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Konjunkturausblick: Aufschwung gewinnt an Breite – Inflation bleibt moderat

Das Wachstum in den Industrieländern ist ungebrochen. Aufgrund der gedämpften Inflation wird die Geldpolitik wohl nur zögerlich gestrafft werden.

Die anhaltende Stärke der Weltwirtschaft zerstreut immer wieder aufkommende Befürchtungen einer leichten Abschwächung. Gemäss Konjunkturumfragen hat das Wachstum in der Eurozone und in den USA im August sogar leicht zugelegt. Wohl noch wichtiger ist in dieser Phase des Zyklus, dass sich das Wachstum auch in den grossen Schwellenmärkten wie China und Indien beschleunigt und die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe in den Schwellenmärkten den höchsten Wert seit Anfang 2013 erreicht hat. Nicht nur die Wachstumsdynamik scheint sich in den Schwellen- und Industrieländern anzugleichen, sondern auch die Inflation. Während die Inflation in den Industrieländern noch gedämpft ist, fällt sie in den Schwellenmärkten, vielerorts sogar auf einen historischen Tiefstand. Dies macht den Weg frei für eine weitere geldpolitische Lockerung in einigen Schwellenmärkten, während der Straffungsprozess in den Industrieländern weiterhin langsam verläuft.

Solides US-Wachstum

Die US-Wirtschaft setzt ihren Wachstumskurs fort, unterstützt durch Privatkonsum und Investitionen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich weiter, obschon die Dynamik jüngst nachgelassen zu haben scheint. Kurzfristig dürften Verwüstung und Zerstörung der diesjährigen Hurrikansaison für Schwankungen in den Konjunkturdaten sorgen. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass diese Auswirkungen nur temporär sind und auf einen Rückschlag normalerweise eine Erholung folgt. Die US-Notenbank (Fed) dürfte bei der Sitzung am 20. September den Beginn ihrer Bilanzverkürzung ankündigen. Dies ist umso wahrscheinlicher, nachdem die Themen Schuldenobergrenze und Staatsausgaben auf Mitte Dezember verschoben wurden.

Schnellstens auf die politische Agenda kommen dürfte daher das Traktandum einer umfassenden Steuerreform. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Fed die Zinsen im Dezember erneut anheben wird, sind uns aber bewusst, dass die weiterhin gedämpfte Inflation und die möglicherweise strittigen Debatten um Schuldenobergrenze und Budget, die mit der Fed-Sitzung zusammenfallen, Risiken in Bezug auf diesen Ausblick darstellen.

EZB auf Kurs für langsamen Ausstieg aus quantitativen Lockerung

Die Eurozone zeigt ein starkes Wachstum, das sich Konjunkturumfragen zufolge sogar leicht beschleunigt. Gleichzeitig hat die Inflation stärker als erwartet angezogen, und die Arbeitslosenquote sinkt jährlich um etwa einen Prozentpunkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) nahm bei der Sitzung im September keine Änderungen vor, deutete aber an, dass sie mit der Prüfung von Möglichkeiten zur Reduktion der Wertpapierkäufe 2018 begonnen hat. Eine umfassende Entscheidung dürfte an der Oktober-Sitzung getroffen werden. Wir erwarten, dass das Tempo der monatlichen Käufe ab Januar 2018 von 60 Milliarden Euro auf 45 Milliarden gedrosselt und quartalsweise weiter reduziert werden wird. Folglich würde das Programm im dritten Quartal 2018 beendet sein.

Dynamik in Schwellenmärkten zieht mit Industrieländern gleich

Das Wachstum scheint auch in den wichtigsten Schwellenmärkten relativ robust zu sein. Chinas Daten überraschten bereits im ersten Halbjahr, doch der August signalisierte, dass sich die Dynamik sogar leicht verstärkt haben könnte. In Indien dürfte das Wachstum, das im Juli vorübergehend unter der Einführung einer neuen Mehrwertsteuer litt, künftig stark von diesem neuen Steuersystem profitieren. In Russland und Brasilien setzt sich die Erholung fort, wenn auch in relativ moderatem Tempo. Der jüngste Inflationsrückgang sollte den Weg für eine weitere geldpolitische Lockerung in beiden Ländern freimachen.