Emerging Consumers: verrückt nach Autos

Die Schwellenländer bleiben ein wichtiger Zielmarkt für die Automobilindustrie, da in einigen Ländern die Anzahl an Fahrzeugeigentümern niedrig ist. Auch wenn die konjunkturelle Dynamik etwas nachgelassen hat, steigt die Anzahl an Fahrzeugeigentümern weiter an, vor allen in China und der Türkei. Dies sind einige der wichtigsten Ergebnisse des neuesten Emerging Consumer Survey der Credit Suisse. 

Im Jahr 2009 überholte China die USA als grösster Automobilmarkt der Welt. Und die Konsumlust der Chinesen hat seitdem keineswegs nachgelassen. Laut des neuesten Emerging Consumer Survey des Credit Suisse Research Institute zeigen chinesische Verbraucher immer noch die stärkste Kaufabsicht im Vergleich mit allen anderen Schwellenländern, was den Anstieg des BIP pro Kopf widerspiegelt.

Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Seit 2010, als die Credit Suisse ihren ersten Emerging Consumer Survey veröffentlichte, ist die Anzahl der Fahrzeugeigentümer in China jährlich um 13 Prozent gestiegen. Auch in der Türkei ist eine Aufwärtsbewegung zu verzeichnen; hier lag die Wachstumsrate in den letzten fünf Jahren bei 6 Prozent. Gleichzeitig ist die Anzahl der Fahrzeugeigentümer in anderen Regionen weitgehend stabil geblieben. Im Fall von Saudi-Arabien, wo der Anteil an Fahrzeugeigentümern bei fast 100 Prozent liegt, ist das keine grosse Überraschung. 

Indien und Indonesien: lieber zwei Räder als vier

Ganz anders sieht die Lage in Indien und Indonesien aus; dort ist die Anzahl der Automobileigentümer relativ niedrig. In Indien besitzen nur 19 Prozent der Haushalte ein Auto, das ist nur halb so viel wie in China. In Indonesien liegt der Anteil an Fahrzeugeigentümern noch niedriger, bei 7 Prozent. Das bedeutet, dass diese beiden Märkte grosses Potenzial haben, allerdings bestehen momentan noch zwei Hürden. Erstens: Indien und Indonesien liegen immer noch am unteren Ende der BIP-pro-Kopf-Kurve. Diese Länder befinden sich nicht an dem Punkt, ab dem normalerweise in grösserem Masse Geld für Nicht-Basis-Konsumgüter ausgegeben wird. Zweitens: In diesen Ländern fehlt es in gewissem Masse immer noch an «harter» Infrastruktur (Strassen usw.), einer Voraussetzung dafür, dass sich Autos über die bereits verkehrsreichen grossen Städte hinaus verbreiten könnten. Indiens laufendes Strassenprogramm wird diesen Mangel in den ländlichen Gegenden jedoch stetig beheben. Momentan bleibt es allerdings dabei, dass die Menschen in diesen immensen strukturellen Wachstumsmärkten lieber auf zwei Rädern fahren als auf vier.

Junge Chinesen werden zukünftiges Wachstum vorantreiben

China ist nicht nur der grösste Automobilmarkt der Welt; das Land zeigt auch ein einzigartiges Kundenprofil. In China ist es die jüngere Generation, die das höchste Einkommen und Einkommenswachstum aufweist. Folglich ist das stärkste Marktsegment hinsichtlich des Anstiegs bei den Fahrzeugeigentümern die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen. 43 Prozent der befragten Haushalte haben mittlerweile ein Auto; 2010 waren es noch 22 Prozent. Die meisten dieser jungen Verbraucher sind Erstkäufer; somit ist ein starkes zukünftiges Wachstum im chinesischen Automobilmarkt garantiert. Für die Automobilhersteller wird das Verständnis der Markenpräferenzen dieser Verbraucher entscheidend sein.

Die Umfrage zeigt in den Schwellenländern eine gewisse «Markentreue». Die Marken mit den grössten Marktanteilen sind auch weiterhin die beliebtesten Marken, z B. VW in China, Fiat in Brasilien und Maruti in Indien). Bei unserer Umfrage haben wir in dieser Hinsicht so gut wie keine Anzeichen für einen Durchbruch neuer Marken gesehen. Marken wie VW konnten ihre Position unter den begehrtesten Marken sogar noch weiter ausbauen. Eine Ausnahme zu dieser Regel ist Russland; dort lag die am meisten verkaufte Marke Lada nur auf dem dritten Platz hinsichtlich der Antworten auf die Frage zu wahrscheinlichen Käufen der Marke in der Zukunft. 

Lokale Marken sind immer noch stärker als Premium-Marken

Trotz des rasch ansteigenden Einkommens in Schwellenländern liegen Premium-Automarken noch relativ weit hinten bei den Marken, die am wahrscheinlichsten gekauft werden. In keinem Schwellenland war eine Premium-Marke unter den Top Fünf vertreten. In China belegte BMW einen Platz hinter Hyundai und Mercedes-Benz lag gerade mal auf dem 24. Platz der Liste. Audi, die begehrteste Premium-Marke in Brasilien, Indien und Russland, belegt in Brasilien nur den 13., in Indien den 8. und in Russland den 7. Platz. Dieses Ergebnis ist jedoch angesichts des relativ niedrigen Einkommensniveaus in den meisten Schwellenländern nicht wirklich überraschend. Darüber hinaus wird sich die Entwicklung der Automobilindustrie in den Ländern mit niedrigem Einkommensniveau unter den lokalen Marken abspielen. Der nur wenig erschlossene Markt in Indien unterstreicht diese Tatsache; hier dominiert eine lokale Marke, Maruti. Da das Einkommensniveau jedoch steigt, werden Premium-Marken, in diesem Fall dann internationale Marken, ihren Platz finden. Tatsächlich sind in Ländern wie Indien lokale Marken wie Maruti oder TATA am angesehensten bei den Verbrauchern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen. Honda und Hyundai setzen sich aber langsam ab und die Verkäufe von TATA gehen drastisch zurück.