Globale Inflation: Noch längere Zeit niedrig
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Globale Inflation: Noch längere Zeit niedrig

In den Industrie- und Schwellenländern herrscht kaum Inflationsdruck. Dieses globale Umfeld mit geringer Teuerung dürfte längere Zeit anhalten.

Die globalen Inflationstrends präsentieren sich weiterhin ziemlich günstig. In den meisten grossen Industrieländern hat die Gesamtinflation ihren Zenit im 1. Quartal 2017 überschritten, nachdem die von den Energiepreisen herrührenden Basiseffekte nachgelassen hatten. In den meisten wichtigen Schwellenmärkten schwächt sich die Inflation ebenfalls ab, was in Ländern wie Russland und Brasilien hauptsächlich der Erholung ihrer Währungen und der nach wie vor schwachen Binnennachfrage zuzuschreiben ist. Wir sehen gute Gründe dafür, dass dieses günstige weltweite Umfeld mit relativ niedrigen Inflationsraten noch während längerer Zeit anhalten sollte.

Beschränkte Reaktion auf robusten Arbeitsmarkt

Einer der Hauptgründe für die günstigen Inflationsperspektiven ist der Umstand, dass gewisse Faktoren, welche die Teuerung effektiv stärker beeinflussen sollten, zurzeit nur wenig reagieren. Gemäss der Phillips-Kurve müsste eine niedrige Arbeitslosigkeit eigentlich mit steigenden Inflationsraten einhergehen. Da die Arbeitslosigkeit in den USA zurzeit den tiefsten Wert seit 16 Jahren erreicht, sollte die US-Wirtschaft folglich zumindest gewisse Anzeichen eines nachhaltig steigenden, breit abgestützten Lohn- und Preiswachstums zeigen. Tatsächlich bewegt sich das US-Lohnwachstum mit einem Wert von rund 2.5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch weitgehend seitwärts. Dies kann zwei Ursachen haben: Entweder ist die Inflationsrate weniger empfänglich für rückläufige Arbeitslosenraten geworden, oder das Niveau der Arbeitslosenrate, bei dem sich das Lohnwachstum zu beschleunigen beginnt, ist gefallen. Reduzierte langfristige Inflationserwartungen könnten ebenfalls zu den tiefer liegenden Gründen für eine «flachere» Phillips-Kurve gehören.

Unabhängig davon, was genau den bisherigen Mangel an Lohndruck verursacht, signalisiert dies jedoch, dass die Kerninflation auf kurze Sicht kaum stark zunehmen wird. Längerfristig rechnen wir aber dennoch damit, dass eine fortgesetzte Verbesserung der US-Arbeitsmarktlage einen Anstieg der Löhne und eine kontinuierliche Beschleunigung der Inflation auslösen wird. Allerdings ist schwierig vorauszusagen, wann diese Entwicklung einsetzen und wie ausgeprägt sie sein wird.

Gedämpfter Inflationsausblick in der Eurozone

In der Eurozone sind einige der grösseren Volkswirtschaften noch ziemlich weit davon entfernt, die Arbeitslosenraten von vor der Finanzkrise wieder zu erreichen. Selbst in Deutschland, wo die Arbeitslosigkeit auf neue Tiefstwerte seit der Wiedervereinigung nachgegeben hat, stehen die Löhne und die Inflation kaum unter Aufwärtsdruck. Zurzeit ist die Kerninflation in der Eurozone weiterhin ziemlich verhalten, und das Lohnwachstum ist unverändert anämisch.

Wenn die Reaktion des Lohnwachstums auf die Arbeitslosenrate so schwach bleibt wie in den USA, wird die Eurozone möglicherweise noch während einiger Zeit eine lockere Geldpolitik benötigen. Dies wird die Europäische Zentralbank zwar wohl nicht daran hindern, ihre Wertschriftenkäufe zu reduzieren (Tapering), es könnte aber eine Anhebung der Leitzinsen verzögern.

Inflation sinkt in Brasilien und Russland

Der Inflationsausblick in den bedeutendsten Schwellenmärkten präsentiert sich derweil etwas anders. In Ländern wie Brasilien und Russland, die sich allmählich von einer langwierigen Rezession erholen, schwächt sich die Teuerung rasch ab und sollte sich auf ziemlich tiefen Werten stabilisieren. Die Zentralbanken beider Länder werden ihre Lockerungszyklen voraussichtlich fortsetzen.

Demgegenüber wächst die Wirtschaft Chinas weiterhin ziemlich robust, während die Kerninflation graduell ansteigt. Aufgrund der nach wie vor substanziellen Überkapazitäten liegt allerdings der Schluss nahe, dass letzterer Prozess langsam verlaufen dürfte. In Ländern, die wie die Türkei und Mexiko jüngst von Währungsschwächen betroffen waren, zieht die Teuerung ebenfalls an. Allerdings wird diese Beschleunigung wohl nur vorübergehend sein und wieder abklingen, sobald sich die höheren Importpreise auf die Wirtschaft niederschlagen und sich die Währungen stabilisieren.

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