Weltwirtschaft: Mehr Wachstum, teureres Geld
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Weltwirtschaft: Mehr Wachstum, teureres Geld

Die Weltwirtschaft dürfte auch 2018 stark wachsen, denn sowohl Industrie- als auch Schwellenländer profitieren von einem synchron verlaufenden Konjunkturaufschwung.

Die Credit Suisse geht davon aus, dass die Weltwirtschaft trotz nachlassender lockerer Geldpolitik ein anhaltend solides Wachstum erwarten lässt. Das globale BIP-Wachstum dürfte sich leicht auf 3,8 Prozent beschleunigen, während die globale Inflation voraussichtlich bei gesunden 2,7 Prozent liegen wird. Darüber hinaus werden Unternehmensinvestitionen, die in den letzten Jahren zurückhaltend waren, zu einem wichtigen Wachstumstreiber für die Zukunft.

Sehen Sie das Video zum Konjunkturausblick von Oliver Adler, Head of Economic Research, CIO Office Switzerland [EN]:

Zusätzliche Wachstumsmotoren: Investitionen und Fiskalpolitik

In den letzten Jahren haben Beschäftigung und Konsum das Wirtschaftswachstum massgeblich beeinflusst, während die tieferen Zinsen in zahlreichen Ländern einen Boom bei Immobilieninvestitionen ausgelöst haben. Die Unternehmen haben allerdings eher zurückhaltend investiert. Die allgemeinen Wachstumsaussichten verfestigen sich, die Stimmung der Unternehmen verbessert sich, die Arbeitskräfte werden knapper, aber die Rentabilität bleibt hoch. Daher dürften Unternehmensinvestitionen zukünftig das Wachstum entscheidend bestimmen.

Investitionszyklus erholt sich

Konsum und Investitionsvolumina für 19 grosse Industriestaaten, nach BIP gewichtet und indexiert (2010 = 100)

Quelle: AMECO, Datastream, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 2016 (2017 geschätzt)

Steuersenkungen und -entlastungen vor allem in den USA und in Deutschland dürften das Wirtschaftswachstum ebenfalls stimulieren. Der Welthandel wird sich daher trotz protektionistischer Tendenzen beschleunigen.

Aufschwung im Welthandel

Indizes zum Handelsvolumen, 3-monatiger gleitender Durchschnitt (Jan. 2000 = 100)

Quelle: CPB World Trade Monitor, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: Juli 2017

«Lowflation» ist Basisszenario

Weiterhin bestehen strukturelle Kräfte, die eine Disinflation begünstigen – beispielsweise die «Gig-Wirtschaft», ein Arbeitsmarkt, in dem Arbeitnehmer ihre Dienstleistungen flexibel und befristet anbieten. In spezifischen Sektoren wie dem Einzelhandel sorgt das Internet für immer mehr Preistransparenz und setzt damit die Margen unter Druck.

Und schliesslich leiden viele Industriezweige weltweit immer noch unter überschüssiger Produktionskapazität. Doch da in einigen Ländern, beispielsweise in den USA, in Deutschland und in Japan, inzwischen eine Verknappung auf dem Arbeitsmarkt einsetzt, könnte ein stärkeres Lohnwachstum auch zu etwas rascher steigenden Preisen führen. Ein weiterer Risikofaktor sind unerwartet stark anziehende Rohstoffpreise.

Zentralbanken werden Liquidität reduzieren

Die US-Notenbank (Fed) hat im Oktober 2017 mit der Kürzung ihrer Bilanz begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und andere werden ab 2018 voraussichtlich ihre Anleihenkäufe drosseln. Ende 2018 werden alle grossen Zentralbanken folglich ihre Bilanzen insgesamt allmählich verkleinern. Im Laufe des Jahres 2018 dürften mehrere grosse Zentralbanken ausserdem dem Beispiel der Fed folgen und die Leitzinsen erhöhen. In den Schwellenländern nähert sich die Phase der geldpolitischen Lockerung ihrem Ende. Weltweit wird die Geldpolitik daher bald eindeutig weniger expansiv sein.