Rasante Fortschritte in der Gesundheitstechnologie: Gestatten, Dr. Roboter
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Rasante Fortschritte in der Gesundheitstechnologie: Gestatten, Dr. Roboter

Robotergesteuerte Autos sollen sicherer sein als Fahrzeuge, die von einem Menschen gesteuert werden. Denn es ist weniger wahrscheinlich, dass sie Fehler machen. Aber gilt das auch für Ärzte? Müssen wir damit rechnen, demnächst von Robotern behandelt zu werden? Bereits heute unterstützen Automatisierung und künstliche Intelligenz Ärzte bei ihrer Arbeit.

Gesundheitstechnologie ist ein sich rasant entwickelnder Industriezweig. Er setzt auf Technologien wie beispielsweise tragbare Technik, Anwendungen und Datenbanken, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Die Anwendungsbereiche reichen von der Online-Diagnose bis zur Entwicklung neuer Medikamente. Sie umfassen auch, persönliche Geräte, die beim Umgang mit chronischen Erkrankungen helfen, sowie Roboter-Pflegekräfte.

Neue Technologien um Kosten zu sparen

Die Entwicklung der Gesundheitstechnologie ist von grosser Bedeutung. Sie bietet hohes Potenzial zu dringend nötigen Kosteneinsparungen, wie Lorenzo Biasio, Equity Analyst Healthcare bei der Credit Suisse, erörtert: «Die Ausgaben für das Gesundheitssystem sind seit den Siebzigerjahren stetig gestiegen. Derzeit liegen sie bei 10 Prozent weltweit und 20 Prozent in den USA. Wenn sich die aktuellen Wachstumsraten fortsetzen, investieren wir in 100 Jahren rund 70 Prozent des Bruttoinlandprodukts in das Gesundheitssystem. Es ist daher völlig klar, dass wir die Kosten senken müssen. Technologie kann dazu beitragen.»

Der Grossteil der Bevölkerung scheint willig zu sein, sich auf die neuen Lösungen im Bereich der Medizin einzulassen. Obwohl bezüglich grenzüberschreitender Datenübertragung, Datenschutz und potenzieller Hackerangriffe noch offene Fragen bestehen, steigt die Nachfrage vor allem nach Telemedizin-Lösungen kontinuierlich: Laut einer Studie von Pew Research aus dem Jahr 2015 haben 52 Prozent der US-Amerikaner kein Problem damit, ihre Patientendaten aktiv zu teilen, indem sie sie auf die Website ihrer Arztpraxis hochladen.

Das Überwachungsgerät in der Jackentasche

Der derzeit am schnellsten wachsende Bereich der Gesundheitstechnologie ist die Telemedizin und Fernüberwachung. Da Smartphones heute weit verbreitet sind, werden mobile Gesundheitsapps zunehmend Teil unseres Alltags. Sie decken ein breites Spektrum ab: von der Diabetesbehandlung über die Ermittlung von Grippeherden in der Umgebung bis hin zur Diagnose von Lebensmittelunverträglichkeiten. Der weltweite Markt für mobile Gesundheitsdienstleistungen verzeichnet ein enormes Wachstum: Deloitte bezifferte den Wert für 2013 mit 2,4 Milliarden Dollar und rechnet bis 2018 mit einem Anstieg auf 21,5 Milliarden.

Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause

Für Menschen, die in ländlichen Regionen wohnen oder die sich nicht fit genug fühlen, um aus dem Haus zu gehen, ist Telemedizin eine ideale Lösung. Sie ermöglicht es, Patienten zu untersuchen, ohne dass sie ins Krankenhaus überwiesen werden müssen. Elektrokardiogramm-Überwachungssysteme können heutzutage per Post verschickt werden. Mittels leicht verständlicher Anweisungen nimmt der Patient das Gerät selbst in Betrieb und streamt die Daten direkt an einen Facharzt, der auf diese Weise schnell Unregelmässigkeiten feststellen kann. Das bedeutet niedrigere Kosten, weniger Stress und weniger Einschränkungen für die Patienten und das Pflegepersonal.

Auch bei chronischen Krankheiten wie Diabetes eröffnen sich neue Möglichkeiten. Laut Accenture könnten jährlich bis zu 2 Milliarden Dollar eingespart werden, wenn Patienten in den USA Fernüberwachungssysteme nutzen würden, statt regelmässig für Kontrollen den Arzt aufzusuchen. Werden die Gewohnheiten und Vitalfunktionen überwacht, lassen sich gesundheitliche Probleme bereits frühzeitig erkennen. Ein mobiles Gerät leitet Blutzuckerwerte, Bewegungsumfang pro Tag, Schlafzeiten und Essgewohnheiten an den Arzt oder die Pflegekraft weiter, die dann sofort eine Rückmeldung geben. «Auf diese Weise ist es möglich, die Kosten für Notfälle niedrig zu halten», so Biasio. «Wenn bei einem Patienten Probleme auftreten, kann frühzeitig eingegriffen werden.» Das sollte auch die Anzahl der Komplikationen reduzieren.

E-Personal

Der «Faktor Mensch» ist in der Medizin unabdingbar. Gleichwohl lassen sich manche Aufgaben und Pflichten problemlos an Roboter delegieren. Nebst der Telemedizin und den Gesundheitsapps dürfte die künstliche Intelligenz (siehe Textbox) etwa bei der Datenerfassung, -analyse und -verarbeitung künftig interessante Möglichkeiten bieten. Auch dies dürfte im Hinblick auf die angestrebten Kostensenkungen im Gesundheitswesen ein wesentlicher Faktor sein.