Bundestagswahl 2017: Kaum grössere Marktbewegung zu erwarten
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Bundestagswahl 2017: Kaum grössere Marktbewegung zu erwarten

Angela Merkel ist klare Favoritin der Bundestagswahl. Ungewissheit besteht jedoch in der Koalitionsfrage. Wir beurteilen deutsche Aktien weiterhin positiv.

Kurz vor der deutschen Bundestagswahl 2017 liegen die Unionsparteien CDU und CSU in der Wählergunst weiterhin vorne, sind ihre Umfragewerte doch deutlich höher als jene der Sozialdemokraten (SPD) ihres Rivalen Martin Schulz. Die einzige TV-Debatte zwischen den beiden Kanzlerkandidaten schien Angela Merkel nicht zu gefährden, zumal sie als überzeugender wahrgenommen wurde als Martin Schulz. Die Meinungsumfragen sind im Vorfeld der für den 24. September angesetzten Bundestagswahlen weitgehend stabil geblieben: Die CDU/CSU kommt auf rund 38 Prozent, die SPD auf rund 23 Prozent der Stimmen.

Werden die Bundestagswahlen einen Koalitionswechsel bringen?

Angela Merkel ist klare Favoritin der Bundestagswahl und dürfte sich ein viertes Mandat als Regierungschefin des stärksten europäischen Landes sichern. Offene Fragen gibt es daher lediglich in Bezug auf die Koalitionsbildung, zumal wahrscheinlich keine einzelne Partei eine absolute Mehrheit im Bundestag gewinnen wird. Eine Mitte-Rechts-Allianz mit der liberalen FDP würde wohl von der CDU bevorzugt und wäre zudem die marktfreundlichste Konstellation. Allerdings deuten die Umfragen darauf, dass keine Mehrheit für eine solche Koalition zustande kommen wird.

Eine Regierungsteilnahme der Grünen (in einer sogenannten Jamaika-Koalition) könnte zwar die für eine Mehrheit fehlende Zahl an Parlamentssitzen sichern, eine Allianz aus drei Parteien wäre aber auf nationaler Ebene ein Novum und könnte sich als unbeständig erweisen. Gemäss Prognosen würde lediglich eine Fortsetzung der grossen Koalition (CDU/CSU und SPD) eine Mehrheit gewinnen, sodass sie das wahrscheinlichste Szenario darstellt.

Sitzaufteilung im deutschen Bundestag (in Prozent), Schätzungen auf Basis jüngster Umfrageergebnisse

Sitzaufteilung im deutschen Bundestag (in Prozent), Schätzungen auf Basis jüngster Umfrageergebnisse

Letzter Datenpunkt: 6. September 2017.
Quelle: Wahlrecht.de, Credit Suisse 

CDU und SPD sind für eine verstärkte Integration

Sämtliche Parteien haben im Vorfeld der Bundestagswahlen 2017 moderate Steuersenkungen sowie eine Erhöhung der Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben in Aussicht gestellt. Zu den Schlüsselthemen der neuen Regierung gehört zudem eine vertiefte europäische Integration. Alle grossen Parteien sind weiterhin europafreundlich. Angela Merkels CDU und Martin Schulz' SPD sind für eine verstärkte Integration, wogegen eine Koalition mit der FDP wohl weniger Bereitschaft für Schritte hin zu einer vertieften Zusammenarbeit in der Währungsunion zeigen würde. In jedem Fall dürften die Koalitionsverhandlungen jedoch langwierig sein und könnten sich bis gegen Jahresende hinziehen.

Beschränkte Marktbewegungen zu erwarten

Anders als bei den französischen Präsidentschaftswahlen früher im laufenden Jahr rechnen die Anleger zurzeit kaum mit Volatilität infolge der deutschen Bundestagswahl. Deutschland ist politisch stabil, weshalb der Urnengang keine umfassenderen Positionsanpassungen an den Finanzmärkten auslösen wird.

Im Rahmen unserer Europastrategie favorisieren wir folglich deutsche Aktien nach wie vor, und zwar unabhängig vom Wahlausgang. Die meisten DAX-Indizes litten unter dem stärkeren Euro zu Beginn des Sommers, sodass die Bewertungen im Vergleich zu anderen Regionen mittlerweile attraktiv sind, zumal auch eine anhaltend gute Konjunkturdynamik für Auftrieb sorgt.

Bei den Festverzinslichen haben deutsche Staatsanleihen im vergangenen Monat eine gute Performance gezeigt, was steigenden geopolitischen Spannungen und reduzierten Erwartungen in Bezug auf eine rasche geldpolitische Straffung durch die Europäische Zentralbank EZB zuzuschreiben war. Allerdings nähern sich die Bewertungen deutscher Bundesanleihen eher einem hohen Niveau, weshalb wir sie im Vorfeld der ereignisreichen Herbstmonate unverändert neutral gewichten.