Bildungsphilanthropie – ein neuer Anlagetrend
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Bildungsphilanthropie – ein neuer Anlagetrend

Immer mehr Philanthropen erkennen die enorme Bedeutung von Bildung, nicht nur für ihren eigenen Erfolg, sondern auch für zukünftige Generationen. Bildung ist daher ein Hauptziel ihrer philanthropischen Anstrengungen.

Bildung ist für die Entwicklung und das Wirtschaftswachstum wesentlich. Sie hat auch langfristige soziale Auswirkungen. Die rasante Entwicklung in Asien verbunden mit dem Ansehen, das Bildung in den asiatischen Kulturen geniesst, hat dafür gesorgt, dass die wirtschaftlichen Wachstumsraten der Region den globalen Durchschnitt in den letzten fünf Jahrzehnten übertroffen haben. Es überrascht daher nicht, dass Bildung der wohltätige Zweck ist, der wertmässig die meisten Spenden von den Philanthropen der Region erhält. Viele reiche Asiaten suchen nach Wegen, ihren oftmals selbst erarbeiteten Reichtum an die Gesellschaft zurückzugeben und langfristigen positiven Wandel zu bewirken. Sie betrachten Spenden für Bildungszwecke als Mittel, anderen dabei zu helfen, der Armut zu entkommen. «Eine jüngere Generation von «Millennial»-Philanthropen sieht die transformative Wirkung von Bildung nicht nur für ihren eigenen Erfolg, sondern auch für die Entwicklung kommender Generationen», sagt Francesco de Ferrari, Leiter Private Banking Asia Pacific und CEO Southeast Asia der Credit Suisse, bei der Eröffnung des jährlichen Philanthropy Forum der Bank in Singapur.

Fokus auf Messung der Auswirkungen von Bildungsphilanthropie

Das philanthropische Umfeld verändert sich derzeit grundlegend, weg von der Unterstützung akademischer Institutionen wie Universitäten oder der Vergabe von Stipendien hin zu Bildungsprojekten für marginalisierte und benachteiligte Gemeinschaften. «Der Philanthropie-Sektor passt sich diesem verändernden Umfeld an, und ich hoffe, dass wir nicht unser Ziel aus den Augen verlieren, nämlich jeder Person die gleiche Chance für ein erfolgreiches Leben zu geben», so der Bildungsminister Singapurs, Ng Chee Meng, vor dem Publikum des Forums.

Philanthropen konzentrieren sich immer mehr auf Bereiche, die über physische Infrastruktur wie Schulbüchereien oder Labore hinausgehen. Sie unterstützen die Ausbildung von Lehrern, helfen, die beruflichen Fähigkeiten von benachteiligten Schülern zu stärken oder Lehrpläne zu entwickeln. Technikaffine junge Spender drängen auch auf die Verwendung von Key Performance Indicators (KPIs) zur Steigerung der Effektivität und zur Erzielung messbarer Renditen für die von ihnen gesponserten Projekte. So verwendet z. B. The ChickenSoup Foundation, die Risikokinder in Hongkong unterstützt, verschiedene KPIs zur Messung der Abwesenheitsquote der betreuten Schüler.

Enge Zusammenarbeit mit dem Staat und Nichtregierungsorganisationen

Da Bildung traditionell in den Händen des Staates liegt, arbeiten Philanthropen im Bildungsbereich in der Regel mit Regierungen zusammen. Die Spender konzentrieren sich häufig auf nicht abgedeckte Bildungsbedürfnisse wie frühkindliche Bildung oder Infrastruktur. In China beispielsweise bekämpft die Chen Yet-Sen Family Foundation durch den Bau von Bibliotheken den Analphabetismus. James Chen, Co-Vorsitzender dieser Stiftung und Vorsitzender der Wahum Group Holdings, berichtete vor dem Credit Suisse Philanthropy Forum: «Für meine Familie war der Schlüsselfaktor für diese Stiftung, dass wir Experten in dem von uns gesponserten Bereich werden ... frühkindliche Lesekompetenz und Lesekultur in Schulen. Die Kinder hatten einen regelrechten Lesehunger. Da realisierten wir, dass es sich möglicherweise um ein nationales Problem handelt, das wir angehen können.» Philanthropen im Bereich Bildung arbeiten in der Regel auch eng mit Nichtregierungsorganisationen, lokalen Gemeinschaften und anderen Stiftungen zusammen, um ihr Know-how, ihre Erfahrungen und Ressourcen optimal zu nutzen.

Impact Investing ist ausbaufähig

Hauptziel von Impact Investments sind positive soziale oder ökologische Effekte bei gleichzeitiger Erzielung finanzieller Renditen. Im Bildungsbereich kann Impact Investing benachteiligten und talentierten Schülern aus einkommensschwachen Ländern dabei helfen, Kredite für die weitere Ausbildung zu erhalten. Die Credit Suisse lancierte 2014 zusammen mit Prodigy Finance die erste Anleihe mit Fokus auf Hochschulbildung – die Higher Education Note. Dieses Finanzprodukt bietet talentierten Studenten weltweit Zugang zu Hochschulbildung und generiert finanzielle und soziale Renditen für Anleger.

Seitdem wurden zwei weitere Anleihen erfolgreich lanciert. Diese drei Anleihen haben seither über 2500 Studenten aus einkommensschwachen Familien in über 70 Ländern den Besuch von Elite-Universitäten ermöglicht. «Da Impact Investing derzeit weniger als 1 Prozent der gesamten globalen Bildungsfinanzierung ausmacht, gibt es unserer Ansicht nach eine beträchtliche Ausbaufähigkeit», so de Ferrari.