Grenzmärkte: Asiatische Länder in Bewegung
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Grenzmärkte: Asiatische Länder in Bewegung

Die Wachstumsabschwächung in China rückt die rapide wachsenden Grenzmärkte Asiens in den Blickpunkt.

Im Hinblick auf eine Kennzahl für den wirtschaftlichen Erfolg bleiben Asiens grösste Grenzmärkte hinter den meisten Ländern ihrer globalen Vergleichsgruppe zurück. Pakistan, das unter sozialen Herausforderungen wie z. B. Analphabetismus leidet, weist ein Pro-Kopf-BIP von USD 1300 auf. Vietnam, das die Umstellung auf die Marktwirtschaft erst in den späten 1980er-Jahren einleitete, steht mit USD 2100 besser da. Im Vergleich dazu verzeichnen Afrikas grösste Grenzmärkte, Nigeria und Marokko, jeweils ein Pro-Kopf-BIP von USD 3300, während die entsprechenden Märkte in Europa und im Nahen Osten zwischen USD 7800 (Bulgarien) und USD 43'200 (Kuwait) liegen.

Wenn das niedrige Pro-Kopf-BIP eines Grenzmarkts mit einer Transformation der Produktivität und der Institutionen einhergeht, kann dies jedoch die Grundlage für ein robustes Wirtschaftswachstum bieten. Eine Reihe asiatischer Grenzmärkte, darunter die Mongolei, Sri Lanka und Vietnam, bieten eine Kombination überzeugender Wachstumsaussichten für versierte Anleger, während positive Entwicklungen in Pakistan einen Indexanbieter kürzlich sogar dazu veranlassten, das Land vom Grenzmarkt zum Schwellenland hochzustufen. Wie können also intelligente Anlagen in den asiatischen Grenzländern vorgenommen werden? Die Credit Suisse ist der Auffassung, dass Anleger folgende Faktoren berücksichtigen müssen, wenn sie an einigen der dynamischsten Erfolgsgeschichten in Asien partizipieren möchten.

Staatliche Reformen

Pakistans erneute Klassifizierung als Schwellenland durch den Indexanbieter MSCI stellt in gewisser Weise ein Comeback dar. Im Jahr 2008 wurde Pakistan aus dem MSCI Emerging Markets Index gestrichen, nachdem politische Unruhen das Land dazu veranlassten, einen vorübergehenden Mindestkurs für seine Aktien festzulegen. Diese Massnahme führte letztendlich zur Lähmung des Aktienmarkts. Eine Reihe von Marktreformen in den letzten Jahren, darunter die Umwandlung der Börsen in Aktienunternehmen, trug jedoch zur Heraufstufung in den vorherigen Status bei.

In der Mongolei ist der Ausbau des Aktienmarkts eine zentraler Punkt auf der Tagesordnung der gegenwärtigen Regierung, und jüngste politische Veränderungen haben Fortschritte bei wichtigen Infrastrukturprojekten im Land mit sich gebracht und zudem die allgemeinen Wirtschaftsbedingungen verbessert, so Helman Sitohang, CEO der Region Asia Pacific bei der Credit Suisse. Im rund 3000 Kilometer südlich gelegenen Vietnam sorgen anhaltende Reformen wie die Privatisierung staatseigener Betriebe ebenfalls für ein Wachstum der Wirtschaft.

Bei all ihrem gemeinsamen Potenzial deuten die Unterschiede zwischen den asiatischen Grenzmärkten auch auf unterschiedliche Chancen für Anleger hin.

Unterstützung durch den IWF

Im Juni nahm der IWF seine Zusammenarbeit mit Sri Lanka auf, um eine mögliche Zahlungsbilanzkrise abzuwenden. Der Fonds gewährte dem Land einen Dreijahreskredit über USD 1,5 Mia. zur Unterstützung seiner Anstrengungen im Hinblick auf die Haushaltskonsolidierung, Haushaltstransparenz, die Vereinfachung des Steuersystems und andere Ziele.

Es ist jedoch wichtig, bei der finanziellen Unterstützung sowohl den Einstieg als auch den Ausstieg im Blick zu behalten. In den vergangenen drei Jahren war Pakistan auf Kredite aus der Erweiterten Fondsfazilität des Internationalen Währungsfonds angewiesen, um seine Finanzkraft zu stärken und einer Zahlungsbilanzkrise zu entgehen. Diese Fazilität läuft im September aus, und während Pakistan sich in seinem Haushaltsplan 2017 um eine Fortsetzung der Massnahmen zur Haushaltskonsolidierung bemüht, warnen Anlagestrategie-Analysten der Credit Suisse davor, dass das Land ohne das «wachsame Auge» des IWF durchaus nach wie vor «Fehlentwicklungen» bei seinen Einnahmen und Ausgaben erleben könnte.

Bevölkerungswachstum und Altersentwicklung

Eine Zunahme der Bevölkerung im Erwerbsalter kann das BIP beflügeln, während ein übermäßig hoher Altersquotient – das Verhältnis von Menschen über 64 Jahre zu Menschen zwischen 15 und 64 Jahren – die arbeitende Bevölkerung und die Wirtschaft belastet. Von zwölf wichtigen Schwellenländern, die kürzlich von der Credit Suisse untersucht wurden, wies Pakistan mit 2,2 Prozent die dritthöchste Wachstumsrate unter der Bevölkerung im Erwerbsalter auf und lag damit direkt hinter Nigeria (2,9 Prozent) und Kenia (3 Prozent). Gleichzeitig sind die Altersquotienten in Pakistan (7,43) und Sri Lanka (14,07) deutlich niedriger als in Osteuropa, jedoch höher als in den meisten Grenzmärkten Afrikas und des Nahen Ostens.

Asian Frontier Markets

Asiatische Grenzmärkte

Quelle: Credit Suisse, United Nations

Jugendarbeitslosigkeit und Bildungswesen

Die Jugendarbeitslosigkeitsquote ist in den meisten Grenzmärkten hoch, und asiatische Länder bilden keine Ausnahme. Daten der Vereinten Nationen zufolge liegt sie in Pakistan bei 7,7 Prozent im Vergleich zu 5 Prozent der Gesamtbevölkerung, während die Rate in der Mongolei mit 16,5 Prozent mehr als doppelt so hoch ist wie die allgemeine Arbeitslosenrate von 7,9 Prozent. In Sri Lanka liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 20 Prozent, mehr als das Vierfache der allgemeinen Arbeitslosigkeit von 4,4 Prozent. Mit 6 Prozent weist Vietnam die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit der vier Länder auf. Dies entspricht jedoch immer noch dem Dreifachen der allgemeinen Arbeitslosigkeitsrate von 2 Prozent.

Im Bildungswesen liegt Pakistan hinter kleineren Grenzmärkten zurück: Kaum ein Drittel der Bevölkerung erhält zumindest einen Teil einer Sekundarschulausbildung, während knapp über die Hälfte (54,7 Prozent) lesen und schreiben kann. Im Gegensatz dazu positioniert der Bevölkerungsanteil mit Sekundarschulausbildung in Vietnam (65 Prozent), Sri Lanka (74 Prozent) und der Mongolei (85 Prozent) diese Länder vor wichtigen Grenzmärkten im Nahen Osten wie Kuwait und dem Libanon, die beide unter 60 Prozent liegen.

Gesundheit

Eine gute Gesundheit ist entscheidend für Produktivität und Wachstum. Die Menschen in asiatischen Grenzmärkten haben eine gesunde Lebenserwartung, die sich zwischen 58 in Pakistan und 67 in Sri Lanka bewegt. Dies ist höher als in afrikanischen Grenzmärkten – Nigeria weist eine Lebenserwartung von lediglich 47 Jahren auf –, aber leicht hinter den Grenzmärkten mit der höchsten Lebenserwartung im Nahen Osten und in Europa.

In Bezug auf sanitäre Einrichtungen stehen asiatische Grenzmärkte besser da als ihre afrikanische Vergleichsgruppe, sie bleiben jedoch generell hinter dem Nahen Osten und Europa zurück. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung in der Mongolei und Pakistan haben keinen Zugang zu angemessenen Sanitäranlagen, wodurch das Risiko der Verbreitung von Infektionskrankheiten steigt. In Vietnam stellt sich die Lage etwas positiver dar – hier leiden rund 20 Prozent der Bevölkerung unter ähnlichen Problemen. Sri Lanka, wo nur weniger als 5 Prozent der Bevölkerung ohne angemessene sanitäre Einrichtungen leben, nimmt die Spitzenposition unter den vier Ländern ein.

Urbanisierung

Die Urbanisierung verhilft Grenzmärkten in der Regel zu einer höheren Produktivität, da das Leben in der Stadt das Erzielen von Skaleneffekten in Produktion und Vertrieb fördert, und Firmen tendenziell von Wissenstransfers und einem breiteren, vielfältigeren Angebot an Arbeitskräften profitieren, wenn sie von vielen anderen Unternehmen umgeben sind. Obwohl Pakistan weniger urbanisiert ist als die Grenzmärkte im Nahen Osten – etwa 38 Prozent der pakistanischen Bevölkerung wohnen in Städten, verglichen mit über 98 Prozent in Kuwait –, leben die Stadtbewohner Pakistans überwiegend in sogenannten Megastädten mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Die Weltgesundheitsorganisation geht mittlerweile davon aus, dass bis zum Jahr 2020 mehr als drei Viertel der Bevölkerung der Mongolei in städtischen Gebieten leben werden. Sri Lanka rangiert unter den am stärksten ländlich geprägten Ländern der Grenzmärkte. Hier liegt der Bevölkerungsanteil der Stadtbewohner bei unter 20 Prozent, und es wird nicht erwartet, dass sich dies in den kommenden vier Jahren merklich ändern wird.

Bei all ihrem gemeinsamen Potenzial deuten die Unterschiede zwischen den asiatischen Grenzmärkten auch auf unterschiedliche Chancen für Anleger hin. Während weltweit vielversprechende politische Veränderungen stattfinden, haben die Grenzmärkte in Asien in so wichtigen Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Beschäftigung noch viele Aufgaben vor sich. Nachhaltige Investitionen in diesen Bereichen könnten ihnen helfen, eine demografische Dividende aus ihren jungen und wachsenden Bevölkerungen zu beziehen. Eine Bewertung der potenziellen Stärken und Schwächen der einzelnen Länder ist von entscheidender Bedeutung für intelligente Anlagen.

In einem Sonderbericht von The Financialist können Sie die Diskussion unter Experten der Credit Suisse und anderen Teilnehmern unserer Asian Investment Conference 2016 über Aussichten und Herausforderungen verfolgen, denen vier der dynamischsten Grenzmärkte – Pakistan, Vietnam, Sri Lanka und die Mongolei – derzeit gegenüberstehen.

Zugriff auf den Bericht Asia's Frontier Markets (Die asiatischen Grenzmärkte).