EZB-Sitzung: Reduktion der Käufe zu erwarten
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EZB-Sitzung: Reduktion der Käufe zu erwarten

An der kommenden Sitzung der EZB steht zur Diskussion, welches Volumen das Wertschriftenkaufprogramm haben und wie lange es dauern soll.

Am 26. Oktober 2017 wird die Europäische Zentralbank (EZB) entscheiden, wie sie das Wertschriftenkaufprogramm künftig ausgestaltet. Das Protokoll der letzten Sitzung der EZB im September zeigte, dass bereits verschiedene Szenarien besprochen wurden, wie die Käufe im nächsten Jahr zurückgefahren werden könnten. Es wurden die Vor- und Nachteile einer deutlichen Reduktion der monatlichen Käufe mit gleichzeitig längerer Restdauer des Kaufprogramms gegenüber einem schnelleren Tempo aber kürzeren Laufzeit diskutiert.

Anhand von Zahlen, die in den Medien herumgereicht wurden, sollen die beiden folgenden Szenarien erörtert worden sein: Für 20 Milliarden Euro monatlich Wertschriften kaufen während neun Monaten oder für 40 Milliarden Euro monatlich während eines halben Jahres. Medienberichten zufolge geht der Konsens im EZB-Rat offenbar Richtung der Neunmonatsfrist bei einer deutlichen Reduktion der monatlichen Käufe.

Vieles spricht für eine längere Dauer des Kaufprogramms

Wie Peter Praet, Chefökonom der EZB, unlängst argumentiert hat, handelt es sich letztlich um die Menge der von der EZB gekauften langfristigen Anleihen, die relevant ist, damit die Märkte die Laufzeitprämie anpassen können. Die Laufzeitprämie ist die von Anlegern geforderte Risikoprämie für Anleihen mit längerer Laufzeit. Wäre dies das einzige Kriterium, das es zu berücksichtigen gälte, müsste die EZB die Variante mit dem grössten Kaufvolumen wählen.

Doch ein weiterer Faktor, der sich auf die Anleiherenditen auswirkt, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Markterwartung, wie sich die kurzfristigen Zinsen in den kommenden Jahren entwickeln werden. EZB-Vertreter haben wiederholt betont, dass sie an der Reihenfolge der Normalisierungsschritte – erst Wertschriftenkäufe beenden, dann über Zinserhöhungen nachdenken – festhalten dürften. Deshalb würde eine Verlängerung des Kaufprogramms den erwarteten Zeitpunkt der ersten EZB-Zinserhöhung weiter hinausschieben – und gleichzeitig den Aufwertungsdruck des Euro gegenüber dem Dollar aufrechterhalten.

Erster wichtiger Schritt vorwärts

Die EZB scheint die Wirkung der zusätzlich gewonnenen Zeit gleich zu setzen mit jener, die das höhere Kaufvolumen hätte, würde das sechsmonatige Programm umgesetzt werden. Ein zusätzlicher Vorteil eines längeren Zeitraums wäre, dass die EZB mehr Flexibilität und Glaubwürdigkeit in Bezug auf ihr Kaufprogramm erhalten würde; sollten sich die Konjunkturdaten unerwartet verschlechtern, könnte die EZB im schlimmsten Fall sogar reagieren, indem sie die Käufe vorübergehend wieder erhöhen oder verlängern würde.

Ungeachtet der Kombination von Dauer und Geschwindigkeit der Wertschriftenkäufe, für die sich die EZB entscheiden sollte, wird dies ein erster wichtiger Schritt Richtung Normalisierung der Geldpolitik sein – auch wenn die EZB alles tun wird, um den Eindruck zu vermeiden, dass ein automatischer Prozess in Bewegung gesetzt wird. Sollte sich die Erholung der Eurozone weiterhin fortsetzen, dürfte die Inflation in den kommenden Quartalen tendenziell steigen, was eine langsame, aber stetige Abkehr der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone rechtfertigen würde – ein Prozess, der weit über die Amtszeit von Mario Draghi als EZB-Präsident hinausgehen wird.