Gewinner und Verlierer von Billig-Öl

Schwellenländer: Gewinner und Verlierer von Billig-Öl

Was sollten Anleger mit Blick auf Schwellenländer und den Verfall des Ölpreises tun? Sie können ölimportierende Länder und gut positionierte Sektoren in diesen Ländern bevorzugen.

Was bedeutet der schnelle Rückgang der Ölpreise für Schwellenländer? Wie überall sonst kommt es auch hier darauf an, wie stark ein Land von Öl abhängig ist. Es ist zu erwarten, dass Nettoimporteure einen Anstieg des Wirtschaftswachstums verzeichnen werden, da die niedrigeren Rohölpreise die Konsumausgaben ankurbeln, die Faktor- und Transportkosten für Industrieunternehmen senken und es Regierungen ermöglichen, steuerlich flexibler zu agieren, um Strukturreformen umzusetzen. Nettoexporteuren andererseits stehen harte Zeiten bevor.

Niedrige Ölpreise kurbeln Wirtschaftswachstum an

Insgesamt gesehen gibt es hinsichtlich des Verfalls des Ölpreises in Bezug auf die Schwellenländer mehr Gewinner als Verlierer. Ölimportierende Länder machen rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung der Schwellenländer aus – die Mehrzahl asiatische Länder. Indonesien beispielsweise wird einer Einschätzung der Credit Suisse zufolge die Kraftstoffsubventionen von ca. 2,4 Prozent des BIP im Jahr 2014 auf voraussichtlich 0,5 Prozent 2015 senken. Auch ausserhalb Asiens gibt es Lichtblicke. In Lateinamerika verzeichnet Chile den grössten Aufschwung. Sogar in Europa, im Nahen Osten und in Afrika gibt es einige Gewinner, wie die Türkei und Südafrika. «Die niedrigeren Ölpreise werden wahrscheinlich nicht nur das Wirtschaftswachstum ankurbeln, sondern sich auch positiv auf die Konsumentenstimmung in Ländern auswirken, die sensibel auf Kraftstoffpreisinflationen reagieren. Auch die Steuerbilanzen in Ländern mit Kraftstoffsubventionen werden davon profitieren», erläutert Dominik Garcia, Analyst für Schwellenländer in der Division Private Banking & Wealth Management der Credit Suisse.

Ölexporteure zahlen den Preis

Wo Gewinner, da Verlierer: Länder, die vom Ölexport abhängig sind, wie Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Russland und die Länder des Golf-Kooperationsrats, sehen sich mit ernsten Einnahmedefiziten konfrontiert. Ihre finanzielle Situation sieht düster aus. Die meisten Ölexporteure aus Schwellenländern benötigen einen Brent-Preis von über USD 100 pro Barrel, um die Staatsausgaben auszugleichen. Nur Katar und Kuwait erreichen dies auch, wenn sie ihr Öl zu einem Brent-Preis von USD 80 pro Barrel verkaufen. Daran ist derzeit bei einem Barrel-Preis von ca. USD 50 jedoch nicht zu denken.

Fokus auf gut positionierte Sektoren in ölimportierenden Ländern

Welchen Weg sollten Anleger nun einschlagen? Sie können ölimportierende Länder und gut positionierte Sektoren in diesen Ländern bevorzugen. Ölförderer sind derzeit ein No-Go, ebenso wie kraftstoffintensive Branchen wie der Werkstoffbereich. Mehr Wachstum ist in Branchen zu erwarten, die von niedrigeren Preisen profitieren, wie etwa der Transportbereich, Raffinerien und das verarbeitende Gewerbe. Auch Fluglinien werden sicherlich Vorteile daraus ziehen, dass die Kerosinpreise seit letztem Juni um über 30 Prozent auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren zurückgegangen sind. Die chinesischen Fluglinien stehen besonders gut da, da nur ein geringer Prozentsatz ihrer Kraftstoffeinkäufe abgesichert und somit bei höheren Preisen festgeschrieben ist. Nichtzyklische Konsumgüter dürften ebenfalls profitieren, da die Verbraucher einen geringeren Teil ihres Lohns für Energie aufwenden müssen und somit mehr Geld für Einkäufe im Einzelhandel ausgeben können.

Zyklischer Konsumgütersektor in Asien bleibt attraktiv

Weitere attraktive Sektoren umfassen die Industrie in China, Thailand, Brasilien und Malaysia, die IT-Branche und zyklische Konsumgütertitel in Indien sowie chinesische Versorgungsbetriebe. Asien steht auf der Favoritenliste der Credit Suisse ganz weit oben: «Insbesondere asiatische Volkswirtschaften werden wahrscheinlich profitieren, da in der Region viele Netto-Ölimporteure angesiedelt sind», so Garcia.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in The Financialist.