An Aktien führt praktisch kein Weg vorbei

Angesichts erheblicher Herausforderungen für festverzinsliche Anlagen und Rohstoffe müssen Anleger im Jahr 2015 kreativ werden, um ihr Aktien-Exposure abzusichern.

Die gute Nachricht zuerst: Wenn Anleger darüber nachdenken, wo sie ihr Geld dieses Jahr am besten für sich arbeiten lassen, gibt es nach wie vor gute Argumente für Aktien, insbesondere für US-amerikanische, die im Jahr 2014 eine Gesamtrendite von 14 Prozent erzielten. Nun die schlechte Nachricht: In anderen Anlageklassen bieten sich so gut wie keine Möglichkeiten. Nicht nur, dass im Bereich festverzinslicher Anlagen auf breiter Front niedrige Renditen zu verzeichnen sind, die Federal Reserve wird den allgemeinen Erwartungen zufolge im Jahr 2015 die Leitzinsen anheben. Rohstoffe sind ebenfalls nur ein schwacher Trost. Der dramatische Rückgang der Rohölpreise (59 Prozent bei Brent und 55 Prozent bei West Texas Intermediate) in den letzten sieben Monaten wurde hier und an anderer Stelle ausgiebig erörtert, doch auch andere Rohstoffe hatten eine schwache Entwicklung zu verzeichnen. Im Jahr 2014 gaben die Gesamtrenditen für die Industriemetalle Aluminium und Kupfer um 3 bzw. 17 Prozent nach. Auch den Edelmetallen erging es nicht besser: Gold büsste 2 Prozent ein, Silber 20 Prozent.

Anleger halten sich an Aktien

Angesichts des Mangels an geeigneten Optionen in anderen Anlageklassen rät die Division Private Banking & Wealth Management der Credit Suisse Anlegern, sich an Aktien zu halten und durch marktneutrale und Long-Short-Strategien zu diversifizieren. Beide Ansätze zielen darauf ab, das Exposure in Bezug auf starke Marktschwankungen zu minimieren, indem eine Aktie oder mehrere Aktien gegen eine bzw. mehrere andere ausgespielt werden. Dabei kaufen Anleger die Titel, von denen sie einen Kursanstieg erwarten, und tätigen Leerverkäufe der Titel, bei denen sie mit einem Kurrückgang rechnen – auf der Grundlage technischer Faktoren oder fundamentalerer Trends, die sich auf einzelne Unternehmen auswirken. Typischerweise gehören die jeweils ausgewählten Aktien zur selben Branche oder Region oder lauten auf dieselbe Währung.

Marktneutrale und Long-Short-Strategien im Vergleich

Der Unterschied zwischen marktneutralen und Long-Short-Strategien liegt in der Feinabstimmung, sagt Michael O'Sullivan, Chief Investment Officer der Credit Suisse für Grossbritannien, Osteuropa, den Nahen Osten und Afrika in der Division Private Banking & Wealth Management. Wie der Name besagt, zielen marktneutrale Strategien darauf ab, jegliches Exposure in Bezug auf Entwicklungen der breiteren Aktienmärkte zu eliminieren, wobei Short- und Long-Positionen sich die Waage halten. Long-Short-Strategien hingegen reagieren tendenziell stärker auf Marktentwicklungen, wobei die meisten von steigenden Märkten profitieren. «Die Märkte neigen dazu, im Lauf der Zeit anzuziehen. Anlagen für Short-Positionen zu finden ist schwieriger und auch kostspieliger als bei Long-Positionen», erläutert O'Sullivan.

Hedge-Fonds-Barometer im grünen Bereich

Einzelanleger können zwar ihre eigene Lösung austüfteln, doch der einfachste Weg, eine dieser Strategien zu verfolgen, ist die Anlage in einen entsprechend spezialisierten Hedge-Fonds. Zwar konnten Hedge-Fonds die Hausse der letzten Jahre nicht übertreffen – sie rentierten 2014 mit lediglich 4,13 Prozent –, doch das proprietäre Hedge-Fonds-Barometer der Credit Suisse meldet angesichts des Stands des Konjunkturzyklus, des systemischen Risikos, der Volatilität und der Liquidität günstige Bedingungen für die Zukunft.

Allmähliche Rückkehr der Volatilität

Was den Konjunkturzyklus angeht, zog die globale Industrieproduktion Ende 2014 an, auch wenn die USA derzeit der einzige Motor des globalen Wirtschaftswachstums sind. Die Ökonomen der Credit Suisse erwarten, dass sich diese Entwicklung 2015 noch beschleunigen wird. Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass Hedge-Fonds-Manager in dieselben Transaktionen drängen, was auf ein geringes Mass an systemischem Risiko hindeutet. Nach starken Ausschlägen im Oktober und Dezember hat sich die Volatilität wieder im Bereich historischer Tiefstwerte eingependelt. Wichtig ist O'Sullivan zufolge jedoch, dass es – obwohl keine der vehementen, für eine Marktkorrektur typischen Volatilitätsschwankungen zu erwarten sind – zu mehr Unebenheiten als in den vergangenen Jahren kommen wird. Dies ist positiv zu bewerten.

Märkte stehen vor einer Veränderung

«Was den Hedge-Fonds in den letzten zwei bis drei Jahren das Leben wirklich schwer gemacht hat, war die zentrale Rolle, die Notenbanken am Markt gespielt haben», sagt er. «Die quantitative Lockerung hat die Volatilität völlig eliminiert und die Art verändert, in der die Märkte sich entwickeln. Viele Hedge-Fonds benötigen aber Volatilität, um Renditen zu erzielen. Noch ist es zu früh für Prognosen, aber wir könnten am Beginn einer Veränderung stehen, wenn Zentralbanken – insbesondere die Federal Reserve – sich weiter zurückziehen.» Allerdings würden derartige Schritte der Fed wohl auch die vorhandene Liquidität teilweise aufsaugen, daher ist die vierte vom Hedge-Fonds-Barometer erfasste Messgrösse mit einem gelb blinkenden Warnlicht versehen. Insgesamt liegen die Anlagebedingungen jedoch eindeutig im positiven Bereich.

Sorgfältige Auswahl ist entscheidend

Auch Stock-Picker könnten mit Blick auf das Jahr 2015 gewisse Vorteile wiedererlangen. Aktienkurse steigen und fallen nicht mehr im Gleichschritt, wie dies während der Finanzkrise der Fall war, was Stock-Pickern mehr Chancen gibt, unter- oder überbewertete Unternehmen zu entdecken. «Angesichts einer geringen Zahl von reizvollen Optionen in anderen Anlageklassen ist eine sorgfältige Titelauswahl bei Aktien im neuen Jahr eine der besten Möglichkeiten, zu diversifizieren und den Markt zu übertreffen», meint Fan Cheuk Wan, Chief Investment Officer für die Region Asien-Pazifik in der Division Private Banking & Wealth Management der Credit Suisse.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in The Financialist.