Verfügbares Einkommen – Wohnen, Pendeln, Krippe: Wo lebt sich's am günstigsten?
Neuste Artikel

Verfügbares Einkommen – Wohnen, Pendeln, Krippe: Wo lebt sich's am günstigsten?

Mit einem Wohnortswechsel können Haushalte beträchtliche Einsparungen erzielen. Die neuste Credit Suisse Studie zeigt, in welchen Schweizer Gemeinden nach Abzug von obligatorischen Abgaben und Fixkosten am meisten Geld übrigbleibt. 

Die Kriterien für die Wahl des «richtigen» Wohnortes sind vielfältig: Neben Wohnlage und Infrastrukturangebot, Verfügbarkeit passender Wohnobjekte, emotionalen Kriterien und persönlicher Vernetzung an einem Ort spielen auch finanzielle Faktoren eine wichtige Rolle. Haushalte sollten für die Beurteilung der finanziellen Wohnattraktivität sowohl die Steuerbelastung als auch andere Abgaben wie etwa Krankenversicherungsprämien oder die Höhe der Eigenmietwertbesteuerung für Wohneigentümer berücksichtigen. Darüber hinaus sind standortgebundene Fixkosten wie Mieten, Immobilienpreise, Pendelkosten und Kinderbetreuung für das Haushaltsbudget mitentscheidend.

Was unter dem Strich bleibt: Das frei verfügbare Einkommen

Ein umfassendes Kriterium zur Beurteilung der finanziellen Wohnattraktivität einer Gemeinde ist das frei verfügbare Einkommen. Die Kennzahl schliesst sämtliche wohnortsgebundenen Kosten ein. Seit 2006 berechnet die Credit Suisse das frei verfügbare Einkommen in den rund 2300 Schweizer Gemeinden und Quartieren der Grossstädte für eine Vielzahl von modellhaften Haushaltstypen. Die aktuellste Ausgabe berücksichtigt auf Gemeindeebene neu auch die Ausgaben für die Kinderbetreuung.

Kantone: Uri verteidigt seinen Spitzenrang

Der Kanton Uri erreicht – wie in der letzten Berechnung im Jahr 2011 – die höchste finanzielle Wohnattraktivität, gefolgt von Glarus. Neben geringen Wohnkosten bieten die beiden Kantone eine moderate Steuerbelastung und vergleichsweise geringe Krankenkassenprämien. Dem gegenüber positionieren sich die Zentrumskantone Genf und Basel-Stadt unverändert am Ende der Rangliste und deutlich unter dem Landesmittel. Hier verbleibt bei gleichem Einkommen am Ende des Monats weniger Geld für den freien Konsum als in suburbanen oder ländlichen Gegenden. Eine hohe finanzielle Wohnattraktivität kann aus geringen Fixkosten oder geringen obligatorischen Abgaben resultieren. Ein Beispiel: Die Kantone Zug und Jura weisen eine ähnliche finanzielle Wohnattraktivität leicht über dem Landesmittel auf. Im Kanton Zug verhindern die hohen Wohnkosten eine attraktivere Positionierung, im Jura sind es dagegen überdurchschnittliche obligatorische Abgaben. 

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Kantonen 2016

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Kantonen 2016 

Synthetischer Indikator, CH = 0, ohne Berücksichtigung von Pendel- und Kinderbetreuungskosten

Quelle: Credit Suisse

Externe Kinderbetreuung: Günstiger in der Westschweiz

Familien, die ihre Kinder in Krippen betreuen lassen, können – je nach finanziellen Verhältnissen und Betreuungsform – von staatlicher Unterstützung profitieren. Im Haushaltsbudget schlägt sich die Kinderbetreuung je nach Wohnort sehr unterschiedlich nieder. Eine Modellfamilie mit zwei Kindern, die je zwei Tage pro Woche fremdbetreut werden, und mit einem Erwerbseinkommen von CHF 80'000 trägt Kosten von unter 3000 Franken im Kanton Bern bis über 26'000 Franken in anderen Landesteilen. Ebenfalls stark variieren die maximalen steuerlichen Abzüge für die Betreuungskosten. Diese reichen von 3000 Franken im Kanton Wallis bis zu 19'000 Franken im Kanton Neuenburg – Uri kennt keine Obergrenze. Insgesamt leben Familien mit fremdbetreuten Kindern in den Kantonen Wallis, Jura und Freiburg am günstigsten. Die Westschweizer Kantone weisen tendenziell höhere Familienzulagen, Krippensubventionen und Betreuungsabzüge auf und sind für Familien mit Fremdbetreuung insgesamt attraktiver als die Deutschschweiz. 

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Gemeinden 2016

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Gemeinden 2016 

Synthetischer Indikator, CH = 0; unter Berücksichtigung der Krippenkosten und Pendelkosten ins nächstgelegene Zentrum

Quelle: Credit Suisse, Geostat 

Pendelkosten: Geringere Abzüge für Autofahrer seit Anfang Jahr

70 Prozent aller Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Rund die Hälfte der Pendler nutzt für den täglichen Arbeitsweg das Auto, ein Drittel den öffentlichen Verkehr. Trotz höherer Mobilitätskosten lohnt sich ein Umzug in suburbane Gemeinden in den meisten Fällen – rein finanziell betrachtet. Aufgrund geringerer Wohnkosten lebt sich's dort meist günstiger als im Zentrum. Neben den direkten Kosten kommen zum Pendeln jedoch Zeitkosten, die Unsicherheit von Staus oder Verspätungen sowie weitere nicht monetäre Faktoren hinzu. Um umwelt- und raumpolitische Ziele zu erreichen, hat der Bund per Anfang Jahr die maximalen Pendelabzüge auf 3000 Franken halbiert. Dezentrales Wohnen wird damit weniger attraktiv, die Nachfrage nach zentralem Wohnraum entsprechend höher. Verschiedene Kantone wie Zürich und Basel-Stadt sind dem Bund gefolgt und haben ihre Pendlerabzüge reduziert. Wohnregionen, die stark auf Pendler angewiesen sind, lassen jedoch weiterhin unbeschränkte Abzüge bei der kantonalen Steuerberechnung zu. So etwa Uri, Glarus, Graubünden, Wallis und Freiburg.

Factsheets für alle Schweizer Gemeinden und für die wichtigsten Stadtquartiere

Das frei verfügbare Einkommen hängt von den spezifischen Eigenschaften eines Haushalts ab. Die Darstellung sämtlicher Ergebnisse für alle Schweizer Gemeinden würde den Rahmen dieser Studie sprengen. Deshalb hat die Credit Suisse für alle Gemeinden Factsheets erstellt. Zudem gibt es Factsheets für die Stadtquartiere von Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich. Jedes Factsheet vergleicht die finanzielle Wohnattraktivität der Gemeinde mit derjenigen der wichtigsten umliegenden Gemeinden und enthält Informationen zu den Kosten für Berufspendler sowie für externe Kinderbetreuung.