Disruption im Kleiderschrank. Mode und die Kreislaufwirtschaft.
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Disruption im Kleiderschrank. Mode und die Kreislaufwirtschaft.

Die Wegwerfkultur hat viele, wenn nicht gar alle Branchen erfasst. Besonders anfällig ist die Modeindustrie: Sie hat die so genannte «Fast Fashion» hervorgebracht – mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Doch inzwischen versuchen immer mehr Menschen, diese Entwicklung umzukehren, indem sie sich einer Zero-Waste-Philosophie verschreiben und sich an einer Kreislaufwirtschaft beteiligen.

Die Modeindustrie belastet die Umwelt in hohem Masse – das ist eine Tatsache: Für die Herstellung eines einzigen T-Shirts werden 2000 Liter Wasser benötigt, bei einem Paar Jeans sind es fast 7000 Liter. Die Umweltbelastung durch Fast Fashion, die auf Billigproduktion beruht und von Wegwerfkultur und Einwegmentalität getragen wird, ist sogar noch gravierender. Die massive Überproduktion verstärkt den Klimawandel, und die Endlosschleife von Kaufen–Wegwerfen–Neukaufen ist einfach nicht nachhaltig. Um dem entgegenzuwirken, beschreiten umweltbewusste Hersteller und Verbraucher neue Wege.

Gemeinsame Verantwortung

Es mag uns gefallen oder nicht: Mit neuer Kleidung geht auch eine Verantwortung einher. Wir als Verbraucher entscheiden, welche Kleidungsstücke verkauft werden, wie lange sie in Gebrauch sind, wie sie wiederverwendet und rezykliert werden – oder ob sie allzu früh auf einer Müllhalde landen.

Konzepte wie Slow Fashion, Kleidertausch und Second-Hand-Läden sind nur einige Beispiele dafür, wie kreativ Verbraucher sein können, und beweisen, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Bevor allerdings neue Kollektionen in die Läden kommen, müssen auch die Hersteller ihren Beitrag leisten.

Javier Goyeneche, Gründer des Modeunternehmens Ecoalf, hat das Ziel der Nachhaltigkeit in seinem Unternehmen verankert. Er beschreibt seinen Anspruch wie folgt: «Jeder kann heutzutage Jacken oder Jeans herstellen. Sehr wichtig ist dabei die Frage nach dem Wie. Bei einem Unternehmen, das einen gesellschaftlichen Zweck verfolgt, geht es aus meiner Sicht darum, die gleichen Dinge zu tun wie andere, aber auf eine andere Weise. Genau das macht den Unterschied.»

Das Modell Kreislaufwirtschaft

Mit der Ausarbeitung des «Wie» war Javier Goyeneche einige Jahre beschäftigt. Nachdem er verschiedene Möglichkeiten ausprobiert hatte, gelang es ihm, hochwertige Stoffe aus im Meer gesammeltem Plastikmüll herzustellen. Er erreicht damit zwei Ziele: Die Meere werden sauberer und aus den Abfällen entsteht ein neues Produkt. Das ist Kreislaufwirtschaft in der Praxis.

«Regierungen, Verbraucher und Unternehmen haben noch jede Menge Arbeit vor sich. Sie müssen damit anfangen, rezyklierte Materialien zu verwenden und eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Es ist völlig unnötig, tiefer und tiefer nach noch mehr Erdöl zu bohren; mit dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft können wir Abfälle in Ressourcen verwandeln.»

Kreislaufwirtschaft

Grundsätze der Kreislaufwirtschaft

Der Name verrät es schon: Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, Produkte neu zu erfinden und wiederzuverwerten, um Abfall und Verschmutzung auf ein Minimum zu reduzieren und das lineare Modell der Konsum- und Wegwerfgesellschaft abzulösen. Was nach dem traditionellen Ansatz einfach als «Abfall» gilt, wird im Kreislaufmodell zur Ressource.

Die drei von der Ellen MacArthur Foundation formulierten Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickeln sich zum Manifest nachhaltiger Unternehmerinnen und Unternehmer:

  • Vermeidung von Abfällen und Verschmutzung durch neue Verfahren
  • Kontinuierliche Wiederverwertung von Produkten und Materialien
  • Regeneration der natürlichen Systeme
Kleidung in Zahlen (2000–2014)