Sami Mahroum.

Auf Impact Investing entfällt derzeit nur ein kleiner Anteil der gesamten globalen Ausbildungsfinanzierung – weniger als ein Prozent – laut INSEAD. Es fügte aber hinzu, dass es daher einen erheblichen Spielraum für Expansion und «nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten» gibt.

Sichere, wettbewerbsfähige Renditen

Der Bericht fügte hinzu, dass aufgrund der üblicherweise hohen Beschäftigungsfähigkeit und des hohen Einkommens von Absolventen renommierter Hochschulen finanzielle Renditen aus der Investition in solche Studenten «sicher und wettbewerbsfähig sein sollten.» Zudem können Investitionen in solche Studenten eine erhebliche Rolle bei der Förderung ihrer sozialen Mobilität spielen und somit auch soziale Ungleichheit direkt bekämpfen.

Zugriff auf einen wachsenden Markt

Patrick Elmer, Leiter Philanthropy Services & Responsible Investments der Credit Suisse Schweiz, ist der Meinung, dass der Impact-Investing-Markt in den nächsten 3 bis 5 Jahren um rund 20 bis 30 Prozent pro Jahr wachsen dürfte.

Er fügte hinzu, dass der wachsende Markt für Impact Investing – sowohl in Grösse als auch Beliebtheit (derzeit schätzungsweise USD 60 Mia. an Vermögenswerten) – heute vor einem Engpass steht. Es ist schwierig, ausreichend skalierbare, qualitativ hochwertige Investitionschancen zu finden.

Elitäre Hochschulbildung kann laut INSEAD einen interessanten neuen Markt für jene bieten, die sowohl soziale als auch finanzielle Rendite suchen.

Neue Produkte in der Pipeline

Letztes Jahr lancierte die Credit Suisse zusammen mit Prodigy Finance die erste Higher Education Note mit einem Wert von USD 25 Mio; ein neues Impact-Investing-Produkt, das begabten Studenten in aller Welt Zugang zu einer höheren Bildung und Anlegern finanzielle und soziale Renditen bot.

«Aufgrund des Erfolgs der ersten Note und des wachsenden Interesses der Anleger arbeiten wir gegenwärtig an einer noch grösseren Note 2, um einen äusserst diversifizierten Pool von mehr als 1000 talentierten Studenten, die überwiegend aus Entwicklungsländern stammen und keinen Zugang zu traditioneller Finanzierung haben, zu unterstützen», so Patrick Elmer.

Keine einfache Beurteilung

Der INSEAD-Bericht stellt fest, dass es keinen allgemeingültigen Ansatz zur Beurteilung von Impact Investments in der Hochschulbildung gibt. Die Beurteilung wird viele Bereiche umfassen müssen: Beurteilung der Gewinne nach dem Universitätsabschluss, während der Beschäftigung, Veränderungen bei Lebensstandard und Umfang des Einflusses und Anstieg der Bürgerpartizipation. Zudem muss dies kurz-, mittel- und langfristig gemessen werden.

Aber auch wenn dies mathematisch schwer zu quantifizieren ist, könnte der Zugang zu elitären, globalen Machtnetzwerken bedeuten, dass einkommensschwache Länder einen Platz in Aufsichtsräten und Kreisen finden werden, in denen Entscheidungen über die Verteilung und Schaffung von Wert getroffen werden. Dies könnte bahnbrechend sein.

Wie Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman einmal sagte: «Bei der wachsenden Ungleichheit geht es nicht um Bildung, es geht um Macht.» Der INSEAD-Bericht verwendet dieses Zitat in seiner Einleitung.