«Schätzungen waren zu konservativ»
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«Schätzungen waren zu konservativ»

Anfang September lancierte die Credit Suisse ihr neues Angebot Viva Kids mit dem digitalen Sparkässeli Digipigi. Fünf Wochen nach dem Verkaufsstart zieht Florence Schnydrig Moser, Head Product & Investment Services, eine erste Bilanz und spricht über übertroffene Erwartungen, entstehende Wartezeiten, falsche Realitäten und Kundenbriefe.

Credit Suisse: Frau Schnydrig, seit Anfang September bietet die Credit Suisse das Digipigi an. Wie sieht Ihr erstes Fazit aus?

Florence Schnydrig Moser: Wir sind mit dem Start äusserst zufrieden. Seit der Ankündigung spricht die Schweiz über das Digipigi und wie Kinder mit Geld umgehen können. Das war eines unserer wichtigsten Ziele.

Warum?

Viva Kids ist in erster Linie ein Hilfsmittel für die Finanzerziehung von Kindern. Unsere im Juli gemeinsam mit Pro Juventute vorgestellte Sackgeldstudie zeigte, wie wichtig dieses Thema für Familien in der Schweiz ist. Für 9 von 10 Schweizer Eltern ist es ein zentrales Erziehungsziel, dass Kinder frühzeitig den Umgang mit Geld lernen. Dass die Diskussion nun angestossen ist, finde ich erfreulich.

Bei dem ganzen Hype geht es aber eher um das Digipigi, weniger um die Finanzerziehung. Finden Sie das nicht schade?

Natürlich ist das Digipigi der emotionale Teil der Gesamtlösung, über den gesprochen wird. Das ist aber nicht wirklich erstaunlich, schliesslich handelt sich um ein physisch greifbares Objekt, das Begeisterung auslöst. Es ist aber nur der Aufhänger des Pakets – im Alltag zählen auch die anderen Komponenten wie die beiden Apps für Kinder und Eltern, die Maestro-Karte, der hohe Zins auf dem Sparkonto oder die Wissens- und Lernplattform Viva Kids World. Hier kommt dann der Erziehungseffekt zum Tragen.


Jetzt ist die Credit Suisse ja sicherlich nicht nur an Finanzerziehung interessiert, sondern verfolgt auch klare finanzielle Ziele. Was sind marktseitig Ihre Ambitionen?

Der Trend zu digitalen Zahlungsmitteln verändert unsere Beziehung zu Geld. Er stellt die Eltern vor die Herausforderung, den Kindern den Umgang mit Geld zu vermitteln in einer Zeit, in der Geld nicht einfach mehr eine Münze oder eine Banknote ist. Das gute alte Sparkässeli ist ein Hilfsmittel, das in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht. Auch das traditionelle Sparkonto genügt den Ansprüchen und Bedürfnissen der heranwachsenden Generation von Digital Natives nicht mehr. Wenn wir weiter wachsen wollen – und das wollen wir –, bedeutet die Entwicklung, dass die frühe und langfristige Kundenbindung wichtiger wird.

Reichte das bisherige Produktportfolio für eine nachhaltige Kundenbindung nicht aus?

Wir decken bisher einen Grossteil des Lebenszyklus' der Kunden ab – von jungen Menschen, die ihr erstes Geld verdienen über Erwachsene, die sich beispielsweise für Hauskauf, Vorsorge oder Investitionen interessieren, bis zu älteren Menschen die ihren Ruhestand planen. Als Universalbank ist es aber unentbehrlich, ein Angebotsportfolio bereitzustellen, das nicht erst bei der Jugend beginnt, sondern schon früher. Hier fehlte uns bisher ein attraktives Angebot. Digipigi soll uns helfen, kräftig aufzuholen und die Kundenbindung sicherzustellen.

Wie viele Digipigis haben Sie bereits verkauft?

Wie bei anderen Produkten geben wir keine detaillierten Zahlen bekannt.

Dann frage ich anders: Laut einem Medienbericht produziert die Bank pro Woche rund 1'000 Digipigis. Stimmt das?

Wenn Sie das als Grundlage nehmen, liegen Sie nicht falsch. Fünf Wochen nach Verkaufsstart zeigt sich, dass die die Produktion die Nachfrage nicht ganz decken kann. Es entstehen deswegen bei der Auslieferung an Kunden erste Wartezeiten. Das zeigt: Unsere Schätzungen waren zu konservativ.

Haben Sie nicht an den Erfolg des Digipigi geglaubt?

Natürlich haben wir das. Wir haben zwei Jahre lang an der Entwicklung des Digipigi gearbeitet, haben viel Zeit, Geld und Herzblut in das Projekt investiert. Wir waren überzeugt, dass wir ein spannendes Angebot lancieren.

Was sagen Sie Kindern, die nun auf Ihr Digipigi warten müssen?

Wir sprechen ja nicht direkt mit den Kindern, sondern mit den Eltern. Wir bitten um Verständnis und versuchen, so genau wie möglich anzugeben, wann sie das Digipigi in ihren Händen halten. Es ist essenziell, dass wir die Erwartungen entsprechend managen.

Besteht das Risiko, dass das Digipigi komplett ausverkauft sein wird?

Nein, davon gehen wir nicht aus. Bei den Digipigis in Türkis und Pink sind die Lagerbestände kleiner, da bei diesen Farben die Nachfrage am höchsten ist. Rot und schwarz sind hingegen noch gut verfügbar. Ausserdem haben wir die nächste Produktion bereits gestartet.

Eigentlich böte sich das Digipigi ja ideal als Göttigeschenk an. Warum beschränken Sie das Angebot auf Familien?

Finanzerziehung ist nach den Ergebnissen unserer Sackgeldstudie eine Angelegenheit, die im engsten Familienkreis erfolgt. Das heisst, zwischen den Eltern und ihren Kindern. Deswegen haben wir das Produkt so konstruiert, dass mindestens ein Elternteil ein Transaktionskonto und einen aktiven Online- und Mobile-Banking-Zugang der Credit Suisse benötigt. Darüber hinaus braucht es ein Viva Kids Banking Paket. So sind Eltern und Kinder miteinander verbunden, die Eltern behalten die Kontrolle, zum Beispiel über den Saldoverlauf – und die Kinder lernen den Umgang mit Geld.

In einem Medienkommentar wurde kritisiert, dass den Kindern mit dem Zinssatz von 5 Prozent eine falsche Realität vorgegaukelt würde. Können Sie den Vorwurf in Anbetracht des aktuellen Zinsumfelds nachvollziehen?

Beim Zinssatz auf dem Viva Kids Sparkonto geht es ja nicht darum, den Kindern die aktuelle Zinsrealität darzulegen. Vielmehr wollen wir damit eine edukative Wirkung erzielen: Die Kinder sollen lernen, dass sie pro Jahr für 100 Franken Erspartes fünf Franken zusätzlich erhalten – ohne etwas dafür zu tun. So lernen sie, dass sich Sparen lohnt. Mit einem Zins von 0,2 Prozent könnte dieser Effekt nicht erzielt werden.

Warum beschränken Sie den Superzins dann auf ein Guthaben von maximal 1'000 Franken?

Aus einem naheliegenden Grund: Gemäss unserer Sackgeldstudie besitzen Kinder in der Schweiz im Alter von 12 Jahren im Schnitt 844 Franken Erspartes. Die Grenze orientiert sich also an den tatsächlichen Verhältnissen. Aber klar, die Grenze unterbindet auch die Fehlnutzung des Kinder-Sparkontos.

Man konnte auch Kritik an den Ämtli lesen. Für viele Eltern ist es falsch, das Erledigen von Alltagsaufgaben mit Geld zu belohnen.

Ich bin selbst Mutter und teile diese Ansicht. Auch meine Kinder erhalten für Selbstverständliches keine Belohnung, schon gar keine finanzielle. Mit Extra-Aufgaben können sie sich aber einen Zustupf für das grosse Sparziel dazuverdienen. Um beiden Aspekten gerecht zu werden, können die Eltern über die Apps auch Ämtli vergeben, die nicht mit einem Geldbetrag belohnt werden. Dann dient die App als Aufgabenliste, quasi eine Art «Wunderlist» für Kinder.

Wie geht es mit Digipigi weiter?

Lassen Sie sich überraschen. Wir sind jedenfalls auf dem richtigen Weg: Ich bin seit über 20 Jahren im Banking tätig, und ich habe noch nie so viele Zuschriften bekommen wie bei Digipigi. Das Highlight war der Brief eines Kindes, das das Digipigi gezeichnet und dazu geschrieben hat, wie toll es das digitale Sparkässeli findet. Solche Feedbacks ermuntern uns natürlich, weitere Ideen zu entwickeln.