Global Wealth Report 2018: 40 Prozent des weltweiten Vermögens in Frauenhand
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Global Wealth Report 2018: 40 Prozent des weltweiten Vermögens in Frauenhand

Das Ringen um die Geschlechtergleichstellung rückt auch das Thema des Wohlstands von Frauen ins Rampenlicht. Im diesjährigen Global Wealth Report (GWR) werden die Fakten zum Vermögensbesitz von Frauen untersucht, wobei es insbesondere um geschlechtsspezifische Unterschiede geht.

Unseren Untersuchungen zufolge ist der Anteil des Vermögens in Frauenhand im Verlauf des 20. Jahrhunderts deutlich gestiegen. Derzeit sind Frauen im Besitz von rund 40 Prozent des weltweiten Vermögens. Dieser Schätzwert ist höher als in einigen vorherigen Studien, da wir nichtfinanzielle Vermögenswerte mit einbezogen haben, die einerseits die Hälfte des weltweiten Haushaltsvermögens ausmachen und andererseits gleichmässiger zwischen Männern und Frauen verteilt sind. Die Schätzung bezieht sich jedoch auf einen weltweiten Durchschnitt. Zwischen den einzelnen Regionen bestehen erhebliche Unterschiede.

Ursachen des Wandels beim Frauenvermögen

Die Veränderungen der Lebensweise in den letzten hundert Jahren haben den Anstieg des Vermögens von Frauen gefördert: Bessere Bildung, häufigere Berufstätigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das sind nur einige Faktoren, die Frauen eine grössere finanzielle Unabhängigkeit, höhere Einkommen und dadurch auch mehr Ersparnisse ermöglicht haben.

Auf der anderen Seite wird dieser Trend durch einige Faktoren gebremst bzw. umgekehrt: Das weiterhin bestehende geschlechtsspezifische Lohngefälle führt bei Frauen beispielsweise zu geringeren Chancen auf einen Vermögensaufbau. Seit der Jahrtausendwende haben einige der genannten negativen Faktoren den Trend in mehreren Ländern schon gestoppt.

Regionale Unterschiede

Aus den vorliegenden Daten lässt sich ableiten, dass der Anteil des Vermögens in Frauenhand sowohl in Europa als auch in Nordamerika im Bereich zwischen 40 und 45 Prozent liegen dürfte. Das ist ein starkes Indiz für den Anteil des Vermögens, den Frauen weltweit besitzen: In Europa und Nordamerika leben nur 17 Prozent der weltweiten erwachsenen Bevölkerung, dennoch sind dort 61 Prozent des weltweiten Vermögens zu finden.

Mit Blick auf den Rest der Welt zeigen aktuelle Studien für Afrika und Indien einen deutlich geringeren Anteil, nämlich 20 bis 30 Prozent.

In China ist der Anteil von Frauen am Vermögen höher als in Afrika oder Indien, aber geringer als in Europa oder Nordamerika. Unserer Auffassung nach liegt der Gesamtanteil von weiblichen Erwachsenen am Vermögen in China bei einem Wert zwischen 30 und 40 Prozent.

Den Daten zufolge ist die Verteilung in der Region Asien-Pazifik (ohne China und Indien) sehr heterogen: In einigen Ländern (etwa Pakistan und Bangladesch) ähnelt die Vermögenssituation von Frauen der in Indien, andere Länder sind eher mit China vergleichbar. Wir schätzen den Vermögensanteil von Frauen in der Region auf 25 bis 35 Prozent.

Studien in einigen lateinamerikanischen Ländern weisen auf eine kleine Vermögenslücke zwischen den Geschlechtern hin; in der Region als Ganzes liegt der Vermögensanteil von Frauen unter dem in Europa und Nordamerika. Unserer Einschätzung nach beträgt er 30 bis 40 Prozent, wie in China.

Betrachtet man diese Zahlen zusammen, ergibt sich ein Anteil von Frauen am weltweiten Vermögen im Bereich von 35 bis 42 Prozent bzw. gerundet 40 Prozent.

Geschätzter Anteil des Haushaltsvermögens im Besitz von Frauen nach Region

Milliardärinnen

Wenig überraschend machen Milliardärinnen in Europa und Nordamerika den grössten Anteil aus. Danach folgen Lateinamerika, Afrika, Asien-Pazifik und China. Der Wert für Afrika ist wegen der kleinen Stichprobengrösse nicht aussagekräftig: Insgesamt gibt es dort lediglich 19 Milliardäre und nur 2 Milliardärinnen.

Unter den wichtigen Ländern hat Deutschland den grössten Milliardärinnenanteil (26,0 Prozent), danach folgen Schweden (25,0 Prozent), die Schweiz (23,8 Prozent) sowie Australien und Indien (mit jeweils 18,6 Prozent). Unter den Ländern mit insgesamt mindestens 20 Milliardären und Milliardärinnen fallen Indonesien, Singapur und Taiwan auf – dort gibt es gar keine Frauen mit milliardenschweren Vermögen.

Den globalen Reichenlisten von Bloomberg, Forbes und Hurun zufolge leben in China nicht nur zahlreiche Milliardäre, sondern auch verhältnismässig viele Milliardärinnen. Laut Hurun kommen sogar zwei Drittel der weltweiten Self-Made-Milliardärinnen aus China.

Die jüngere Generation

Millennials hatten einen schwierigeren Start in das Erwachsenenleben als frühere Generationen. Widrige Umstände wie die weltweite Finanzkrise, der technologische Wandel und hohe Immobilienpreise haben das Tempo ihres Vermögensaufbaus verlangsamt.

Interessanterweise waren junge Frauen davon bisher weniger stark betroffen als junge Männer. Dies könnte daran liegen, dass die von der Finanzkrise und der globalen Rezession am deutlichsten beeinträchtigten Wirtschaftszweige männlich dominiert sind, wie die Finanz- und die Baubranche, während dies auf die stabileren Bereiche der Wirtschaft nicht zutrifft, etwa das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die öffentliche Verwaltung, um nur einige zu nennen.

Anlageverhalten von Frauen

Unsere Untersuchungen bestätigen, dass Frauen im Vergleich zu Männern risikoaverser sind, über weniger Anlagewissen verfügen und bei Anlageentscheidungen weniger selbstsicher vorgehen.

Die Anlagestile der Frauen schlagen sich letztlich in der Portfoliozusammensetzung nieder: Die Daten aus Europa und den USA zeigen, dass Frauen einen grösseren Anteil an nichtfinanziellen Vermögenswerten halten und für einen kleineren Anteil ihrer Finanzanlagen ein höheres Risiko wählen (mit Aktien und Anlagefonds).

Eine andere allgemeine Auffassung besagt, dass Frauen tendenziell mehr sparen. Dies wird durch unsere Untersuchungen nicht bestätigt. Angesichts der Tatsache, dass Frauen länger leben, könnte man erwarten, dass sie mehr sparen. Tatsächlich aber geben sie im Vergleich zu Männern mehr Geld für ihre Kinder aus, was sich negativ auf die Ersparnisse auswirkt.

Keine universellen Verbesserungen

Der Vermögensanteil von Frauen ist im 20. Jahrhundert deutlich gestiegen, und auch ihr Vermögensniveau ist seit dem Jahr 2000 analog zum gesamten Vermögen der privaten Haushalte gewachsen. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass mehr Frauen aus eigener Kraft geschäftlichen Erfolg haben und in die höchsten Vermögensstufen aufsteigen.

Allerdings sind die Verbesserungen bei der Vermögenssituation von Frauen nicht universell festzustellen. In einigen Regionen gibt es grosse Vermögenslücken zwischen den Geschlechtern. Zudem bleiben selbst in den Ländern mit den grössten Fortschritten einige Gruppen von Frauen, beispielsweise Alleinerziehende und Geschiedene, benachteiligt.

Im Grossteil der Welt zeigen sich Fortschritte – dennoch muss mehr dafür getan werden, Chancengleichheit für Frauen beim Vermögensaufbau, bei Erbschaften und bei der Teilhabe am Wohlstand herzustellen.

Nannette Hechler-Fayd'herbe, globale Leiterin Investment Strategy Research, kommentiert die Erkenntnisse zum Anteil von Frauen am weltweiten Vermögen. (EN)