Weiblicher Unternehmergeist kennt keine Grenzen
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Weiblicher Unternehmergeist kennt keine Grenzen

Ein Unternehmen voranzutreiben erfordert Mut, eine Vision und den unbedingten Willen, die Welt um sich herum zu verändern. Verbindet man Gewinnstreben mit einem sozialen Zweck, trägt dies nicht selten zum Erfolg und zur Nachhaltigkeit des Geschäfts bei. Wir haben einige Unternehmerinnen rund um den Globus gefragt, was sie antreibt und was ihnen geholfen hat, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

Deepanjali Kanoria, Ana Isabel Orvañanos, Nthabiseng Mosia, Aisa Mijeno und Kathy Hannun hatten alle eine erfüllende Karriere vorzuweisen. Trotzdem kamen sie eines Tages zu dem Schluss: «Das ist mir nicht genug.» Sie tauschten ihre angenehme Routine gegen die Herausforderung, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die das Leben der Frauen oder der ganzen Gesellschaft in ihren Heimatländern leichter und sicherer machen.

Nur wenige indische Frauen können es sich leisten, Hygieneprodukte für Frauen zu kaufen. Das hat neben hygienischen auch gravierende gesellschaftliche Auswirkungen: Laut der NGO Plan International brechen 20 Prozent der Mädchen die Schule ab, sobald sie ihre erste Periode haben. Deepanjali Kanoria wollte sich damit nicht abfinden und hat darum günstige, nachhaltige Damenbinden aus Bambusfasern entwickelt. Ihr Unternehmen wird davon schon bald 448 Millionen Stück im Jahr verkaufen. Das wäre bei einem Preis von 15 Cent pro Binde ein Jahresumsatz von bis zu 67 Millionen Euro – und viel mehr Mädchen werden weiter zur Schule gehen können.

In Mexiko wollte die Ökonomin Ana Isabel Orvañanos die Situation der Hausangestellten nicht länger hinnehmen. Mehr als zwei Millionen von ihnen verdienen weniger als neun Dollar pro Tag. Die meisten werden schwarz beschäftigt, haben also keine Kranken- oder Sozialversicherung. Um diesen beklagenswerten Missstand zu ändern, gründete Orvañanos die Online-Plattform Aliada. Diese bringt selbstständige Putzkräfte mit Kunden zusammen, zahlt ihre Sozialversicherungsbeiträge und gewährt Mikrokredite. Alle registrierten Benutzer müssen ein Bankkonto besitzen und Steuern zahlen. «Mit Aliada können Frauen ihr Einkommen verdreifachen», so Orvañanos.

Lichtblicke für Entwicklungsländer

Viele Geschäftsfrauen entwickeln Lösungen für Frauen. Schliesslich wissen sie am besten, was ihre Kundinnen brauchen. Wer jedoch annimmt, dass weiblicher Unternehmergeist sich darauf beschränkt, irrt gewaltig. Nthabiseng Mosia und Aisa Mijeno sind eines der grössten Probleme von Entwicklungsländern angegangen: den Mangel an Strom.

Im westafrikanischen Sierra Leone etwa hat nur gerade ein Prozent der Landbevölkerung Zugang zu Strom. Darum hat Mosia «Easy Solar» gegründet. Das Unternehmen finanziert und vermietet preiswerte Solargeräte auf einer Pay-as-you-go-Basis. Easy Solar hat bereits über 75'000 Menschen in Sierra Leone mit Strom versorgt.

Mijenos zündende Idee kam anlässlich eines Besuchs in einem philippinischen Bergdorf. «Die Menschen dort hatten keine Elektrizität und mussten zwölf Stunden zu Fuss gehen, um Kerosin für ihre Lampen zu bekommen», erzählt die Professorin für Ingenieurwissenschaften. Mit ihrem Start-up SALt entwickelt sie Lampen, die statt mit teurem, umweltschädlichem Öl mit Salzwasser betrieben werden. Ein Glas Meerwasser reicht, um einen Raum für acht Stunden zu beleuchten. SALt ist nun zur Massenproduktion übergegangen und plant, dieses Jahr 200'000 Lampen herzustellen.

Nachhaltigkeit für die entwickelte Welt

In einem anderen Teil der Welt, nämlich in den USA, möchte Kathy Hannun die Gewohnheiten von 31 Millionen Hausbesitzern ändern, die immer noch Öl zum Heizen und Kühlen verwenden. Hannun war bei X, dem Forschungs- und Entwicklungslabor von Google, an der Entwicklung eines Geothermiesystems beteiligt und hat es zur Marktreife geführt. 2017 gründete sie Dandelion Energy und wurde CEO des Unternehmens. «Wir wollen Geothermie für alle zugänglich machen», erklärt Hannun. Ein Dandelion-System kostet nur die Hälfte einer herkömmlichen Geothermie-Anlage und spart laut Hannun mehr als 60 Prozent an Energiekosten ein.

Unsere Business Champions kommen aus verschiedenen Ländern und haben einen unterschiedlichen Hintergrund. Sie alle teilen jedoch den Ehrgeiz, den Wandel voranzutreiben. Von den Resultaten, die diesem Ehrgeiz entspringen, profitieren Gesellschaft und Unternehmertum gleichermassen. An dieser Stelle können wir nur einige wenige inspirierende Frauen vorstellen, doch wir möchten ihnen allen unseren Respekt bezeugen und andere ermutigen, in ihre Fussstapfen zu treten.