Global Wealth Report 2017
Neuste Artikel

Global Wealth Report 2017: Wo stehen wir zehn Jahre nach der Krise?

Wie die neueste Ausgabe des Global Wealth Report des Credit Suisse Research Institute (CSRI) zeigt, hat das weltweite Gesamtvermögen heute 280 Billionen US-Dollar erreicht und ist damit um 27 Prozent grösser als beim Ausbruch der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt.

Die weltweiten Vermögenszuwächse entfallen zur Hälfte auf die USA

In den letzten zwölf Monaten stieg das weltweite Gesamtvermögen um 6,4 Prozent. Dies ist der grösste Vermögenszuwachs seit 2012 und eines der besten Ergebnisse seit der Finanzkrise. Da zudem das Vermögen stärker gewachsen ist als die Bevölkerung, erreichte das weltweite Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem mit 56'540 Dollar ein neues Rekordhoch.

Veränderung der Vermögen privater Haushalte 2016-2017 nach Regionen

Veränderung der Vermögen privater Haushalte 2016-2017 nach Regionen

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks,
Credit Suisse Global Wealth Databook 2016 und 2017

Im Ländervergleich der Vermögenszuwächse sind die USA unangefochtener Spitzenreiter. Das Land setzte seinen bemerkenswerten Zuwachs fort, der seit der Finanzkrise ungebrochen anhält, und mehrte das weltweite Vermögen um fast 9 Billionen Dollar. Damit generierten die USA mehr als die Hälfte des gesamten weltweiten Vermögenszuwachses der letzten zwölf Monate von 16,7 Billionen US-Dollar.

«Die Präsidentschaft Trumps verzeichnet florierende Unternehmen und wachsende Beschäftigungszahlen, doch auch die weiterhin stützende Rolle des Federal Reserve hat hier zweifellos eine Rolle gespielt, und die ungleiche Vermögensverteilung ist nach wie vor ein wichtiges Thema», sagt Michael O'Sullivan, CIO der Division International Wealth Management bei der Credit Suisse. «Mit Blick auf die Zukunft jedoch könnten hohe Marktbewertungen und Immobilienpreise die Wachstumsdynamik in den kommenden Jahren dämpfen.»

Polen mit dem höchsten prozentualen Anstieg

Europa verzeichnete dank stabiler Verhältnisse ein Vermögenswachstum von 6,4 Prozent und lag damit im weltweiten Trend. Aus Europa schafften es Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien in die Top Ten der Länder mit den grössten Zuwächsen in absoluten Zahlen.

Prozentual verzeichnete Polen die grösste Zunahme des Privatvermögens. Das Plus von 18 Prozent war vor allem durch den Anstieg der Aktienkurse bedingt.

Die Schweiz blieb 2017 Weltspitze beim durchschnittlichen wie auch beim mittleren Vermögen pro Erwachsenem, wobei Letzteres Länder mit besonders gleichmässiger Vermögensverteilung begünstigt. Seit der Jahrtausendwende hat sich das Vermögen pro Erwachsenem in der Schweiz um 130 Prozent auf 537'600 US-Dollar erhöht.

Weltweite Vermögen 2017

Weltweite Vermögen 2017

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks,
Credit Suisse Global Wealth Databook 2017

China holt auf

Der Grossteil der Vermögen entfällt immer noch auf Länder mit hohem Einkommen in Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik (ohne China und Indien), doch mittlerweile rücken auch andere Länder in den Vordergrund. China hatte während der Krise Vermögensverluste von 20 Prozent verzeichnet, konnte dann aber den Vermögenszuwachs rasch über das Vorkrisenniveau hinaus steigern. Dieses Jahr zog China beim Tempo der Vermögensbildung mit Europa gleich, und der chinesische Beitrag zum weltweiten Vermögenszuwachs lag bei 1,7 Billionen US-Dollar. In absoluten Zahlen verzeichnete das Land damit den zweitgrössten Vermögenszuwachs nach den USA.

Rückblick

Dem Global Wealth Report zufolge erfasste das Vermögenswachstum in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts grössere Gebiete als je zuvor. Finanz- ebenso wie Sachwerte und auch alle Regionen verzeichneten stabile Aufwärtstrends. Die Schwellenländer wurden zu starken Global Players.

Nicht zuletzt profitierten alle gesellschaftlichen Schichten. Während das globale Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem zwischen 2000 und 2007 jährlich um 7 Prozent stieg, schnitt die untere Hälfte der Vermögensbesitzer noch besser ab: Das mittlere Vermögen pro Erwachsenem erhöhte sich jährlich um 12 Prozent.

Die globale Finanzkrise setzte dieser Wachstumsphase 2007 ein Ende und vernichtete 12,6 Prozent des weltweiten Vermögens. 

Vermögensungleichheit als Erbe der Krise

Kurz nach der Krise setzte das Vermögenswachstum wieder ein. Das Vermögen machte die Verluste wett und nahm weiter zu, aber die durchschnittliche Wachstumsrate war weniger als halb so hoch wie vor der Krise.

Trends beim weltweiten Vermögen privater Haushalte 2007 gegenüber 2017

Trends beim weltweiten Vermögen privater Haushalte 2007 gegenüber 2017

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks,
Credit Suisse Global Wealth Databook 2017

Zudem zeigten sich in den zwölf Monaten bis Mitte 2017 auf der ganzen Welt deutliche Vermögenszuwächse, nicht nur aufgrund der robusten Aktienmärkte, sondern auch durch erhebliche Steigerungen bei Sachwerten. Dies könnte auf eine Rückkehr zum Wachstumsmuster der Vorkrisenzeit hinweisen.

Das verbliebene negative Erbe der Finanzkrise ist die Vermögensungleichheit, die in allen Teilen der Welt seit 2007 zugenommen hat. Wie die Verfasser des Berichts errechnet haben, startete das oberste Prozent der weltweiten Vermögensbesitzer mit 45,5 Prozent des gesamten Privatvermögens in das neue Jahrtausend, doch mit den Jahren stieg ihr Anteil auf heute 50,1 Prozent.

Vermögensausblick für die nächsten fünf Jahre

Dem Bericht zufolge wird das weltweite Vermögen wohl in ähnlichem Tempo weiterwachsen wie heute und bis 2022 auf 341 Billionen Dollar steigen.

Schwellenländer dürften dabei höhere Zuwächse verzeichnen als Industrieländer und bis zum Ende des fünfjährigen Zeitraums einen Anteil von 22 Prozent am weltweiten Vermögen erreichen. Das grösste Plus dürfte dabei, wenig überraschend, mit schätzungsweise rund 10 Billionen US-Dollar bzw. 33 Prozent auf China entfallen.

Für das Millionärssegment sind die Aussichten optimistischer als für den unteren Teil der Vermögenspyramide (unter 10'000 Dollar pro Erwachsenem). Während die Zahl der Millionäre bis 2022 um 22 Prozent von heute 36 Millionen auf 44 Millionen steigen dürfte, wird die Zahl der Menschen im untersten Segment der Pyramide wohl nur um 4 Prozent schrumpfen.