Digital Health: Technologien mit Breitbandwirkung
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Digital Health: Technologien mit Breitbandwirkung

Der enorme Anstieg der Gesundheitskosten verlangt dringend nach Gegensteuer durch Innovation. Die Digitalisierung dürfte ein vielversprechender Ansatz sein. Für langfristig orientierte Anleger bietet sie interessante Perspektiven.

Der zunehmende Wohlstand sowie der rasche Fortschritt der Gesundheitsindustrie in den letzten 30 Jahren haben die Alterung der Gesellschaft deutlich erhöht. Dies hat zu einer Kostenspirale im Gesundheitswesen geführt: In den USA sind die Kosten seit 1960 um über 800 Prozent gestiegen. Dem steht ein Lohnwachstum von lediglich 16 Prozent gegenüber. Dieser Trend führt zu untragbaren Verhältnissen, und neue Lösungsansätze sind dringend erforderlich.

Digital Health: Technologien mit Breitbandwirkung

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Quelle: McKinsey «Accounting for the Cost of U.S. Health Care» (2011), Center of American Progress (Inflations- und bevölkerungswachstumsbereinigte Daten), U.S. Census Bureau, Zusammenstellung durch die U.S. Administration on Aging, 2008, The Alliance for Regenerative Medicine (ARM), Credit Suisse

Helfende Roboterhände?

Eine der überzeugendsten Lösungen verspricht die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Digitalisierung könnte hinsichtlich der steigenden Kosten zu einer Trendwende führen. Einige Industriezweige haben im Verlauf der letzten 20 Jahre bereits von diesem Effekt profitiert. Branchen, in denen die Digitalisierung (inklusive Automatisierung) erfolgreich umgesetzt wurde, konnten ihre Herstellungskosten zum Teil massiv reduzieren und ihr Angebot an Produkten und Dienstleistungen verbessern und erweitern.

Digitalisierung im Rückstand

Das Gesundheitswesen hinkt in Sachen Digitalisierung mindestens um ein Jahrzehnt hinter anderen Industriezweigen her. Die Zeitschrift The Economist bezeichnet in einem Artikel rund einen Fünftel der heutigen Gesundheitsausgaben als unnötig. Falsche oder unangebrachte Behandlungen gehören zu den typischen vermeidbaren Kostentreibern. Sie wurden kürzlich von santésuisse, der Branchenorganisation der Schweizer Krankenversicherer, als eine der Ursachen für die stetig steigenden Gesundheitskosten hervorgehoben.

Bislang schränkten rechtliche und regulatorische Unsicherheiten im Zusammenhang mit digitalen Lösungen den Technologieeinsatz in der Medizin ein. Die Behörden treiben dies jedoch voran, und mit den schwindenden Unsicherheiten öffnen sich die Tore für einen Strom an neuen digitalen Lösungen. In den nächsten Jahren dürften die rechtlichen Grundlagen für den Umgang mit sensitiven Patientendaten allerdings klarer und stringenter werden.

Weitreichende Auswirkungen

Die Digitalisierung wird weitreichende Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben. Sie lassen sich in drei Bereiche unterteilen:

  • Der Bereich Forschung und Entwicklung umfasst unter anderem biowissenschaftliche Geräte und Dienstleistungen, durch Molekularbiologie und künstliche Intelligenz (KI) unterstützte Diagnostik sowie hochpräzise Gensequenzierung. Ein Beispiel für diese Gensequenzierung ist das 1990 eingeleitete Humangenomprojekt (Human Genome Project), das die menschliche DNS vollständig entschlüsseln soll. Dank verbesserter Rechenkapazitäten sind die Kosten der Sequenzierung eines menschlichen Genoms in den letzten Jahren von rund USD 100 Mio. auf derzeit rund USD 1'000 gefallen, wie das National Human Genome Research Institute angibt. In Zukunft wird man somit Krankheiten besser verstehen und neue Behandlungen entwickeln können.
  • Auf dem Gebiet der medizinischen Behandlungen dürfte die Digitalisierung wohl die weitreichendsten Auswirkungen haben: Biotechnologie, Medizinaltechnologie, Operationsroboter, personalisierte Medikamente und ultramoderne Implantate sind nur einige Beispiele. Wenn gentechnische Veränderungen möglich sind, können Krebstherapien individuell auf die Patienten abgestimmt werden. Derzeit geht man davon aus, dass der Behandlungserfolg bei bestimmten Krebsarten von etwa 7 Prozent auf rund 70 Prozent gesteigert werden kann. Die Nachbehandlungskosten lassen sich somit massiv senken. Ein weiteres, bekanntes Beispiel ist die robotergestützte Chirurgie: Kleinere Schnitte mit minimalen Blutungen und Narbenbildungen und folglich schnellerer Wundheilung, tieferen Komplikationsraten und insbesondere kürzeren Krankenhausaufenthalten tragen zur Senkung der Gesundheitskosten bei.
  • Technologische Innovationen tragen ebenfalls zur Effizienzsteigerung bei. Technologien können administrative und betriebliche Abläufe in Spitälern besser und kostengünstiger organisieren, innovative Geräte (z. B. Fitness Tracker) können Gesundheitszustände konstant überwachen und Big-Data-Analysen treffen Aussagen für alle im Gesundheitswesen relevanten Daten.

Durch die Digitalisierung lässt sich insbesondere das sogenannte Care Continuum wirkungsvoller und verlässlicher umsetzen. Dabei handelt es sich um ein System in Form einer Versorgungskette, das allen Beteiligten sämtliche bisher erfassten Informationen und Daten zugänglich macht. Patienten werden in der gängigen Praxis von unterschiedlichen Spezialisten untersucht, wobei Abklärungen nicht selten doppelt erfolgen, da nicht ersichtlich ist, ob sie bereits durchgeführt wurden, oder da die Resultate der vorhergehenden Untersuchung nicht zur Verfügung stehen. Sobald die rechtliche und regulatorische Lage in Bezug auf den Einsatz digitaler Lösungen im Gesundheitswesen geklärt ist und ein geeigneter Schutz gegen Hackerangriffe besteht, können in diesem Bereich substanzielle Kosteneinsparungen realisiert werden.