Aufstrebende Märkte bieten einzigartige Gelegenheiten
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Aufstrebende Märkte bieten einzigartige Gelegenheiten

Trotz langsameren Wachstums: Schwellenländer bleiben von zentraler Bedeutung für den Schweizer Finanzplatz.

Noch vor wenigen Jahren galten Schwellenländer als leuchtendes Beispiel für Volkswirtschaften mit nahezu uneingeschränktem Wachstumspotenzial. Im Zuge der Finanzkrise wurden die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) mit jährlichen Wachstumsraten im zweistelligen Bereich zu einem immer wichtigeren Motor für die Weltwirtschaft und entwickelten sich zu vielversprechenden Märkten für die globale Finanzindustrie. Nun scheinen die Schwellenländer jedoch am Scheideweg zu stehen: Viel wurde in letzter Zeit über die Risiken geschrieben, von begrenztem Wachstum, der Abwertung lokaler Währungen, Kapitalabflüssen und wachsender Verschuldung.

Trotz des in letzter Zeit abgeschwächten Tempos gehören diese Länder nach wie vor weltweit zu den wichtigsten Volkswirtschaften, und viele wachsen in absoluten Zahlen immer noch schneller als die meisten Industrieländer. Grössenmässig tragen die aufstrebenden Märkte bereits – je nach Abgrenzungslogik – bis zu 60 Prozent zur weltweiten Wertschöpfung bei. Insbesondere die demografischen Faktoren sprechen eine eindeutige Sprache: Stellen die Schwellenländer heute über 80 Prozent der Weltbevölkerung, wird ihr Anteil an der Weltbevölkerung bis im Jahr 2020 nach Berechnungen der Credit Suisse etwa doppelt so stark wachsen wie in den etablierten Industrienationen. Das bedeutet, dass in nur vier Jahren die Bevölkerungszahlen in den Schwellenländern um circa 250 Millionen Menschen steigen werden, was ungefähr der heutigen Grösse von Brasilien entspricht. Die Kaufkraft der aufstrebenden Ober- und Mittelschicht in diesen Ländern wird ein immer wichtigerer Faktor für den weltweiten Konsum. Die wachsende Wertschöpfung führt auch in Zukunft zu einem voraussichtlich kontinuierlich steigenden Investitions- und Finanzierungsbedarf. Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass bis 2020 das an Börsen notierte Kapitalmarktvolumen in den Schwellenländern mit einer Rate von jährlich 12 Prozent wachsen wird – im Vergleich zu 6 Prozent in den Industrienationen. Bis 2030 sollen die Schwellenländer ein zusätzliches Kapitalvolumen von mehr als USD 160 Bio. haben – eine einzigartige Gelegenheit für Finanzdienstleister.

Fundamentalfaktoren stützen langfristig stärkere Wachstumsaussichten

Fundamentalfaktoren stützen langfristig stärkere Wachstumsaussichten

Positive Prognosen für das jährliche Wachstum bis 2020 (CAGR) 

Einzigartige Gelegenheit für den Schweizer Finanzplatz

Eine nähere Betrachtung der Privatkunden mit je über USD 1 Mio. an Vermögen bestätigt diesen Ausblick. In den Industrieländern beträgt das weltweit von der Private Banking Industrie adressierbare Vermögen derzeit ca. CHF 20 Bio., wobei die sogenannten vermögenden Kunden (HNW-Kunden) rund 75 Prozent ausmachen und der Anteil der sehr vermögenden Kunden (UHNW-Kunden) 25 Prozent beträgt. In den Schwellenländern ist das insgesamt adressierbare Vermögen mit CHF 13 Bio. heute zwar deutlich niedriger. Allerdings stammen in diesen Ländern bis zu 40 Prozent der Vermögen aus dem obersten Kundensegment. Absolut gesehen ist somit das Vermögen der UHNW-Kunden aus den Schwellenländern mit ca. CHF 5 Bio. grösser als jenes aus den Industrienationen mit ca. CHF 4 Bio. Die skizzierten langfristigen Wachstumsprognosen werden dieses Bild in Zukunft wohl noch verfestigen. Die prognostizierte Wachstumsdynamik der Vermögen aus Schwellenländern ist mit jährlichen Raten von ca. 11 Prozent deutlich höher als in den Industrienationen, wo von einem Wachstum von ca. 4 Prozent pro Jahr ausgegangen wird. Den Grund für diese Unterschiede sehen Experten darin, dass in den etablierten Märkten das Vermögenswachstum viel mehr von den Renditen auf bestehende Vermögen und Finanzanlagen abhängt, während in den Schwellenländern neues Geld, das von Unternehmern erwirtschaftet wird, einen wichtigeren Wachstumsfaktor darstellt.

Wie kann der Schweizer Finanzplatz von dieser Situation profitieren? Schweizer Banken blicken auf eine grosse internationale Tradition zurück und verfügen über einen starken Track Record. Dieser gründet auf Werten wie Stabilität – sowohl politisch, rechtlich, regulatorisch als auch geldpolitisch – Verantwortung, vielseitigen Produkten und Dienstleistungen sowie herausragender Qualität, Expertise und Innovation. Darüber hinaus profitiert das Schweizer Bankenwesen von der ausserordentlich starken Schweizer Marke. «Die Attraktivität der Schweizer Banken spielt beim Aufbau und der Entwicklung einer Kundenbeziehung oftmals eine entscheidende Rolle», erklärte Iqbal Khan, CEO International Wealth Management bei der Credit Suisse, in einer Rede auf dem ‹Finanz und Wirtschaft Forum› Ende Januar 2017 in Zürich. In Schwellenländern ist der typische HNW- oder UHNW-Kunde Unternehmer. Dieser gilt oft als entscheidungsorientiert, interessiert an innovativen Ideen und bereit, Risiken einzugehen. «Die Stärke der traditionellen Schweizer Finanzdienstleister liegt nicht nur darin, die Anliegen und Bedürfnisse dieser Unternehmer zu verstehen», so Khan, «sie verfügen meist auch über eine starke lokale Präsenz, langjährige Erfahrung und über die Spezialisten, um Kunden sowohl bei Anlagen als auch bei Verbindlichkeiten betreuen zu können.» Bei der Credit Suisse umfassen Kundenbeziehungen bei Gründern in der Regel nicht nur die Verwaltung des Privatvermögens, sondern auch Unterstützung in unternehmensbezogenen Fragen, da diese eng miteinander verknüpft sind.

Kunden aus Schwellenländern mit vielfältigen Bedürfnissen

Kunden aus Schwellenländern mit vielfältigen Bedürfnissen 

Kundenbeziehung im Zeitverlauf 

Den Kunden und ihren Erwartungen gerecht werden

Da bei den Bedürfnissen von Unternehmern die private und die unternehmerische Sicht eine Rolle spielen, bieten sich laut Khan bei diesen Kunden enorme Möglichkeiten, wenn man als Bank die entsprechenden Kompetenzen mitbringt: «Ein Grossteil der Unternehmer in den Schwellenländern hat ähnliche Bedürfnisse und Erwartungen wie institutionelle Kunden», so Khan. «Finanzdienstleister, die über einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt und Kompetenzen in den Bereichen Finanzierungen, Produktentwicklung oder Asset Management verfügen und globales Know-how und lokale Präsenz kombinieren, haben einen Wettbewerbsvorteil.» Die Credit Suisse ist eine der wenigen Banken, die in diesen Regionen eine klare Value Proposition bietet.

Die Kernfrage für den Erfolg in Schwellenländern lautet nicht: Welche Region oder welches Land? Vielmehr geht es darum, dass Finanzdienstleister den Erwartungen und komplexen und zunehmend anspruchsvollen Bedürfnissen gerecht werden – etwa der erhöhten Nachfrage nach Investmentprodukten. Ein Beispiel: 2016 hatte die Credit Suisse einen Anlagefonds mit fester Laufzeit lanciert, der mit nahezu USD 4 Mia. Volumen von über 2000 Kunden nachgefragt wurde. 85 Prozent des Volumens wurde bei Kunden aus aufstrebenden Märkten platziert. Iqbal Khan ist überzeugt, dass Schweizer Finanzdienstleister, die ihre Strategie klar auf Schwellenländer ausrichten und die Bedürfnisse von Unternehmern ganzheitlich verstehen und erfüllen, weiterhin am dynamischen Wachstum dieser Regionen teilhaben können.