Gutes bewirken – mit Rendite
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Gutes bewirken – mit Rendite

Nachhaltig investieren ist nicht länger ein Nischenbereich – die Gründe dafür.

Im Anlagebereich führten nachhaltige Investments lange eine Nischenexistenz. Das war einmal. In den letzten Jahren haben sie dynamisch zugelegt. Woran das liegt, diskutieren Jean-Daniel Gerber, Präsident von Swiss Sustainable Finance (SSF), und Yvonne Suter, Leiterin nachhaltige Anlagen bei der Credit Suisse.

Jean-Daniel Gerber: Annähernd 200 Milliarden Franken werden heute schweizweit nach nachhaltigkeitskriterien investiert. Dafür gibt es für mich zwei Gründe: Einerseits wollen die Leute nach wie vor eine gute Rendite erzielen, andererseits interessiert sie immer mehr auch, was sie mit ihrer Anlage bewegen.

Annähernd 200 Milliarden Franken werden heute schweizweit nach Nachhaltigkeitskriterien
investiert.

Jean-Daniel Gerber

Yvonne Suter: Bei Privatkunden sieht man in diesem Bereich geradezu einen Paradigmenwechsel, interessanterweise vor allem auch bei Frauen. Ein ganz grosses Thema ist die Nachhaltigkeit ebenso bei der nächsten Generation. Junge Leute wollen wissen, ob sie mit ihrem Geld etwas Positives bewirken können. Und auch viele Unternehmer, die aus ihren eigenen Firmen mit Nachhaltigkeitskriterien vertraut sind, suchen nach nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten.

Gerber: Bisher glaubte man, die Rentabilität sehe schlechter aus, wenn man nachhaltig investiere. Nun zeigen zahlreiche Studien, dass dem nicht so ist. 63 Prozent aller Studien zeigen für nachhaltige Anlagen eine gleich gute oder gar höhere Rendite auf als für traditionelle. 30 Prozent sprechen von einem gemischten Bild und nur gerade 7 Prozent von einer tieferen Rendite. Dieser Tatsache verdanken wir nun ein Umdenken bei den institutionellen Anlegern, auch wenn immer noch viele glauben, Nachhaltigkeit sei mit hohen Kosten verbunden.

Suter: Nachhaltige Anlagen als solche zu identifizieren, ist aufwendig. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, wie Anleger Nachhaltigkeit bei Anlagen berücksichtigen können. Zum einen arbeitet man mit Ausschlusskriterien, das heisst, in einzelne Branchen oder Industrien wird gar nicht bzw. nur eingeschränkt investiert. Zum anderen werden die sogenannten ESG-Kriterien einer Unternehmung geprüft, also die Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte. Konkret heisst das, Unternehmen werden beispielsweise auf CO2-Ausstoss, Wasserverbrauch, Arbeitsstandards, Kinderarbeit und Management-Aspekte analysiert. Das übernehmen meistens externe, unabhängige Ratingfirmen. Auch wenn das mit einigen Kosten verbunden ist: Gerade im Umfeld von Negativzinsen sind beispielsweise Impact Investments, mit denen Anleger auch bestimmte ökologische und soziale Ziele verfolgen, aufgrund ihrer attraktiven Rendite immer sehr interessant.

Gerber: Aber auch sonst ist das der Fall, denn trotz dem finanziellen Aufwand, der diese ESG-Analyse verursacht, hat es meistens positive Auswirkungen, diese Faktoren zu berücksichtigen.

Suter: Studien zeigen auch, dass Firmen mit starker Corporate Governance langfristig eine bessere Performance aufweisen und mehr Wert haben. Deshalb sind sie für Anleger interessant. Während früher der Fokus eher auf Umweltaspekten lag, sind in den letzten Jahren Sozialkriterien und Governance, diese vor allem im Hinblick auf das Risikomanagement, wichtiger geworden. Und mittlerweile geht es immer mehr um den Best-in-Class-Ansatz – man vergleicht verschiedene Unternehmen innerhalb einer Industrie bezüglich ESG-Kriterien miteinander, auch ihr Engagement …

Gerber: … und Kunden üben ihr Stimmrecht an der Generalversammlung aktiv aus.

Suter: Genau. Bei der Credit Suisse empfehlen wir unseren Kunden deshalb einen Mix dieser Strategien für die Portfoliozusammensetzung, denn auch jeder Kunde hat einen eigenen Wertekontext. Die Herausforderung im Kundengespräch ist es, diese Werte zu identifizieren. Erst nach intensiven Gesprächen analysieren wir ein Portfolio und stellen es entsprechend den persönlichen Werten und Zielen des Kunden zusammen. Umfassende Analysen und interne Tools erlauben es uns, exakt aufzuzeigen, was nachhaltig investiert ist und was nicht. Doch Werte unterscheiden sich nicht nur von Kunde zu Kunde, sondern auch von Markt zu Markt. Über Gentechnik oder Kernenergie wird hier in Europa intensiv debattiert. In den USA dagegen sind das keine relevanten Themen.

Gerber: Deshalb ist es auch so schwierig, einen internationalen Standard festzulegen. Die Entwicklung geht aber auch bei den nachhaltigen Anlagen grundsätzlich in Richtung Gesamtstandard.

Suter: Dazu tragen auch die globalen Trends bei, zum Beispiel der Klimawandel mit dem Abkommen von Paris. Es gibt bereits Staaten, in denen Unternehmen ihren CO2-Ausstoss offenlegen müssen. In der Schweiz hat man da eine andere Herangehensweise; vieles funktioniert auf freiwilliger Basis. Die Credit Suisse zum Beispiel hat von sich aus entschieden, den CO2-Ausstoss auf dem eigenen Immobilienportfolio von 1300 Objekten weiter jährlich zu reduzieren, zusätzlich zu der Tatsache, dass wir als Unternehmen bereits CO2-neutral sind. Als Vermögensverwalter und einer der grössten Immobilienmanager der Schweiz wollen wir das enorme Potenzial nutzen, das Immobilien im Bereich Klimaschutz haben. Deshalb bieten wir auch unseren Kunden die Möglichkeit, in klimaneutrale Funds zu investieren, wie den European Climate Value Property Fund oder den greenproperty Immobilienfonds.

Wir wollen das enorme Potenzial nutzen, das Immobilien im Bereich Klimaschutz haben.

Yvonne Suter

Gerber: Vor einigen Monaten ist selbst die Nationalbank in die Schlagzeilen geraten. Die Öffentlichkeit wollte wissen, wie sie ihr Vermögen von einigen 100 Milliarden Franken anlegt. Die SNB hat ihre Politik denn auch angepasst. Nicht weil es der Gesetzgeber wollte, sondern auf öffentlichen Druck hin. Diesen Trend beobachten wir auch bei den Pensionskassen. Denn die Versicherten wollen wissen, wie diese riesigen Vermögenswerte investiert sind, aus denen ihre Renten bezahlt werden sollen.

Suter: Auf institutioneller Seite könnte sich deshalb wohl auch am ehesten ein Standard etablieren im Zusammenhang mit dem SVVK, dem Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen.

Gerber: Hier sehe ich auch die Aufgabe der SSF. Weil das Thema immer wichtiger wird, braucht es in der Schweiz einen Konsens, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Mittlerweile haben wir bereits 90 Mitglieder. Nicht nur Banken, auch Versicherer, Vermögensverwalter, einige Pensionskassen, Universitäten oder die Stiftung Ethos. Da treffen viele Interessen aufeinander. Hier gilt es, Unternehmen zu sensibilisieren und deren Mitarbeitbeitende auszubilden.

Suter: Diese Zusammenarbeit ist auch für die Credit Suisse sehr wichtig, weshalb wir selbst Mitglied bei der SSF sind. Denn einerseits haben wir den Zugang zu vielen Kunden, die sich für diese Thematik interessieren. Andererseits suchen wir den Dialog, um im Austausch mit Vermögensverwaltern und Anlegern den Nachhaltigkeitsbereich weiterzuentwickeln.

Gerber: Es wird diskutiert, ob es ein Label für Nachhaltigkeit geben sollte, wie etwa auf dem deutschen Markt. Ich bin der Meinung, dass wir ein solches Label nicht benötigen.

Suter: Gewisse Standards gibt es ja schon, zum Beispiel den United Nations Global Compact, der zwischen Unternehmen und der UNO geschlossen wurde, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten. Die Credit Suisse hat diesen Pakt unterzeichnet und sich somit öffentlich verpflichtet, nicht gegen internationale Konventionen zu verstossen.

Gerber: Aber nicht alle Unternehmen haben diesen Pakt unterzeichnet. Die Credit Suisse nimmt im Bereich der Nachhaltigkeit in der Schweiz grundsätzlich eine Vorreiterrolle ein. Allerdings ist das Ausland vielerorts schon weiter als die Schweiz. Diese 200 Milliarden Franken, die hierzulande nachhaltig angelegt sind, tönen zwar nach viel, aber entsprechen gerade einmal 3 Prozent aller Investitionen. Man darf nicht vergessen: Die Schweiz ist der weltgrösste Vermögensverwalter.

Suter: Wenn es aber um nachhaltige Anlagen geht, sind die Marktführer heute die skandinavischen Länder, Holland, Grossbritannien und auch die USA.

Gerber: Die Wachstumsrate hierzulande ist jedoch enorm. Nach meiner Meinung haben wir schon sehr viel bewirkt in den letzten Jahren. Aber es gibt sicher auch noch sehr viel zu tun.