Global Investor: Digitalisierung hält Einzug in die Pflege
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Global Investor: Digitalisierung hält Einzug in die Pflege

Die Gesundheitsbranche hat sich bisher mit der Digitalisierung zurückgehalten. Doch nun kommt Bewegung in den Sektor.

In den entwickelten und in den aufstrebenden Volkswirtschaften nehmen die Gesundheitskosten stark zu. Die Bevölkerung gibt nicht nur mehr Geld aus, weil sie es sich leisten kann, sondern auch, weil mit steigendem Wohlstand die Gesundheit an Bedeutung gewinnt.

Im Bestreben, Behandlung und Kosten zu optimieren, spielt die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle. Bisher war der Gesundheitssektor eher zurückhaltend bei der Nutzung der Möglichkeiten, welche die Digitalisierung eröffnet. Sie breitet sich nun aber auch in dieser Branche aus: Die Fernüberwachung von Patienten, die Telemedizin und Portale, die medizinische Beratung anbieten, verändern das Gesundheitswesen grundlegend. 

Fernüberwachung senkt Anzahl Notfälle

Mit der Fernüberwachung von Patienten lassen sich die Vorteile des technischen Fortschritts besonders gut verdeutlichen. Das US-Unternehmen Vivify Health beispielsweise hat ein System zur Fernüberwachung von Patienten entwickelt, die an drohendem Herzversagen leiden – eine Krankheit, die das US-Gesundheitswesen jährlich rund 40 Milliarden US-Dollar kostet. Knapp die Hälfte davon wird für Spitalaufenthalte ausgegeben. Vivify bietet nun eine Lösung an, die den Zustand der Patienten permanent aufzeichnet und es den Ärzten erlaubt, Verschlechterungen rechtzeitig zu entdecken. So konnte Vivify bereits im Pilotprojekt eine drastische Reduktion der Spitalaufenthalte und Arztbesuche dieser Herzpatienten feststellen. Die teuren Notfallbehandlungen haben gar um 70 Prozent abgenommen.

Mit Telemedizin sparen

Ein anderes Angebot ist die medizinische Beratung per Telefon. In der Schweiz bieten Krankenkassen seit mehreren Jahren eine ärztliche Beratung an, bevor die Versicherten einen Arzttermin vereinbaren. Sie werden am Telefon von einer hauseigenen Fachperson beraten, die dann das weitere Vorgehen bestimmt. Dies erspart den Krankenkassen unnötige Arztbesuche.

In den USA gibt es den «Doctor On Demand», wo medizinische Beratung über das Internet angeboten wird. Angenommen, das Programm kann ein Drittel der Arztbesuche überflüssig machen, würde das Sparpotenzial bei über 30 Milliarden US-Dollar liegen. Solche Programme leisten nicht nur einen Beitrag zur Kostenreduktion, sondern sie erreichen – gerade in weniger entwickelten Volkswirtschaften – Patienten mit eingeschränkter Mobilität oder in abgelegenen Gegenden.

Dem technologischen Fortschritt sei Dank

Der technologische Fortschritt verbessert auch medizinische Messgeräte, die kleiner und damit vielseitiger einsetzbar werden. Eine Errungenschaft, welche die Lebensqualität der Diabetespatienten markant verbessert, ist das Continuous Glucose Monitoring (CGM). Dank eines Sensors können Diabetiker den Blutzuckerspiegel konstant überwachen und so Schwankungen rascher erkennen sowie die Blutentnahme reduzieren. Und dies ist nur der Anfang: Es ist eine Frage der Zeit, bis die künstliche Bauchspeicheldrüse – ein CGM-Gerät verbunden mit einer Insulinpumpe – auf den Markt kommt.

Bessere medizinische Kenntnisse

Mit Informationsplattformen wie WebMD erhalten die Nutzer zunehmend Möglichkeiten, ihre medizinischen Kenntnisse zu verbessern und so ihrer Gesundheit besser Sorge zu tragen. Obschon dies durchaus gute Seiten hat, scheinen die Nachteile, die sich daraus ergeben, die Vorteile zu überwiegen.

So führt dies dazu, dass die Patienten bereits mit einer festen Diagnose kommen und auf einer bestimmten Behandlung bestehen. Im harmlosen Fall verlängert dies die Erklärungszeit des Arztes, im schlimmeren Fall führt dies zu unnötigen Untersuchungen oder sogar einer gefährlichen Selbstmedikation. Daher sollte sich die medizinische Aufklärung im Netz eher auf die Prävention beschränken.

Nutzung von WebMD steigt

Nutzung von WebMD steigt

Über 200 Millionen Nutzer besuchen die Website jeden Monat, um Informationen zu Gesundheit, Ernährung und Wohlbefinden zu erhalten.

Quelle: WebMD

Eine neue Ära bricht an

Wir sind überzeugt, dass wir uns im Gesundheitswesen am Beginn einer neuen Ära befinden. Die Digitalisierung bringt hohe Effizienzgewinne und grossen Nutzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bei einer umsichtigen Umsetzung der Digitalisierung werden alle profitieren: Patienten, Ärzte, Pflegepersonal, Spitäler sowie Krankenkassen. Es ist jedoch unerlässlich, dass der Einsatz digitaler Geräte stets von einer ärztlichen Beratung begleitet wird.