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Federal Reserve verschiebt Zinswende

Die Währungshüter der US-Notenbank (Fed) lassen die Zinssätze unverändert. Obwohl das Vertrauen in die US-Wirtschaft erhalten bleibt, verweist die US-Notenbank in ihrer Entscheidung auf weltwirtschaftliche Bedenken.

Die Fed hat die Zielspanne für die Federal Funds (FF) Rate bei ihrer gestrigen Sitzung unverändert bei 0%–0.25% belassen. Wir hatten mit einer ersten Zinserhöhung um 25 Basispunkte (Bp) gerechnet, während an den Finanzmärkten eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 50% für eine Anhebung eingepreist war. In ihrem Kommentar verwies Fed-Präsidentin Janet Yellen zusätzlich zu einer unter dem Ziel liegenden Inflationsrate auf die erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit im Ausland als Hauptgrund, warum von einer Leitzinserhöhung abgesehen wurde. Zum Thema der Inflation gab sich die Fed weiterhin zuversichtlich, ihr Ziel von 2% trotz temporärer Gegenkräfte (z.B. Rohstoffpreise) zu erreichen.

Positive Reaktion bei Bonds, durchzogene Reaktion bei Aktien

In der begleitenden Stellungnahme und den Prognoseunterlagen gehen die Teilnehmer der September-Sitzung davon aus, dass der «angemessene Leitzins» bis Ende 2015 auf 0.4%, bis Ende 2016 auf 1.4%, bis Ende 2017 auf 2.6% und langfristig auf 3.5% steigen werde. Die Inflationsprognosen für 2015–2017 wie auch die BIP-Wachstumsprognosen für 2016 und 2017 wurden leicht gesenkt. Während die Anleihenmärkte mit einem Rückgang der Rendite 10-jähriger US-Treasurys um 10 Bp positiv auf diese Meldungen reagierten, war die Reaktion an den Aktienmärkten durchzogen, und der S&P Index büsste 0.26% ein. EUR/USD ist aufgrund des merklichen Rückgangs der Renditen kurzfristiger US-Treasurys auf knapp über 1.14 gestiegen. Die erste Einschätzung unserer Ökonomen ist, dass die Zinsanhebung bis Dezember 2015 aufgeschoben wird und der Zinsanhebungspfad flacher ausfallen dürfte als anfänglich prognostiziert.

Kein Grund für Heraufstufung der Aktien

Bei seiner Ad-hoc-Sitzung hat das Anlagekomitee der Credit Suisse bestätigt, dass sich unser «dovishes» Risikoszenario mit einer angenommenen Wahrscheinlichkeit von 40% nun einzustellen scheint, was eine neutrale bis positive erste Auswirkung auf Anleihen, eine neutrale bis negative erste Reaktion bei Aktien und eine Konsolidierung anstelle einer Stärkung des USD beinhaltet. Die «dovishe» Haltung der Fed und unsere zyklischen Indikatoren sind Positivfaktoren, doch sieht sich das Komitee aufgrund einer fortwährenden Konsolidierung der charttechnischen Faktoren und der höheren Volatilität immer noch nicht veranlasst, die Einschätzung für Aktien heraufzustufen.

EWU- und Schweizer Aktien bevorzugt

Deshalb bestätigen wir unsere neutrale Sicht für Aktien, einschliesslich der regionalen Beurteilungen, wo wir EWU- und Schweizer Aktien vor Schwellenmarktaktien bevorzugen. Im Hinblick auf europäische Aktien müssen wir die Entwicklungen des Währungspaars EUR/USD und mögliche Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen eine etwaige temporäre EUR-Stärke genau beobachten. Deshalb behalten wir unsere negative Beurteilung von Fixed Income für unseren Anlagehorizont von 3–6 Monaten bei, was auch stark von unserer technischen Analyse unterstützt wird. Darüber hinaus steht die «dovishe» Haltung der Fed im Einklang mit unserer Einschätzung, dass bei den Spreads eine Outperformance des High-Yield-Segments gegenüber Anleihen von Schwellenländern zu erwarten ist. Ausserdem wurden vorerst keine Veränderungen an den Beurteilungen von Rohstoffen und Währungen vorgenommen. Die nächste reguläre Sitzung des Anlagekomitees der Credit Suisse findet am kommenden Mittwoch statt.